Dr. Felix Bertram ist Dermatologe, Unternehmer und Autor – und jemand, der Gesundheit ganzheitlich denkt. Er verbindet medizinisches Fachwissen mit einem tiefen Verständnis für Lifestyle, mentale Stärke und innere Balance. Im Gespräch erzählt er, wie ein Schicksalsschlag ihn zur Medizin brachte, warum er Hautpflege neu definiert und was Langlebigkeit für ihn bedeutet.

Dr. Felix Bertram
Dermatologe, Unternehmer und Autor
Dr. Bertram, woher kommt Ihre Faszination mit der Haut?
Das war eigentlich Zufall. Als Kind wollte ich Schauspieler werden. Aber als ich dann bei einem Motorradunfall mein Bein verlor und im Krankenhaus lag, habe ich gemerkt, wie existenziell diese Erfahrung ist und wie viel ein guter Arzt ausrichten kann. Das hat mich dann motiviert, Medizin zu studieren. Ursprünglich wollte ich in die Unfallchirurgie, aber mit meiner Prothese konnte ich nicht so lange stehen. So bin ich dann zur Dermatologie gekommen.
Sie sind ja nun seit über zwei Jahren Juror bei der «Höhle der Löwen». Wie sähe der Elevator-Pitch für Ihr neues Buch «Hacking Age» aus?
Es geht um meine persönliche Geschichte und meine Erkenntnis, dass es bei der Langlebigkeit nicht darum geht, unendlich alt zu werden, sondern im Hier und Jetzt ein so erfülltes und schönes Leben zu führen, dass es auch wert ist, lange zu leben.
Die aktuellen Skincare-Trends fokussieren sich unter anderem auf Anti-Aging und Hautgesundheit. Wie schätzen Sie das ein?
Wir leben in einer Zeit, in der alles transparent wird. Die Brands, die sich nur auf Marketing und Health-Claims fokussieren, werden es bald schwieriger haben. Mit dem Internet, KI und Social Media kann man nämlich jedes Geheimnis aller Skincare-Produkte entschlüsseln. Ich glaube, der zukünftige Trend wird sein: «Weniger ist mehr.» Auch wird das Bewusstsein für die Limitationen von Skincare gestärkt.
Die Industrie hat langsam, aber sicher festgestellt, dass Hautcremes alleine nicht ausreichen. Welchen Einfluss haben Aspekte wie Lifestyle, Ernährung und Mental Health auf die Haut?
Bewegung und Fitness sind extrem wichtig und bestimmend. Das ist auch mit einer Reihe von Studien belegt. Wenn man regelmäßig Ausdauer und Kraft trainiert, dann ist das eigentlich die Millionen-Euro-Creme. Man setzt so viele positive Effekte im Körper in Gang, die durch Hautcremes gut ergänzt werden können. Ich selbst bin über 50 und benutze nur wenige Produkte. Natürlich ist eine gute Sonnencreme dabei unerlässlich.
Sei es beim Sport, bei der Arbeit oder bei der Ernährung – es muss Spaß machen.
Welche praktischen Strategien legen Sie Ihren Patient:innen ans Herz, um Vitalität, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden langfristig zu fördern?
Es gibt drei zentrale Säulen: Die erste ist die Gesundheit. Ohne sie geht gar nichts. Die zweite Säule sind Beziehungen, ob menschliche oder mit Tieren. Sie spielen eine so wichtige Rolle, und es ist mittlerweile wissenschaftlich belegt, dass Menschen mit gut gepflegten Beziehungen länger leben. Die dritte Säule ist die persönliche Entwicklung. Der Mensch braucht eine Aufgabe im Leben und ein befriedigender Beruf ist ein wichtiger Teil davon. Wenn diese drei Säulen im Einklang stehen, dann führt das zu einem gesunden, erfüllten Leben.
Sie sind sehr aktiv und haben ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Wie helfen Ihnen mentale Strategien, alltägliche Routinen und Stressmanagement dabei, dieses hohe Niveau – beruflich wie privat – konstant aufrechtzuerhalten?
Mein Ansatz ist es, alles mit Freude zu leben. Sei es beim Sport, bei der Arbeit oder bei der Ernährung – es muss Spaß machen. Meine Sporteinheiten haben die gleiche Priorität wie andere Termine. Bei mir darf auch vormittags kein Termin rein, denn die Zeit ist für mich. Was mir auch geholfen hat, ist, zu lernen, Nein zu sagen. Ich habe jetzt viel mehr Zeit für mich und die Sachen, die ich gerne mache.
In Ihrer medizinischen Praxis geben Sie dem holistischen Ansatz einen hohen Stellenwert. Weshalb hinkt die Allgemeinmedizin da noch ein bisschen hinterher?
Das tut sie in vielen Sachen, denn sie ist darauf ausgerichtet, Krankheiten erst zu behandeln, wenn sie auftreten. Beim holistischen Ansatz besteht die große Herausforderung darin, dass Ärztinnen und Ärzte extrem spezialisiert sind. Wenn man zum Beispiel zur Kardiologin geht und der Blutdruck und die Blutwerte stimmen, dann ist für sie alles in Ordnung. Aber sie sagt nicht: «Lieber Dietmar, dein Bauch ist sehr groß geworden. Dieses überschüssige Fett wird dein Risiko für eine Herzkreislauf-Erkrankung deutlich erhöhen.» Das passiert leider fast nie.
Hautpflege gilt allgemein als ein Trend für Frauen, und viele Marketing- und Werbekampagnen sind auch so ausgelegt. Wie legen Sie Männern trotzdem die Hautgesundheit ans Herz?
Grundsätzlich ist der Aufbau der Männer- und Frauenhaut gleich. Der Unterschied liegt eher bei der hormonellen Zusammensetzung und bei der Hautdicke. Männliche Haut ist dicker und durch das Testosteron auch fettiger. Darum braucht ein Mann auch eine ganz andere Hautpflege als eine Frau. Ich wende bei Männern einen simplen Ansatz an. Der Hauptfokus ist der Sonnenschutz, auch wenn man das nicht gerne macht. Für den restlichen Bedarf reicht in der Regel ein leichtes Serum komplett aus.
Was würden Sie jemandem, der sich noch am Beginn seiner Skincare-Reise befindet, auf den Weg geben?
Das Beste für die Haut ist das Pflegen der allgemeinen Gesundheit. Die ganze Kaskade an positiven Prozessen, die mit genug Sport, einem guten Schlaf und einer gesunden Ernährung freigesetzt werden, verteilt sich auf den ganzen Körper – auch auf die Haut. Mit einer grundsätzlich gesunden Haltung wirkt man für die Haut schon Wunder. Das ist die Basis der Pyramide. Erst auf der Spitze geht man auf spezifische Probleme wie Falten oder hängende Augenlider ein.
Schreibe einen Kommentar