plan g: warum  gesheitswirtschaft unsere nächste leitindustrie in deutschland  europa den kann
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Deutschland Editorial Gesundheit

Plan G: Warum die Gesundheitswirtschaft unsere nächste Leitindustrie in Deutschland und Europa werden kann

22.12.2025
von SMA

Niklas Kuczaty, Geschäftsführer VDMA HealthTech

Niklas Kuczaty
Geschäftsführer VDMA HealthTech

Die unbequeme Wahrheit anerkennen

Die deutsche und europäische Wirtschaft steht unter starkem Druck. Internationale Machtverschiebungen, tiefgreifender Wertewandel und neue Hürden beim Marktzugang stellen insbesondere etablierte Branchen vor enorme Herausforderungen. Die Folge: Transformationsdruck für Branchen wie die Automobilindustrie und den Maschinenbau sowie den Chemie- und Pharmabereich. Hinzu kommt eine wachsende globale Konkurrenz, die Notwendigkeit zur Digitalisierung und hohe Produktionskosten in Europa. Die zentralen Fragen lauten daher: Woher kommt das Wachstum von morgen? Welche Branchen sind zukunftsfähig und wie schnell können neue Märkte erschlossen werden?

Ein neuer Kontinent der Chancen: Die Gesundheitswirtschaft

Stellen Sie sich einen Zukunftsmarkt vor, der zukunftsrelevant und wachstumsstark ist und das Potenzial hat, ganze Unternehmensbereiche neu auszurichten – die Gesundheitswirtschaft bietet genau diese Chance. Sie umfasst dabei mehr als nur Krankenhäuser, Medizintechnik und Pharma; sie ist ein riesiges Ökosystem, das von grundlegenden, nicht zyklischen Faktoren angetrieben wird. Hierzu zählt z. B. eine alternde Gesellschaft mit dem Wunsch nach einem langen und gesunden Leben. Allein hierdurch entsteht eine stetig wachsende Nachfrage nach medizinischer Versorgung. Zudem verschiebt sich der Fokus von der Behandlung von Krankheiten zur aktiven Vorsorge, unterstützt durch Health-Accessorys, Biotech und patientenindividuelle Therapien.

Unter ökologischen Gesichtspunkten ist die Gesundheitswirtschaft ebenfalls hochinteressant. So macht der Druck zur CO2-Reduktion das »Green Hospital« zu einem riesigen Investitionsfeld – von nachhaltigem Krankenhausbau und »grüner« Infrastruktur bis hin zu ressourcenschonenden Prozessen.

Die Aussagen lassen sich schließlich durch einige Zahlen untermauern. Das prognostizierte Wachstum des globalen Marktes für personalisierte Medizin beläuft sich auf einen Anstieg von ca. 89,15 Mrd. USD im Jahr 2025 auf 169,46 Mrd. USD im Jahr 2032, was einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 9,6 Prozent entspricht1.

Um dem Investitionsstau bei Krankenhäusern entgegenzuwirken, gibt es allein von der EU verschiedene Fonds, die für die Jahre 2021 bis 2027 ca. 42 Milliarden Euro zur Verfügung stellen2. Deutschland stellt durch seinen Krankenhaustransformationsfonds von 2026 bis 2035 jährlich fünf Milliarden Euro zur Modernisierung seiner Krankenhäuser zur Verfügung. Damit wird klar: Wir reden über einen globalen Megamarkt, der für intelligente, nachhaltige und individuelle Lösungen »Made in Germany« bereit ist.

Wo deutsche und europäische Industrie auf die Zukunft der Gesundheit trifft

Worin bestehen also die Kompetenzen deutscher und europäischer Unternehmen und weshalb passen sie perfekt zu den neuen Anforderungen der Gesundheitswirtschaft? Ein Unternehmen, das heute energieeffiziente Fabriken plant und baut, besitzt die Kernkompetenz für die Entwicklung nachhaltiger Krankenhäuser. Die Expertise aus der Industrie 4.0 in der Vernetzung von Maschinen und der effektiven Datennutzung ist die Grundlage für digitalisierte Gesundheitseinrichtungen. Die KI, die heute die Wartung einer Produktionslinie vorhersagt, kann morgen die Auslastung von OPs steuern oder in der Diagnostik unterstützen. Unternehmen, die heute hochpräzise Komponenten für die Automobil- oder Chemieindustrie fertigen, können die Automatisierungslösungen für morgen liefern. Ebenso ist das Know-how in Sensorik, Miniaturisierung und nutzerfreundlichem Design aus der Unterhaltungselektronik entscheidend für die Entwicklung von Health-Accessorys wie Wearables. Offene Standards sind dabei der Schlüssel für Interoperabilität, um Insellösungen zu vermeiden und ein echtes digitales Ökosystem zu schaffen.

Die Transformation gestalten: Der Weg zum Healthtech-Anbieter

Um dies zu erreichen, bedarf es einer grundlegenden Transformation eines Unternehmens und dessen Ausrichtung. Zu den wichtigsten Aspekten zählen dabei der strategische Weitblick und die Bereitschaft, sich auf neue Geschäfts- und Finanzierungsmodelle wie Value-based Care einzulassen, bei denen der Patientennutzen und das Ergebnis im Vordergrund stehen. Hinzu kommt der Mut zur Kooperation und die Offenheit, in neuen Ökosystemen zu agieren – in Partnerschaften mit Kliniken, Biotech-Start-ups, Architekt:innen, Krankenkassen und Verbänden. Schließlich ist die Investitionsbereitschaft in neue Technologien und Wissen entscheidend.

Diese Transformation ist eine enorme Chance für viele Unternehmen und für den Industriestandort Europa. Unsere Botschaft ist klar: Die größte wirtschaftliche und gesellschaftliche Chance der kommenden Jahrzehnte liegt in der Gestaltung einer automatisierten, digitalen, nachhaltigen und patientenzentrierten Gesundheitsversorgung. Nutzen wir die europäische Ingenieurskunst, unseren Innovationsgeist und unser Qualitätsversprechen, um die nächste europäische Leitindustrie zu prägen. Die Zukunft der Gesundheit wird jetzt gestaltet – und sie sollte eine europäische Handschrift tragen.

Text Niklas Kuczaty, Geschäftsführer VDMA HealthTech

Quellen:

1 https://www.coherentmarketinsights.com/industry-reports/personalized-medicine-market

2 https://reports.weforum.org/docs/WEF_PHSSR_European_Union_Investing_in_Health_2025.pdf 

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