Unternehmen sehen sich heute einer wachsenden Bedrohung durch Cyberangriffe gegenüber.

Andreas Karl
Lead Auditor, ICT
Klassische Sicherheitsansätze, die auf Perimeterverteidigung beruhen, reichen nicht mehr aus. Stattdessen setzt sich das Sicherheitsmodell Zero Trust zunehmend durch. Es basiert auf der Annahme, dass keine Anfrage – unabhängig von Quelle oder Ziel – automatisch vertrauenswürdig ist. Jeder Zugriffsversuch wird konsequent geprüft. Dieser Beitrag beleuchtet die Grundprinzipien, Vorteile und Herausforderungen von Zero Trust.
Was ist Zero Trust?
Zero Trust hinterfragt die klassische Annahme, dass interne Netzwerkbereiche per se vertrauenswürdig sind. Stattdessen gilt jede Verbindung als potenziell kompromittiert, auch solche innerhalb des Unternehmens. Dies ist besonders relevant, da viele Angriffe lange unentdeckt bleiben und Zero-Day-Schwachstellen immer schneller ausgenutzt werden: Die Zeitspanne bis zum ersten Exploit beträgt heute oft weniger als vier Tage. Zero Trust begegnet dieser Realität mit einer konsequenten Zugriffskontrolle und kontinuierlicher Überwachung.
Die Grundprinzipien von Zero Trust
Das Grundprinzip bei Zero Trust ist Misstrauen gegenüber internen und externen Netzwerken. Zero Trust geht davon aus, dass weder das interne noch das externe Netzwerk, Netzwerkdienste oder Teilnehmer als vertrauenswürdig betrachtet werden sollte.
Alle Verbindungen und Anfragen müssen sorgfältig überprüft werden, bevor ihnen Zugang gewährt wird. Die Basis hierfür bilden Konzepte für feingranulare Zugriffskontrolle. Statt weitreichender Berechtigungen basierend auf Benutzerrollen, Benutzerrechten oder für ganze Netzwerksegmente ermöglicht Zero Trust eine granulare Steuerung, wer auf welche Ressourcen zugreifen kann. Dies kann auf der Grundlage von Identität, Gerätetyp, Standort und anderen Kontextfaktoren erfolgen.
Teilweise findet man solche Ansätze bereits heute umgesetzt, in der Überwachung von räumlichen und zeitlichen Zugriffen, wie Geo-Blocking oder der Überwachung mehrfacher Anmeldeversuche in unterschiedlichen Zeitzonen innerhalb kurzer Fristen.
Ein weiteres Prinzip ist die identitätsbasierte Sicherheit. Zero Trust setzt stark auf Identitäts- und Zugriffsmanagement, um sicherzustellen, dass nur autorisierte Benutzer, Service oder Netzwerkgeräte auf Unternehmensressourcen zugreifen können. Dies umfasst Technologien wie Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), Zugriffsmanagement (auch quantitativ) und Identitätsföderation.
Kontinuierliche Überwachung und Analyse ist ein weiterer Baustein in Zero-Trust-Konzepten. Statt sich auf einmalige Authentifizierungsvorgänge zu verlassen, wird in einem Zero-Trust-Konzept der Datenverkehr kontinuierlich überwacht, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen und darauf zu reagieren. Dies kann mithilfe von Verhaltensanalysen, KI-gestützter Analytik und anderen fortgeschrittenen Techniken erfolgen.
Der Übergang zu einem Zero-Trust-Modell bietet eine Reihe von Vorteilen für die Informationssicherheit von Unternehmen:
Schutz der Daten
Zero Trust zielt darauf ab, (besonders) sensible Daten zu schützen, unabhängig davon, wo sie sich befinden. Dies kann durch Verschlüsselung, Datenklassifizierung und andere Sicherheitsmassnahmen erreicht werden.
Verbesserter Datenschutz
Zero Trust hilft Unternehmen dabei, sensible Daten besser zu schützen, indem es sicherstellt, dass nur autorisierte Benutzer und Geräte darauf zugreifen können. Durch die Implementierung von Technologien wie Verschlüsselung und Datenklassifizierung können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Daten selbst dann geschützt sind, wenn sie kompromittiert werden.
Schutz vor Insider-Bedrohungen
Einer der grössten Vorteile von Zero Trust ist der Schutz vor Insider-Bedrohungen. Da das Modell davon ausgeht, dass sich Bedrohungen bereits innerhalb des Netzwerks befinden können, werden alle Zugriffsversuche unabhängig von ihrer Quelle überprüft und validiert. Dies hilft, die Gefahr von böswilligen Insidern oder bereits kompromittierten Konten zu reduzieren.
