moving lift in an automated warehouse
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Deutschland Supply-Chain-Management

Der Taktgeber im Inneren: die zentrale Rolle der Intralogistik

05.01.2026
von SMA

Vom staubigen Lagerhaus zum hochdynamischen Fulfillment-Center: Die Evolution des innerbetrieblichen Materialflusses krempelt die Supply Chain nachhaltig um. So sieht »Intralogistik 2.0« aus. 

Während der strategische Fokus oft auf den globalen Routen der Lieferkette liegt – den Containerschiffen, Frachtflugzeugen und der »Letzten Meile« –, entscheidet sich die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Unternehmens oft dort, wo die Öffentlichkeit selten hinsieht: innerhalb der eigenen vier Wände. Die Intralogistik ist längst nicht mehr nur die Verwaltung von Beständen, sondern hat sich zum technologischen Herzstück moderner Wertschöpfung entwickelt. Sie bildet die operative Brücke zwischen Beschaffung und Distribution und definiert, wie schnell, präzise und kosteneffizient das Versprechen an den Kunden eingelöst werden kann. Wer die externe Supply Chain optimiert, aber die internen Prozesse vernachlässigt, riskiert einen operativen Herzinfarkt – genau dort, wo Wertschöpfung stattfinden sollte.

Definition und strategische Bedeutung im Gesamtgefüge

Unter Intralogistik versteht man die Organisation, Steuerung, Durchführung und Optimierung des innerbetrieblichen Material- und Warenflusses sowie der damit verbundenen Informationsströme. Sie umfasst den gesamten Weg vom Wareneingang über die Lagerung und Kommissionierung bis hin zum Warenausgang. In einer modernen Supply Chain fungiert die Intralogistik als entscheidender Puffer und Beschleuniger zugleich. Sie muss die Volatilität der globalen Märkte abfedern und gleichzeitig die steigenden Erwartungen der Kunden an Individualisierung und Liefergeschwindigkeit erfüllen.

Die Relevanz dieses Segments ist in den letzten Jahren exponentiell gestiegen. Getrieben durch den E-Commerce-Boom und den Trend zu immer kleineren Losgrößen bis hin zur »Losgröße 1«, ist das Lagerhaus kein statischer Aufbewahrungsort mehr, sondern eine dynamische Durchgangsstation. Die Intralogistik muss heute in der Lage sein, komplexe Sortimente in Höchstgeschwindigkeit zu verarbeiten. Sie ist das Scharnier, das sicherstellt, dass die strategisch klug beschafften Rohstoffe auch tatsächlich pünktlich in die Produktion gelangen und das fertige Produkt ohne Zeitverlust den Weg zum Kunden findet. Eine ineffiziente Intralogistik bremst die gesamte Supply Chain aus, bindet unnötig Kapital in Beständen und gefährdet die Kundenzufriedenheit durch Fehlkommissionierungen oder Verzögerungen.

Die Intralogistik bildet die operative Brücke zwischen Beschaffung und Distribution.

Integration in die moderne Supply-Chain-Architektur

Die nahtlose Integration der Intralogistik in die übergeordnete Supply Chain ist heute eine Frage der digitalen Vernetzung. Isolierte Lagerverwaltungssysteme sind Relikte der Vergangenheit. In einem modernen Setup kommuniziert die Intralogistik in Echtzeit mit dem ERP-System, den Lieferanten und den Spediteuren. Wenn ein Schiff verspätet ist, muss das Intralogistik-System diese Information sofort verarbeiten, um Personalplanung und Lagerplätze dynamisch anzupassen. Umgekehrt muss der Vertrieb in Echtzeit wissen, ob ein Produkt tatsächlich »auf Lager« und damit versandbereit ist.

Diese Integration erfordert das Aufbrechen von Datensilos. Die Intralogistik wird zum Datenlieferanten für das gesamte Unternehmen. Sensoren und Scans erfassen jeden Bewegungsschritt und speisen diese Daten in den digitalen Zwilling des Unternehmens ein. So wird der physische Materialfluss transparent und steuerbar. Die Grenze zwischen interner und externer Logistik verschwimmt zunehmend, etwa wenn Lieferanten direkt in die Produktionslinie liefern oder Logistikdienstleister tief in die internen Prozesse des Herstellers eingebunden sind.

Technologische Lösungen und der Weg zur Automatisierung. Um dem Druck nach Effizienz und dem eklatanten Mangel an Fachkräften zu begegnen, setzt die Branche massiv auf Automatisierung und Robotik. Die Lösungen reichen von teilautomatisierten Assistenzsystemen bis hin zu »Dark Warehouses«, in denen Maschinen weitgehend autonom agieren. Ein zentraler Trend ist der Einsatz von Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) und autonomen mobilen Robotern (AMR).

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