body neutrality, körperrespekt
Jugend

Allen Körpern gebührt Respekt

02.11.2021
von Kevin Meier

Der Blick in den Spiegel kann für viele unangenehm sein. Nicht unbedingt nur aufgrund der eigenen Wahrnehmung, sondern auch, weil die Gesellschaft nicht allen Körpern den gleichen Respekt zugesteht.

Die Wahrnehmung des menschlichen Körpers ist seit jeher mit gesellschaftlichen Normen behaftet. Von diesen Idealen profitiert schlussendlich niemand, zumindest nicht auf individueller Ebene. Angefangen mit dem Fat-Acceptance-Movement in den USA der 1960er-Jahre bis zum Hashtag #BodyPositivity, die Gleichberechtigung aller Körper ist kein neues Anliegen. Die Body-Positivity-Bewegung scheint nun aber verzerrt, denn die «Vorbilder» entsprechen zunehmend den gesellschaftlichen Schönheitsnormen. Dies beobachtet auch Melanie Dellenbach von Body Respect Schweiz: «Für uns ist der Begriff bedeutungslos geworden – ganz besonders, wenn dicken Menschen vorgeworfen wird, dass sie ihn falsch verwenden würden.»

Der «gesunde» Körper

Die Gesundheit eines Menschen wird fälschlicherweise oft am Aussehen des Körpers abgelesen. Tatsächlich hängt die körperliche Unversehrtheit von vielen Faktoren ab. Neben den Genen und der Umwelt gehören dazu weitere Parameter wie Einkommen und soziales Umfeld.

«Der Wert eines Menschen sollte niemals von seinem Gesundheitszustand abhängig gemacht werden. Wir betrachten Gesundheit als eine Ressource, nicht als Lebensziel», erklärt Dellenbach. Ein gesundes Körperbild bedeute dann auch, den Körper unabhängig von Gewicht und Unvollkommenheiten zu akzeptieren und zu respektieren sowie mediale Ideale zu hinterfragen. 

Positivity, Neutrality, Respect

Die ursprüngliche Vision der Body Positivity war eine gerechtere und inklusivere Gesellschaft. In den letzten Jahren haben jedoch viele der Bewegung den Rücken gekehrt. Was Body Positivity heute darstellt, scheint von der originalen Idee abgewichen zu sein. An diese Stelle rücken einige die Body Neutrality: Den Körper nicht als gut oder schlecht zu werten, sondern schlicht als neutral zu betrachten. «Für Menschen mit einem negativen Körperbild kann das durchaus sinnvoll sein, wenn es um den Umgang mit der eigenen Selbstwahrnehmung geht», meint Dellenbach. Allerdings fehle auch dieser Bewegung der Aspekt, dass negative Körperbilder gesellschaftliche Ursachen und Auswirkungen haben. Denn egal wie man selbst den eigenen Körper sieht, «die Gesellschaft betrachtet dicke Körper nicht als neutral», so die Expertin.

Respekt für alle Körper

Aus diesem Grund steht für Body Respect Schweiz nicht nur die individuelle, sondern auch die gesellschaftliche Ebene im Fokus. «Ziel ist eine neue Kultur von Körper-Respekt, in der allen Menschen und ihren Körpern mit Respekt begegnet wird», erläutert Dellenbach. Oder anders formuliert: Vielfalt, Diskriminierungsfreiheit, Gleichberechtigung und Hindernisfreiheit in allen Lebensbereichen für behinderte, queere, schwarze, dünne und dicke Körper. Die Botschaft von Body Respect ist einfach: «Ganz unabhängig davon, wie du aussiehst, wie dick oder dünn du bist – du verdienst Körper-Respekt!»

Eine Antwort zu “Allen Körpern gebührt Respekt”

  1. Adrian Rau sagt:

    Toller Beitrag. 👌👍👏

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