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Gesellschaft Gesundheit

Wenn ein wichtiger Sinn schwindet: Hörverlust

31.05.2024
von Linda Carstensen

Oft schleicht er sich langsam ein und wird erstmals in sozialen Situationen wahrgenommen. Jetzt warten viele noch Jahre, bis sie sich behandeln lassen. Das ist bei Hörverlust häufig der Fall, obschon es nicht sehr ratsam ist.

Am Anfang macht er sich vor allem in Umgebungen mit Hintergrundgeräuschen bemerkbar, zum Beispiel im Restaurant oder in der S-Bahn. Die Unfähigkeit, hohe Töne zu hören oder Gesprächen zu folgen, sind typische Anzeichen für einen Hörverlust. Menschen mit Hörproblemen haben zum Beispiel oft Schwierigkeiten, die Laute «s», «f» und «sch» zu unterscheiden. Gespräche werden für die Betroffenen anstrengend und können dazu führen, dass sie soziale Aktivitäten meiden.

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Diagnose Hörverlust

Von einem Hörverlust spricht man, wenn eine Person bei einem Hörtest einen Ton mit einer Lautstärke von 25 Dezibel auf mindestens einem Ohr nicht mehr hören kann. Ein Hörverlust kann sich in verschiedenen Formen und Schweregraden äussern. Taubheit gilt als schwere Form des Hörverlustes. So können taube Menschen Töne in der Regel erst ab einer Lautstärke von 95 Dezibel hören.

Hörverlust kann sich also unterschiedlich äussern. Wenn Anzeichen für einen Hörverlust auftreten, sollten Betroffene einen kostenlosen Hörtest bei Hörsystemakustiker:innen vereinbaren. Je früher eine Hörstörung erkannt wird, desto schneller kann etwas dagegen unternommen werden. Unangenehme Situationen in Restaurants, Einkaufszentren oder bei Familienfeiern können durch unterstützende Geräte wieder angenehmer werden.

Ursachen für Hörverlust

Hörverlust kann durch Lärmbelastung, Alter, Krankheit, Medikamente oder physische Traumata verursacht werden. Lange Aufenthalte in lauten Umgebungen oder schlicht das Älterwerden sind häufige Ursachen. Auch medizinische Bedingungen wie Infektionen, Diabetes oder Morbus Menière (Erkrankung des Innenohrs, anfallartiger Drehschwindel und Tinnitus) und Medikamente wie Aminoglykosid-Antibiotika und Chemotherapeutika können zu einem schlechteren Hörvermögen führen.

Arten von Hörverlust

Es gibt zwei Haupttypen von Hörverlust.

  • Sensorineuraler Hörverlust: Dieser Typ entsteht durch Schäden im Innenohr oder an den Nervenbahnen. Diese leiten Schallsignale an das Gehirn weiter. Ursachen dafür können genetische Faktoren, Alterung, Lärmbelastung oder bestimmte Krankheiten sein.
  • Schallleitungsstörung: Diese Art des Hörverlustes wird durch Probleme im Aussen- oder Mittelohr verursacht, die die Schallübertragung behindern. Häufige Ursachen dafür sind Infektionen, Ohrenschmalz, perforiertes Trommelfell oder Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr.

Leben mit Hörverlust

Menschen, die nicht gut hören, stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Nicht nur Gespräche in lauter Umgebung oder über grössere Entfernungen sind schwer zu verstehen. Auch in Meetings und Onlinekonferenzen kann es zu Verständnisproblemen kommen. Missverständnisse führen oft dazu, dass sich Betroffene zurückziehen, weil sie sich schämen und weitere Missverständnisse vermeiden wollen. Gefährlich wird es, wenn Menschen mit Hörverlust Warnsignale wie Feueralarme oder Verkehrslärm nicht wahrnehmen und dadurch in einer gefährlichen Situation bleiben oder sich in eine solche begeben.

Moderne Geräte bieten eine digitale Signalverarbeitung und können an die individuellen Hörbedürfnisse angepasst werden. Für taube Menschen bieten Cochlea-Implantate eine direkte elektrische Stimulation des Hörnervs. Auch Kommunikationstechniken wie Lippenlesen und Gebärdensprache können die Verständigung verbessern. Assistive Technologien wie Lichtsignalanlagen für Tür- oder Telefonklingeln sowie spezielle Alarmsysteme können zudem die Sicherheit der Betroffenen optimieren.

Prävention und Behandlung

  • Regelmässige Hörtests durchführen.
  • Orte vermeiden, …
    • … die so laut sind, dass die Ohren wehtun oder ein Tinnitus-Pfeifen beginnt.
    • … nach deren Verlassen sich das Gehör für mehrere Stunden verschlechtert.
    • … an denen man schreien muss, um Hintergrundgeräusche zu übertönen und sich verständlich zu machen.
  • Lautstärke regulieren: Radio, Fernsehen und Musik, die über Kopfhörer konsumiert wird, sollten eine bestimmte Lautstärke nicht überschreiten. Kopfhörer erzeugen durch ihre Nähe zum Ohr einen hohen Schalldruck, der das Gehör schädigen kann. Die Lautstärke sollte nicht erhöht werden – auch nicht, um umgebende Geräusche wie den Tramlärm zu übertönen.
  • Bei ersten Anzeichen professionelle Hilfe suchen.

Das Gehör ist ein wertvoller Sinn. Es liefert uns täglich wichtige Informationen, warnt uns vor Gefahren und ermöglicht die zwischenmenschliche Kommunikation. Unsere Augen können wir blitzschnell schliessen, um sie zu schützen. Unser Gehör hingegen müssen wir aktiv schützen, damit wir uns ein Leben lang auf unseren Hörsinn verlassen können.

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