Interview Jugend Lifestyle Women

In lebendigen Farben: Ein Gespräch mit Zoë Pastelle

12.06.2020
von Fatima Di Pane

Zoë Pastelle ist mit über 200‘000 Followern eine der erfolgreichsten Schweizerinnen auf Instagram. Im Interview erzählt sie vom Leben als Content Creator und verrät uns ihre Ziele. 

Social Media hat sich seit 1997, als das erste soziale Netzwerk an den Start ging, stark verändert. Instagram gibt es erst seit zehn Jahren. Wie wird sich Social Media noch verändern?

Wir leben in einer sehr schnelllebigen Gesellschaft und Social Media ist immer im Wandel. Social-Media-Plattformen sind wie Fashiontrends. Jede Generation hat ihre eigene Plattform, welche zu einem Teil ihrer Identität wird. Es gibt aber auch zeitlose Konzepte wie Youtube, welche wohl noch über weitere Generationen populär bleiben werden. Facebook ist seit Instagram in meiner Generation ziemlich ausgestorben. Auch Instagram ist heutzutage schon gesättigt von Content; es zeichnet sich bei der jüngsten Generation ein Trend Richtung «TikTok» ab. Dessen Hype hat aber meiner Meinung nach auch mit der Suche nach mehr «real life» unter Jugendlichen zu tun. Videos lassen sich weniger gut faken als Fotos und mehr vom Menschen durchblicken.

Du hast in Interviews öfters erwähnt, dass du den Begriff Influencer nicht magst. Wie nennst du dich selbst?

Ich habe nie versucht, jemanden zu beeinflussen, sondern einfach mein Leben geteilt. Mit der Zeit habe ich dann begonnen, spezifische Inhalte zu kreieren. Mittlerweile setze ich für Brands Kampagnen um und helfe ihnen, ihre persönliche Content-Strategie zu finden. Daher finde ich «Content Creator» passender.

Inwiefern ist die Marke Zoë Pastelle ein Konzept?

Es war nie ein Konzept, weil ich nie ein Konzept hatte (lacht). Ich habe einfach immer gemacht, was ich wollte: Von der Ballettakademie zur Schauspielschule bis hin zu Social Media. Ich bin einfach immer mit dem Fluss gegangen. Natürlich hat sich das Ganze langsam zu einem Business entwickelt – aber auf natürliche Weise. Als Marke steht der Name für Kontinuität am Nerv der Gesellschaft, natürliche und authentische Professionalität, Kreativität und Nachhaltigkeit.

Ich habe einfach immer gemacht, was ich wollte.

Zoë Pastelle

Dir sind Nachhaltigkeit und Umweltschutz sehr wichtig, und doch jettest du stets um die Welt. Wie lässt sich das vereinbaren?

Ich habe nie gesagt, ich sei perfekt oder radikal. Ich ernähre mich seit 12,5 Jahren 100 Prozent vegan und versuche auch in der Fashionwelt immer nachhaltiger zu denken, was eine riesige Herausforderung ist!

Ich sage sehr viele Anfragen ab, weil ich nicht hinter der Brand stehen kann. Ich versuche mich immer stärker auf Nachhaltigkeit in der Modewelt zu fokussieren und mache mir sehr viele Gedanken. Seit zehn Jahren lassen sich unzählige Menschen von meinem Veganismus und meiner Natürlichkeit, was meinen Lifestyle betrifft, inspirieren und teilen mir das auf diversen Plattformen mit. Das freut und motiviert mich.

Ich sage sehr viele Anfragen ab, weil ich nicht hinter der Brand stehen kann.

Zoë Pastelle

Du sagst, du willst auf Instagram authentisch sein. Wie erreichst du Authentizität?

Indem ich nicht zu viel überlege, wenn ich eine gute Idee habe und nur mit Brands zusammenarbeite, hinter welchen ich stehen kann. Ich überlege mir oft: Würde ich das meiner besten Freundin empfehlen? Generell teile ich mein Leben in echten lebendigen Farben mit, so wie es ist.

Würdest du sagen, eine einflussreiche Person im Netz zu sein, ist ein Traumjob?

Es kommt darauf an, für wen. Man muss kreativ sein, und bereit dazu, viel zu arbeiten. Wer auch noch risikofreudig ist und gerne in der Öffentlichkeit steht, für sich einstehen kann und mutig ist, für den ist Content Creator sicher ein Traumjob.

Wer Schüchternheit und Unsicherheit nicht überwinden kann, für den wäre es der Höllenjob. Man muss sich in allen Gesellschaftskreisen zurechtfinden.

Was willst du noch lernen?

Alle Asanas! Ich schliesse jetzt gerade mein Yoga-Teacher-Training ab und will mich unbedingt noch mehr darin vertiefen. Da gibt es so viel zu lernen! Ausserdem will ich lernen, wie man ein Skript schreibt.

Ich bin einfach immer mit dem Fluss gegangen.

Zoë Pastelle

Welche Rollen und Projekte interessieren dich als Schauspielerin besonders?

Mich reizen im Leben allgemein Herausforderungen, daher suche ich das auch immer bei einer Rolle. Mich reizen Rollen, welche möglichst weit von dem entfernt sind, wie ich in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. Die Hauptsache bleibt aber, dass sich Zuschauer in meiner Rolle selber wiederfinden können und sie etwas in ihnen bewegt.

Du warst in der zweiten Staffel «Switzerlands Next Topmodel» in der Jury dabei. Wo liegt der Unterschied zwischen einem klassischen Model und deiner Arbeit?

Heutzutage vermischen sich diese zwei Berufe komplett, da bei den Models immer mehr auf die Reichweite geschaut wird. Heute buchen Brands meistens Personalities, die eine Message und eine Followerschaft auf Social Media haben. Nur ein Model zu sein, reicht daher nicht mehr. Von der Arbeit her ist es so, dass ein Model nur sein Gesicht gibt, der Rest gestaltet die Brand. Ein «Content Creator» organisiert hingegen die ganze Produktion von einem Shoot selber und kann dadurch auch selber entscheiden, wie er die Brand für sich interpretiert und darstellen möchte.

Instagram ist ein visuelles Medium. Das führt auch dazu, dass sich viele miteinander vergleichen und unter Druck geraten. Passiert dir das auch?

Der tägliche Druck ist tatsächlich manchmal ein Problem. Ich finde jedoch, dass man immer selber entscheiden kann, wie man die Plattform nutzt. Lässt man sich inspirieren oder fertigmachen? Jedoch ertappe ich mich auch selber manchmal, wie ich mich mit anderen vergleiche und merke es dann aber ziemlich schnell. Vor allem in der Fashion-Branche herrscht ein riesiger Konkurrenzkampf, aus dem ich mich versuche, rauszuhalten.

Wie siehst du deine berufliche Zukunft?

Leidenschaftlich, selbständig, farbig und kreativ. Mehr verrate ich nicht!

Kurz & knapp

Kino oder Streaming? Kino!

Gedanken lesen oder Zeitreisen? Zeitreisen!

Realist oder Optimist? Optimist!

Extrem intelligent sein oder extrem gut mit Menschen umgehen können? Letzteres!

Alle Programmiersprachen der Welt beherrschen oder die wichtigsten Sprachen der Welt sprechen? Am liebsten jede Sprache der Welt!

Interview Fatima Di Pane

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vorherigen artikel Was ist Influencer Marketing?
Nächsten artikel Leif Eriksson – Wie die Wikinger nach Amerika fanden