hospital, healthcare and medical with an empty corridor for wellness, care or treatment and disease control. medicine, service and hallway of a lobby in a clinic for rehabilitation or recovery
iStock/Jacob Wackerhausen
Deutschland Gesundheit

Krankenhausbau zwischen Boom und Bremse

22.12.2025
von SMA

Klinikbauten in Deutschland stecken in einem Spannungsfeld. Viele Gebäude sind in die Jahre gekommen, Kosten klettern schneller, als jedes Baugerüst in die Höhe schießt, und neue gesetzliche Vorgaben fordern Umbauten. Fachleute sprechen von einem Modernisierungsbedarf, der das gewohnte Tempo der Branche sprengt.

Die Zahl der Kliniken schrumpft seit Jahren. 2010 zählte das Statistische Bundesamt noch 2064 Krankenhäuser. 2020 waren es 1903, drei Jahre später 1874. Im Jahr 2024 fiel die Zahl weiter auf 1841 Einrichtungen mit rund 473 000 Betten. Das sorgt für eine klare Verschiebung: Große Standorte wachsen, kleinere werden geschlossen oder gehen in Verbünden auf. Dadurch bündeln sich auch die Bauprojekte.

Gleichzeitig herrscht erstaunlich viel Betrieb auf den Baustellen. Der Informationsdienst Schwab Marketing erfasste 2023 genau 1055 laufende Neubau, Umbau oder Sanierungsprojekte. Die Auswertung für 2024 zeigt erneut mehr als 1000 Vorhaben. Parallel stiegen die Baupreise in einem Tempo, das selbst erfahrene Projektleiter:innen überrascht hat: Der Baupreisindex für Gebäude zog 2021 um etwa 15 Prozent an, 2022 um fast 18 Prozent. Erst 2023 flachte der Anstieg auf gut vier Prozent ab.

Klar ist nur: Die deutschen Kliniken brauchen dringend Gebäude, die den medizinischen Alltag von morgen tragen können.

Doch der Bauboom ist kein Selbstläufer. Lieferketten waren nach der Pandemie brüchig, Rohstoffe rar, Energie teuer. Der Krieg in der Ukraine verschärfte die Lage weiter. Viele Kliniken mussten Projekte verkleinern oder zeitlich strecken. Fachleute nennen besonders drei Bremsen: zu wenig Material, zu wenig Fachkräfte, zu hohe Kosten. Selbst Planungsbüros geraten an Grenzen. Manche Unternehmen übernehmen kleinere Büros, um sich zusätzliche Architekten zu sichern. Das klingt hart, zeigt aber die Realität im Markt.

Die Finanzierung ist ein zweiter großer Knackpunkt. Die Länder sollen eigentlich für Klinikbauten zahlen, die Krankenkassen für den laufenden Betrieb. In der Praxis aber sank der Länderanteil an den Investitionen über Jahrzehnte von rund 25 Prozent auf nur noch drei Prozent. Das Bundesgesundheitsministerium verweist auf einen erheblichen Investitionsstau. Der Bund versucht gegenzusteuern. Für 2025 stehen laut Haushaltsunterlagen rund 1,5 Milliarden Euro aus einem Infrastrukturfonds bereit, die Modernisierung und Energieeffizienz in Kliniken voranbringen sollen.

Der Klimaschutz spielt dabei inzwischen eine Hauptrolle. Krankenhäuser verursachen laut PwC rund 5,2 Prozent der deutschen CO2-Emissionen. Bis 2045 sollen sie klimaneutral arbeiten. Bund und Länder fördern deshalb energieeffiziente Neubauten, etwa mit Zuschüssen für moderne Heizanlagen oder Solartechnik. Diese Vorgaben verändern die Planung: Lüftung, Dämmung, Wegeführung, Materialwahl – alles muss neu gedacht werden.

Am Ende steht eine Branche am Wendepunkt. PwC warnt, dass ohne einen entschlossenen Investitionsschub keine zukunftsfähigen Gebäude entstehen. Gleichzeitig zwingen hohe Baupreise und fehlendes Personal zu pragmatischen Lösungen. Ob Reformen und neue Fördergelder reichen, zeigt sich erst in den kommenden Jahren. Klar ist nur: Die deutschen Kliniken brauchen dringend Gebäude, die den medizinischen Alltag von morgen tragen können. Deshalb müssen alle beteiligten Partner Klinikneubauten im Vorfeld gemeinsam gestalten: Nur so entstehen Gebäude kostengünstig – und vor allem schneller.

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