Glückshormone
Gesundheit

Glücksgefühle stärken das Immunsystem

31.07.2021
von Fatima Di Pane

Wer Glücksgefühle erlebt, schüttet Glückshormone aus, welche unter anderem einen positiven Einfluss auf die Immunabwehr haben. Die Fachärztin für Innere Medizin Gisela Etter Kalberer erklärt, wie man den Glückshormonhaushalt möglichst hochhält.

Ob die Gesellschaft eines geliebten Menschen, die perfekte Tasse Kaffee oder das wohlige Kribbeln nach dem Auspowern beim Sport: Wenn wir mit Glück erfüllt sind, haben wir das Gefühl, alles schaffen zu können. Grosse Herausforderungen wirken kleiner, man fühlt sich kräftiger und fürs Leben gewappnet. «Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein», verkündete schliesslich im 18. Jahrhundert schon Voltaire. Der französische Schriftsteller und Philosoph hat damit ein gutes Gespür bewiesen, bestehen doch tatsächlich Zusammenhänge zwischen Glückshormonen und einer verstärkten Immunabwehr.

Wohlbefinden durch Hormone

«Als vom Körper produzierte Glückshormone bekannt sind vor allem Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, die Endorphine und Oxytocin», erklärt Dr. med. Gisela Etter Kalberer, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Homöopathin. «Sie bewirken allgemeines Wohlbefinden und Glücksgefühle.» Beispielsweise bewirkt körperliche Nähe zu einem geliebten Menschen die Ausschüttung von Oxytocin, das auch als Kuschelhormon bekannt ist. Dopamin wird derweil nach einem Erfolgserlebnis ausgeschüttet und vermittelt intensive Glücksgefühle.

Stress macht krank

Diese Glückshormone fühlen sich jedoch nicht einfach gut an. «Die Immunabwehr und die Resilienz sind bei allgemeinem Wohlbefinden besser», sagt Etter Kalberer. Die Glückshormone senken nämlich das Stresshormon Cortisol. Studien

haben gezeigt, dass Stress Krankheiten wie Diabetes Typ 2 und koronare Herzerkrankungen begünstigt. Auch soll Stress die Progression von HIV negativ beeinflussen. Wer glücklicher ist, entscheidet sich auch eher für gesunde Verhaltensweisen wie Bewegung, die Pflege von Beziehungen sowie einem ausgeglichenen Essverhalten.

GlücksgefühleStabile Glücksgefühle

Doch wie hält man den Glückshormonshaushalt stabil? Die Eckpunkte des glücklichen Daseins sind allgemein bekannt: ausreichend Bewegung, Entspannung, gesunde Ernährung, genügend Schlaf und ein stabiles soziales Umfeld. Diese lassen sich mit wenig Mühe in den Alltag einbauen. «Viele Menschen unterstützen ihr Wohlbefinden mit komplementärmedizinischen Massnahmen und machen damit gute Erfahrungen», ergänzt Etter Kalberer. «Hilfreich können auch Übungen aus der Atemtherapie, dem Yoga, der Kinesiologie oder anderen Komplementärtherapien sein», ergänzt die Expertin.

Schaffen und wachsen

Wer nun aber denkt, dass Stress auf jeden Fall zu vermeiden ist, befindet sich auf der falschen Fährte. «Neuere Erkenntnisse zeigen, dass Menschen ganz ohne Herausforderungen und Stress weniger lange leben als Menschen mit Stress», erklärt Etter Kalberer. «Vor allem länger anhaltender Stress und Ohnmachtsgefühle gegenüber den Lebensaufgaben können eine effiziente Immunabwehr schwächen.» Sich sinnerfüllten Herausforderungen und Aufgaben zu stellen und diese zu bewältigen, erfüllt mit positiven Gefühlen. Dies ist die Art von Stress, welche wir mit offenen Armen in unserem Leben begrüssen sollten. Wenn es jedoch um drückende Deadlines, finanzielle Probleme oder Streitigkeiten im Umfeld geht, leidet die Immunabwehr.

Gesunde Verpflichtungen für Glücksgefühle

So manch einer blickt auf all die gesunden Dinge, mit denen man das Leben füllen sollte, und empfindet beim Gedanken daran bereits Stress. «Wie bei vielen Sachen im Leben, kann man Schritt für Schritt und nach eigenem Gutdünken die einzelnen Elemente ausbauen. Oft ist weniger mehr und was man mit Spass und Freude umsetzen kann, zählt mehr als doppelt!», sagt Etter Kalberer dazu. Ein Achtsamkeitsritual in den Alltag einzuführen ist beispielsweise eine relativ simple Angelegenheit. «Bewusste Atemzüge, ein wohltuender visueller Reiz, ein aufmerksames Lauschen auf Geräusche in der Natur oder ein genussvolles Essen in entspannter Atmosphäre», schlägt Etter Kalberer vor.

Einfach nur Zähneputzen

Es ist ebenfalls meditativ, in alltäglichen Aufgaben völlig präsent zu sein. Dies kann beispielsweise beim Zähneputzen, auf dem Weg zur Arbeit oder bei der Dusche der Fall sein. So muss keine separate Zeit für Achtsamkeit geschaffen werden. Mit der Bewegung verhält es sich ähnlich. «Es lässt sich einfach in den Tagesablauf integrieren. Einfach eine Busstation früher aussteigen oder die Treppe statt den Lift nehmen», empfiehlt Etter Kalberer.

Smart
fact

Kleine Rituale für mehr Glücksgefühle im Alltag

  • Täglich drei Dinge in ein Notizbuch schreiben, für welche man dankbar ist. So fokussiert man sich auf die positiven Aspekte des Lebens und kreiert eine schöne Sammlung, welche bei schlechter Laune durchgeblättert werden kann.
  • Bewusst eine Tasse Tee trinken. Wie riecht der Tee? Wie schmeckt er? Wie fühlt sich die Wärme der Tasse an?
  • Präsentes Pendeln. Statt sich die ganze Zugfahrt mit dem Handy zu beschäftigen, kann man sich etwas Schönem widmen. Die Landschaft, die vor dem Fenster vorbeizieht? Bezaubernde Musik hören? Oder einfach einige Minuten lang die Augen schliessen?
  • Sich morgens die Frage stellen: Wie kann ich mich heute glücklich machen? Erfüllendes wie ein toller Espresso, ein Telefonat oder Treffen mit einem geliebten Menschen oder ein Spaziergang lassen sich meist gut planen, geht im Stress aber oftmals vergessen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vorheriger Artikel So bleibt man im Alter gesund
Nächster Artikel Was die Wissenschaft über Hyaluron in Kosmetika sagt