Reduzierung der Angriffsfläche
Zero Trust ermöglicht eine feingranulare Zugriffskontrolle, die es Unternehmen ermöglicht, die Angriffsfläche zu reduzieren. Anstatt weitreichende Berechtigungen zu gewähren, können Organisationen genau festlegen, wer auf welche Ressourcen zugreifen kann. Dies verringert das Risiko von unbefugtem Zugriff und Datenmissbrauch.
Stärkung der Netzwerksicherheit
Durch die Implementierung von Zero Trust können Unternehmen ihre Netzwerksicherheit stärken, indem sie die Kontrolle über den Datenverkehr verbessern und potenzielle Angriffe frühzeitig erkennen. Durch die kontinuierliche Überwachung und Analyse des Datenverkehrs können verdächtige Aktivitäten identifiziert und blockiert werden, bestenfalls bevor sie zu einem Sicherheitsvorfall oder Schaden führen.
Flexibilität und Skalierbarkeit
Zero Trust bietet Unternehmen Flexibilität und Skalierbarkeit, da es unabhängig von der Grösse oder Komplexität des Netzwerks implementiert werden kann. Unternehmen können Zero Trust schrittweise einführen und an ihre spezifischen Anforderungen anpassen, was es zu einer kostengünstigen und effektiven Sicherheitslösung macht.
Risikobasiert sollten Zero-Trust-Lösungen zuerst für die besonders relevanten Assets im Unternehmen zum Einsatz kommen, abhängig von der Informationsklassifizierung.
Compliance und regulatorische Anforderungen
Zero Trust kann Unternehmen dabei helfen, Compliance- und regulatorische Anforderungen zu erfüllen, indem es sicherstellt, dass sensible Daten angemessen geschützt sind und dass der Zugriff darauf streng kontrolliert wird. Dies kann dazu beitragen, Bussgelder und rechtliche Konsequenzen im Zusammenhang mit Datenschutzverletzungen zu vermeiden. Dies kann aber auch helfen, regulatorische Vorgaben und Gesetze einzuhalten.
Zero Trust setzt stark auf Identitäts- und Zugriffsmanagement, um sicherzustellen, dass nur autorisierte Benutzer, Service oder Netzwerkgeräte auf Unternehmensressourcen zugreifen können.
Obwohl Zero Trust viele Vorteile bietet, sind bei der Implementierung auch einige Herausforderungen zu beachten:
Komplexität
Die Implementierung von Zero Trust kann komplex sein, insbesondere in grossen und komplexen Netzwerkumgebungen. Es erfordert eine sorgfältige Planung und Abstimmung sowie die Integration verschiedener Technologien und Lösungen.
Benutzerakzeptanz
Die Einführung von Zero Trust kann auf Widerstand stossen, insbesondere von Benutzern, die sich an traditionelle Sicherheitsmodelle gewöhnt haben. Es ist wichtig, die Benutzer über die Vorteile von Zero Trust aufzuklären und Schulungen und Sensibilisierungsmassnahmen anzubieten, um die Akzeptanz zu fördern.
Ressourcenbedarf
Die Implementierung und Wartung von Zero Trust erfordert zusätzliche Ressourcen, sowohl finanzielle als auch personelle Ressourcen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie über die erforderlichen Mittel und Fachkenntnisse verfügen, um Zero Trust erfolgreich zu implementieren und zu betreiben.
Integration mit bestehenden Systemen
Zero Trust muss nahtlos in bestehende IT-Systeme und -Prozesse integriert werden. Dies kann eine Herausforderung darstellen, insbesondere wenn Unternehmen eine Vielzahl von Legacy-Systemen und Anwendungen verwenden.
Skalierung
Die Skalierung von Zero Trust kann eine Herausforderung darstellen, insbesondere für Unternehmen mit grossen und verteilten Netzwerken. Es ist wichtig sicherzustellen, dass Zero Trust auch in Umgebungen mit hoher Komplexität und hohem Datenverkehr effektiv skaliert werden kann.
Fazit
Durch die Implementierung von Zero Trust können Unternehmen ihre Netzwerksicherheit stärken, sensible Daten besser schützen und sich effektiv gegen eine Vielzahl von Cyberbedrohungen verteidigen.
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