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Mit Maltherapie raus aus der überwältigenden Ohnmacht

09.04.2022
von SMA

Claudia Zürcher, Kunsttherapeutin ED

Stephanie Loop, Kunsttherapeutin ED

Tagtäglich müssen Menschen hilflos mit ansehen, wie Schlimmes geschieht. Dieser Dynamik ist man aber nicht schutzlos ausgeliefert, wenn man das Immunsystem der Psyche stärkt. Die Kunsttherapie stellt einen der Wege dar, die eigenen Emotionen besser wahrzunehmen und neue Perspektiven zu entwickeln: Malen ist Entspannung, Resilienz und Selbstfürsorge in einem.

Wann immer man die Zeitung aufschlägt, den Fernseher oder das Radio einschaltet, Pushnachrichten auf dem Handy und im Internet konsultiert, wird man mit Schreckensnachrichten überhäuft, die das Alarmsystem aktivieren, ohne dass man auch nur den Hauch eines Einflusses auf die Geschehnisse hätte. Je mehr man die Aufmerksamkeit auf schlimme Ereignisse richtet, desto stärker wird das bleierne Gefühl der Hilflosigkeit. Das Ohnmachtsgefühl kann so weit gehen, dass man im Extremfall in Handlungsunfähigkeit erstarrt – ein idealer Nährboden für Angststörungen, Depressionen oder Aggressionen.

Gib mir die Gelassenheit, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Reinhold Niebuhr

Doch wie soll man den Blick auf das Wesentliche von diesem emotionalen Bilder-Ballast und der Ohnmacht befreien? Indem man die Aufmerksamkeit zurückholt, den Emotionen und damit dem Selbst Raum und Zuwendung schenkt.

Stephanie Loop und Claudia Zürcher geben im Video einen Einblick in die Lösungsorientierte Maltherapie LOM.

Menschen denken in Bildern. Ein Drittel der Speicherkapazität in der Grosshirnrinde wird für die Verarbeitung visueller Daten verwendet. Und Bilder steuern Gedanken und Emotionen. Obschon jede Art von kreativer Betätigung förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden ist, wird hier das Malen als eine Methode des ergebnisoffenen Imaginierens in den Mittelpunkt gerückt.

Malen ist Entspannung im Flow der Aktivität

Der Mensch malt seit Urzeiten. Malen bedeutet, mit sich selbst und der Intuition zu kommunizieren. Malen ist auch Imitation, was andere bewegt. Übers Malen wird Empathie entwickelt. Man lernt und verarbeitet. Leider wurde es vor langer Zeit an Kunstschaffende delegiert. Wir behaupten, die Welt wäre eine friedlichere, wenn die Menschheit das Malen als Tool zur Gedanken- und Emotionsregulierung für sich entdecken würde.


Bettina Egger beim lösungsorientierten Malen
 

Während des langsamen Auftragens von Farbe auf Papier wird der Parasympathikus stimuliert, der Teil des vegetativen Nervensystems ist. Er ist zuständig für die Regeneration und den Aufbau von Energiereserven. Man bündelt die Energie auf den Moment und findet Entspannung im Flow der Aktivität. Dabei geht es nicht darum, ein «schönes» Bild zu malen, sondern um den bewussten Prozess des sinn- und ergebnisoffenen Malens. Das Resultat ist Nebensache. Man folgt dem nächsten Impuls, lässt sich von der Intuition leiten. Diese achtsame Fokussierung erlaubt, emotionsgeladene Situationen, Gefühle und Gedanken mit innerer Distanzierung wahrzunehmen.

Das Lernen, sich «innerlich zu distanzieren» und sich zu entspannen, gewährt dem Gehirn wieder die kognitive Kontrolle. Die Grosshirnrinde vermag die Aktivität in der Amygdala – dem Teil des limbischen Systems im Hirn, der für die Emotionen zuständig ist – zu regulieren und damit auch die dort stattfindende Produktion belastender Gefühle wie Angst und Wut zu hemmen. Dadurch wird die persönliche psychische Widerstandskraft – die Resilienz – gestärkt.

„Stille in der Maltherapie“, ein Film von Dr. Bettina Egger.

Das Immunsystem der Psyche

Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen und Rückschläge als Anlass für die eigene Weiterentwicklung zu nehmen. In anderen Worten kann man sie auch als psychische Widerstandsfähigkeit beschreiben, deren Gegenteil die Verwundbarkeit ist. Resilienz hat also nichts mit Schönreden und Bagatellisieren zu tun. Hoch resiliente Menschen schauen den Tatsachen in die Augen: Sie stellen sich unangenehmen Situationen, handeln angemessen und können so ihre psychische Gesundheit erhalten.

