
Andy Fitze
Co-Founder SwissCognitive und High Latitude Explorer
Während sich andere Länder um die Poleposition im Bereich der KI streiten, zählt die Schweiz nicht Modelle, sondern Wirkung. Unsere Wirtschaft und Politik sind kein chaotischer Haufen erratischer Interessen, sondern eine fein abgestimmte Mechanik. Ein Beispiel gefällig? Jeden Mittwoch werden Bundesratskonsenzentscheidungen auf höchster Ebene im Minutentakt gefällt. Während anderswo die nächste Buzzword-Welle geritten wird, arbeitet die Schweiz still und leise daran, KI wirklich nutzbar zu machen.
In der ersten Industrialisierung wurden nicht einfach Maschinen importiert, sondern Täler umgebaut, Lebensläufe neu geschrieben und aus Heimarbeit ernst zu nehmende Branchen aufgebaut. Später sprach niemand mehr von «Disruption». Es wurde einfach gebaut, erfunden und exportiert. Genau dort liegt die Parallele zu heute: Wer KI nur wie ein neues Spielzeug behandelt, verliert. Wer sie jedoch nutzt, um Wertschöpfung, Zusammenarbeit und Bildung grundlegend neu zu denken, knüpft an die erfolgreichsten Kapitel der Schweizer Wirtschaftsgeschichte an.
Während der Rest der Welt stolz seine Riesenrechenzentren, LLM-Milliardeninvestitionen und KI-Hyperregulierungen präsentiert, lebt die Schweiz von etwas weniger Spektakulärem, dafür aber deutlich Soliderem: Präzision, Verantwortung und Langfristigkeit. Applied AI bedeutet hier: KI, die Prozesse wirklich verbessert, Mitarbeitende stärkt statt ersetzt, Kundenerlebnisse optimiert und Nachhaltigkeitsziele messbar erreicht, quer durch alle Branchen, vom Finanzplatz bis zur Gesundheitsversorgung. Es gewinnt nicht die größte, lauteste oder «komplizierteste» Lösung, sondern jene, die im Alltag funktioniert.
Applied AI bedeutet eben nicht nur: «Wir haben auch ein Modell.» Es bedeutet, Märkte neu zu erfinden, Materialien neu zu entdecken, Moleküle besser zu verstehen, Organisationen und Wertschöpfungsketten neu zu definieren, Ausbildung und Weiterbildung konsequent weiterzudenken und damit den gesellschaftlichen Zusammenhang einer Wissensgesellschaft neu zu prägen. «Future in Motion» ist keine leere Floskel, sondern ein Stresstest: Wer bleibt im alten Modus stecken und wer traut sich, KI zum festen Bestandteil der eigenen Identität als Unternehmen, Branche und Standort zu machen?
Führungsstärke im Geist von KI made in Switzerland bedeutet deshalb: weniger Ausreden, mehr Entscheidungen. Die Schweiz war schon einmal Weltmeisterin darin, ihre Rolle in der Welt mit neuer Technologie neu zu definieren. «Future in Motion» ist die Einladung, diese Disziplin wieder aufzunehmen und zu zeigen, dass angewandte KI unsere Welt nicht nur verändert, sondern auch spürbar verbessert.
Die Schweiz startet dabei nicht bei null: Es gibt keine maroden Brücken als Dauerbaustellen, keine flächendeckend kollabierende Infrastruktur und keine politisch völlig dysfunktionalen Verhältnisse, die den Fortschritt blockieren. Stattdessen trifft man auf vergleichsweise stabile Institutionen, eine solide Verwaltung, wenig Korruption und eine Wirtschaft, die trotz globaler Unsicherheiten widerstandsfähig bleibt. Es ist klug, nicht in der Krise panisch zu reagieren, sondern in guten Zeiten mutig voranzugehen.
«In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten.», sagte mal Albert Einstein. Genau dort setzt die Schweiz an: Wir machen aus Möglichkeiten Machbarkeit, ohne Spektakel, ohne Hype. Klein, präzise, verlässlich. Und gerade deshalb Schritt für Schritt wirkungsvoll.
Text Andy Fitze, Co-Founder SwissCognitive und High Latitude Explorer
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