athletic young african american man in his twenties sleeping peacefully using a cpap machine (contenuous positive air pressure) in a dark bedroom
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Deutschland Gesundheit

Moderne Homecare-Therapiegeräte erlauben eine digitale Begleitung

22.12.2025
von SMA

In Deutschland gibt es eine große Zahl an Patient:innen, deren Schlafapnoe-Erkrankung jede Nacht durch Überdruck-Therapie mit sogenannten CPAP-Geräten (CPAP = Continuous Positive Airway Pressure) behandelt wird. Die neueste Generation der Geräte ermöglicht die drahtlose Übertragung von Daten über den Verlauf der Therapie – doch ist unser Gesundheitssystem darauf vorbereitet, anhand dieser Daten die Patient:innen zu Hause bei ihrer Therapie zu unterstützen?

Nach Schätzungen sind mehrere Millionen Menschen in Deutschland an einer Schlafapnoe erkrankt – oft ohne es zu merken. Die Atmung setzt im Schlaf immer wieder aus, Patient:innen wachen für einen kurzen Moment auf, um nicht zu ersticken. Dabei verliert der Schlaf einen Teil seiner Erholungswirkung, es entstehen eine schleichend stärker werdende Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und ein erhöhtes Risiko für Verkehrsunfälle. Außerdem kommt es bei jedem Atemaussetzer zu einem vorübergehenden Sauerstoffmangel im Körper. In Kombination dieser Effekte kann die Krankheit zu einem erhöhten Blutdruck und der Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems beitragen.

Bei mehr als einer Million Patient:innen in Deutschland wurde die Krankheit erkannt, meist in einem Schlaflabor, und sie nutzen zur Behandlung ein CPAP-Gerät. Es erzeugt einen Überdruck, welcher über einen Schlauch und eine Atemmaske auf die Atemwege appliziert wird. So bleiben die Atemwege auch im Schlaf geöffnet und die Anzahl der Atemaussetzer wird auf ein Minimum reduziert.

Eine CPAP-Therapie kann jedoch nur richtig wirken, also Lebensqualität verbessern und Folgeerkrankungen verhindern, wenn erstens die Therapiedrücke passend eingestellt sind und sie zweitens auch regelmäßig und mit gutem Maskensitz genutzt werden. Die erste Voraussetzung, also wirksame Therapiedrücke, kann durch ein Schlaflabor bzw. einen guten Geräte-Algorithmus recht zuverlässig erreicht werden. Das Thema Nutzung und Maskensitz ist deutlich schwieriger, individueller und über den langen Zeitraum einer Therapie immer wieder eine Herausforderung.

Hierbei sind die Patient:innen häufig zu Hause auf sich allein gestellt. Sie müssen sich selbst jede Nacht zur Nutzung der Therapie motivieren, müssen ihre Ausrüstung korrekt handhaben und darauf achten, dass die Maske immer gut sitzt.

Außerdem müssen sie sich um Kontrolltermine kümmern für die Überprüfung, ob die Therapiedrücke noch optimal für sie passend sind.

Studien zeigen, dass mehrere Faktoren eine gute Nutzung der Therapie ­fördern, ganz wesentlich dabei sind:

  • eine spürbare Verbesserung der Tagesmüdigkeit, die zur weiteren Nutzung motiviert 
  • die dazu notwendige Motivation für eine initiale Nutzung und eine korrekte Handhabung des Equipments
  • eine hochwertige und gut eingestellte Maske sowie ein leises Therapiegerät
  • individuelle Eigenschaften der Patient:innen, die eine Nutzung wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen

Für viele ist eine gute Betreuung der Schlüssel zum Erfolg. Dafür sind in Deutschland Versorgerfirmen – sogenannte Homecare-Provider – zuständig. Im Gegensatz zum Personal bei anderen Behandlungen im Krankenhaus können diese nicht täglich mit den Patient:innen zu Hause persönlich vorbeischauen und die Wirksamkeit direkt beobachten. Dies führt zu teilweise erhöhten Abbrecherraten oder einer wenig wirksamen Nutzung der Therapie.

Hier bietet die Digitalisierung neuartige Möglichkeiten: Über Mobilfunk können Daten direkt aus den Geräten in eine medizinische Cloud übertragen und für die Betreuung genutzt werden. Therapiegeräte können sowohl die Nutzungsdauer und -muster als auch die Maskendichtigkeit und die Wirksamkeit der Beseitigung der Atmungsstörung erkennen, speichern und versenden. Dies alles sicher verschlüsselt und nur zugänglich für die Organisation, die sich konkret um die/den Patient:in kümmert. Wichtig sind außerdem die Aufrechterhaltung der Motivation sowie die Erkennung eventueller Probleme bei der Handhabung. Beide können telefonisch oder über digitale Kommunikationskanäle abgefragt werden, sodass sich in Kombination mit den Messdaten ein ganzheitliches Bild über die Therapiesituation zu Hause ergibt.

Doch die heutigen technischen Möglichkeiten und das Versenden von Daten allein verbessern noch keine Therapie. Eine intensivere Betreuung bedeutet auch eine zeitintensivere Dienstleistung. Da diese Art von Dienstleistungen neu ist, haben sie noch keinen angestammten Platz im Gesundheitssystem. Daher werden sie auch noch nicht zusätzlich erstattet, obwohl sie zu einem besseren Outcome führen. Neben den Aufwänden für die intensivere Betreuung entstehen auch noch Kosten für die Datenübertragung. All das leisten die Vorreiter unter den Versorgerfirmen aus ihrer normalen Vergütung heraus zum Wohle der Patient:innen.

Noch schwieriger ist die Situation für Ärzt:innen und ihre Schlaflabore. Zwischen den Kontrollterminen haben sie meist keinen Kontakt mit den Patient:innen, sind für eine permanente häusliche Betreuung bislang nicht zuständig und erhalten dafür auch keinerlei Erstattung – es bedarf also einiger Enthusiast:innen, die neuartigen Möglichkeiten auszuprobieren und zunächst den Mehrwert zu belegen.

Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich immer schneller weiter. Gesetzgebung, Gesundheitssysteme und Erstattungsregeln arbeiten oft noch im gewohnten Tempo und können der Innovationsgeschwindigkeit nur schwer folgen. Und dies, obwohl eine wirksame Behandlung chronischer Erkrankungen nicht nur das Leben der Betroffenen verbessert, sondern auch Folgekosten durch die Auswirkungen der Krankheit reduzieren kann. Der technologische Fortschritt kann also dazu beitragen, dass die Menschen gesünder werden und das Gesundheitssystem bezahlbar bleibt. Weniger Fahrten für Besuche zu Hause durch die betreuende Organisation oder Kontrollbesuche der Patient:innen bei ihrem Schlaf-Atem-Zentrum leisten außerdem einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Einige Länder haben den digitalen Therapiesupport für CPAP-Geräte bereits auf die eine oder andere Weise fest in ihr Versorgungssystem integriert. 

Deutsche Medizintechnik-Hersteller sind aktuell darauf angewiesen, ihre Innovationskraft im Bereich der Digitalisierung zunächst über Produkte für andere Länder sicherzustellen, dort zu lernen und beim Transfer der Nutzung der Technologie ins Inland mitzuwirken.

Wünschenswert wäre, dass wir in Zukunft in Deutschland wieder Vorreiter für Innovationen im Gesundheitssystem werden würden, um den Standort zu stärken und innovative Technologie in die Welt zu exportieren.

Text Matthias Schwaibold, Chief Product Officer Homecare

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