fabian egger fabian egger: «travel content kommt beim schweizer wanvolk gut an»
Der Praktikant by Fabian Egger GmbH
Outdoor Interview

Fabian Egger: «Travel Content kommt beim Schweizer Wandervolk gut an»

31.05.2024
von Linda Carstensen

Fabian Egger – alias der Praktikant – ist seit drei Jahren auf TikTok aktiv. Täglich postet er Videos von Schweizer Reisedestinationen. Im Gespräch mit «Fokus» erzählt der 25-Jährige von seiner Lieblingsdestination in der Schweiz, warum er Travel Content postet und dass er seine Karriere schon Hunderte Male hätte beenden können.

«der Prakitkant»Fabian Egger TikToker

«der Prakitkant»
Fabian Egger
TikToker

Fabian, wieso bist du TikToker geworden?

2018 habe ich angefangen, Videos zu drehen und auf YouTube hochzuladen – damals noch im Querformat (lacht). Wir waren ziellos; Hauptsache es machte Spass. Die Entscheidung, mit den Videos in die Öffentlichkeit zu gehen, kostete mich tatsächlich etwas Überwindung, denn ab diesem Zeitpunkt kannst du als Person angekreidet werden. Auf YouTube folgte Instagram. Damals gab es noch ein zeitliches Limit: User:innen mussten nach einer Minute swipen, um sich die nächste Minute des Videos anzuschauen. 2020, während des ersten Lockdowns, stellten wir auf «TikTok first» um. Seitdem posten wir kurze, knackige Videos mit Einzigartigkeitswert.

Was bedeutet einzigartig?

Sich selbst zu bleiben und nichts zu imitieren. Wir wollten eigene Formate und Ideen entwickeln und keine Copy-Paste-Influencer werden, die zum Beispiel alle den gleichen Tanz machen. Seit 2021 drehen wir Videos mit Travel-Tipps – nicht nur für TikTok. Wir produzieren das Video einmal und laden es dann auf allen Kanälen hoch.

Wie kam es dazu?

Das Erstellen und Posten von Travel Content macht mir am meisten Spass. Ausserdem gehen einem die Travel-Tipps nie aus. Das bedeutet, dass wir das längerfristig durchziehen können. Aber an erster Stelle steht der Spassfaktor. Wenn es mir verleidet, mache ich etwas anderes. Beginner:innen gebe ich immer als Tipp, dass sie das machen sollen, was ihnen Spass macht und sie nicht nur ans Geld denken sollen. Und beim Schweizer Wandervolk kommt Travel Content gut an.

Was sind denn deine Lieblingsdestinationen in der Schweiz?

Im Winter zieht es uns oft nach Graubünden, ein toller Kanton! Hier gibt es viele Gebiete, die zahlreiche Aktivitäten für junge Menschen anbieten, zum Beispiel das Eis-Minigolf in Davos, Airboarden in Arosa oder den Eisweg im Engadin, der sich durch einen märchenhaften Wald schlängelt. Auch der Kanton Wallis ist ein beliebter Content-Kanton, allerdings eher im Sommer. Es ist erstaunlich, wie dicht das Angebot hier ist. Alle fünf Kilometer gibt es eine neue Attraktion. Ich empfehle das Vergnügungszentrum Western-City in Martigny, den Swiss Vapeur Parc in Le Bouveret und den grössten unterirdischen See Europas – den Lac Souterrain in Saint-Léonard.

Und deine Lieblings-Outdoor-Aktivität?

Letzten Sommer waren wir in Einsiedeln und rutschten mit Airboards die Skisprungschanze hinunter. Sie wird bewässert und man beschleunigt auf bis zu 100 Stundenkilometer. Das war echt eindrücklich! Diese Saison machen wir wieder den 007-Bungee-Jump von der Verzasca-Staumauer. Er ist mit 200 Franken relativ teuer, aber es lohnt sich auf jeden Fall! Was wir diesen Sommer auch noch machen wollen, ist die Via Ferrata. Der Klettersteig beginnt hoch über dem Lauterbrunnental, die Aussicht in den steilen Abgrund muss bombastisch sein!

Was braucht es, um in der Schweiz auf TikTok erfolgreich zu sein?

Um einen Kanal aufzubauen und zum Wachsen zu bringen, muss man täglich ein Video hochladen. Heute müssten wir das nicht mehr, aber wir tun es trotzdem noch. Ausserdem muss man einen USP entwickeln: Finde etwas, das dich einzigartig macht, ein unvergessliches Wiedererkennungsmerkmal. Plattformen wie TikTok sind für Trial-and-Error da. Ich lade immer wieder Videos hoch, von denen ich mir denke, dass sie Mist sind. Und manchmal kommen dann genau die gut an (lacht).

Du hast 162 500 Follower:innen (Stand Mai 2024) auf TikTok. Überrascht es dich, dass du so erfolgreich geworden bist?

Ich wollte schon voll durchgeben und dachte mir, es wäre cool, berühmt zu sein. Jedes Jahr habe ich mir Follower:innen-Ziele gesetzt. Mein Anspruch ist, meine Follower:innen immer wieder neu zu unterhalten. Seit drei Jahren lade ich jeden Tag ein Video hoch – das braucht echt «Dedication». Als ich 2018 anfing, hätte ich nie gedacht, dass es so viel braucht, um den Menschen auf Social Media im Kopf zu bleiben. So viele Menschen sagen, dass sie gerne Influencer:innen wären, weil «dieses Leben so chillig ist».

Das heisst, dein Leben als Influencer ist nicht chillig?

Nicht nur. Man braucht eine dicke Haut, um böse Kommentare zu ertragen. Ich hätte deswegen schon Hunderte Male aufhören können, aber ich habe dem Druck standgehalten. Ich lerne immer noch, mich davon abzugrenzen. Auch das Leben als Selbstständigerwerbender ist herausfordernd. Vor zwei Monaten haben wir eine GmbH gegründet. Seitdem muss ich alles im Blick behalten. Ich kümmere mich nicht nur um die Produktion und das Storytelling, sondern auch um die Administration und das Sekretariat. Ich muss auf verschiedene Stakeholder achten; das ist äusserst spannend, aber auch sehr schwierig.

Blicken wir in die Zukunft: Möchtest du trotz dieser Herausforderungen Influencer bleiben?

Ja, ich möchte sicher weiterhin Content für Social Media produzieren. Aber es ist schwierig, langfristig zu planen. Plattformen wie TikTok sind so volatil. Ich glaube jedoch, dass Influencer:innen-Marketing auch in Zukunft noch wichtig sein wird, wenn nicht sogar noch wichtiger. Dass Menschen Geschichten mit Storytelling konsumieren wollen, wird es hoffentlich noch lange geben. Man muss sich nur bewusst sein, dass sich diese Welt kontinuierlich verändert. Es gibt immer mehr Konkurrenz, neue Leute mit neuen Ideen. Das bedingt, dass wir wandelbar bleiben. Und das möchte ich weiterhin sein.

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Fabians Wandertipps für die Schweiz

Barfuss-Erlebnisweg im Appenzellerland
Ohne Socken und ohne Schuhe über wunderschöne Wiesen und durchs Moor. Knietief im Schlamm – laut Fabian ein «Mega-Erlebnis».

Sieben Brunnen
Die Simme, der 55 Kilometer lange Fluss im Berner Oberland, hat sieben Quellen. Sie mündet im Thunersee. Die Quellen sprudeln aus mächtigen Kalksteinwänden – «wirklich beeindruckend».

Klangweg in Wildhaus
Eine abwechslungsreiche Wanderung kombiniert mit einem kulturellen Klangerlebnis.

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