Resiliente Menschen haben die Fähigkeit, die eigenen Emotionen zu lenken. Sie ergreifen die richtigen Massnahmen, damit es ihnen emotional wieder besser geht und sich Zufriedenheit einstellt. Resiliente Menschen glauben daran, das eigene Schicksal beeinflussen zu können. Sie sind überzeugt, dass sie durch ihr eigenes Verhalten sich selbst und Dinge rundherum zum Besseren ändern können und verfallen nicht in eine Opferhaltung. Wie kann man nun aus der Ohnmacht in diese resiliente Handlungsfähigkeit gelangen?

Malen ist präventive Selbstfürsorge

Diese Kompetenz erlangt man, indem man sich eigenverantwortlich um seine Grundbedürfnisse kümmert. Manchmal gerät der Mensch in einen Strudel der negativen Gefühle; Entspannungsübungen und Ablenkung durch gut gemeinte Aktivitäten funktionieren nicht mehr. Angesichts des Elends scheint nichts mehr zu stimmen, nichts macht mehr Freude. Selbst der Schlaf ist weniger erholsam. Dies können Hinweise darauf sein, dass man in der Ohnmacht gefangen ist und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte.

Welche Möglichkeiten bestehen?

Der Begriff «Psychotherapie» löst bei vielen ungute Gefühle aus. Denn dieser suggeriert eine zu therapierende Krankheit. Kunsttherapie enthält zwar ebenfalls das Wort «Therapie», doch dabei werden Probleme weder zerredet noch analysiert – durch die aktive Handlung werden Lösungen erlebt und erfahren. Über die kreative Betätigung verbindet sich der Mensch mit seinen Ressourcen, seinen gesunden Anteilen. Denn:

Energy flows where attention goes.

Kunsttherapie ist Tun und Handeln

In der Kunsttherapie erhält man die nötige Unterstützung, um wieder Boden unter den Füssen zu spüren und die Kräfte zu bündeln. Insbesondere mit einer der Methoden der Maltherapie – des Lösungsorientierten Malens LOM – können alte, tief verankerte Muster erkannt und in Ordnung gebracht werden. Menschen leiden vor allem an ihren Bewertungen und erlernten Glaubenssätzen, die Emotionen auslösen und schlimme Bilder und Erinnerungen hervorrufen. Beim LOM arbeiten wir mit diesen inneren Erinnerungsbildern, indem wir sie in Ordnung malen und den damit verknüpften Gefühlen und Gedanken auf dem Bild Raum geben, um so Distanz zu gewinnen und uns aus der Identifizierung lösen. Dies erlaubt, neue Sichtweisen zu entwickeln und frische Lösungswege zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Auswahl von Bildern, die während der Maltherapie entstanden.

Das Ziel der Kunsttherapie ist die verbesserte Wahrnehmung des emotionalen Erlebens (Achtsamkeit). Daraus ergibt sich ein entspannterer Umgang mit Empfindungen und eine Verbesserung der Eigenkompetenz und Selbstwirksamkeit (Empowerment) durch die Übernahme der Verantwortung für das eigene Handeln.

Der Mensch kommt in Kontakt mit seinen Ressourcen, seinem inneren Selbst, seiner Intuition. Erst wenn er mit diesen Ressourcen in Verbindung steht, kann er Leid ertragen, mittragen und gleichzeitig achtsam mit der eigenen Gesundheit umgehen.

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. Mahatma Gandhi

Fachverbände Kunsttherapie

Der Fachverband für Humanistische Kunsttherapie FHK ist für die Anliegen der Humanistischen Kunsttherapie da und ist Mitglied des Dachverbandes OdA Artecura.

Auf der Therapeut:innenliste des Fachverbands für Humanistische Kunsttherapie FHK findet sich ein Verzeichnis von qualifizierten Kunsttherapeut:innen in der Nähe.

Die erste Handlung hinaus aus der Ohnmacht hinein in die Handlungskompetenz ist die Kontaktaufnahme.

Die Kunsttherapie wird im Rahmen der Zusatzversicherung für Komplementärmedizin von der Krankenkasse übernommen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse.

Text Stephanie Loop, Kunsttherapeutin ED, Atelier für Kunsttherapie

Claudia Zürcher, Kunsttherapeutin ED, Claudia Zürcher Coaching und Malbegleitung

FHK LogoOdA Arte Cura Logo

 

 

 

 

Eine Antwort zu “Mit Maltherapie raus aus der überwältigenden Ohnmacht”

  1. PA8815 sagt:

    In einer sehr anspruchsvollen und kritischen Lebensphase, vor rund 10 Jahren, habe ich nebenberuflich mit einer Kunstausbildung begonnen. Natürlich auch weil mich das Kunstschaffen interessiert, bis Heute. Ich kann künstlerische Tätigkeiten, dazu zähle ich auch das Schreiben, als Weg aus Sinnlosigkeiten, und deren gibt es nun einige, nur empfehlen. Ich glaube das uns letztlich die Kunst retten kann.

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