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Übergewicht bei Kindern: Auf die gesunde Entwicklung vertrauen

12.05.2012
von SMA

Eine Diät ist bei übergewichtigen Kindern keine Lösung. Die Gefahr, einen Nährstoffmangel oder eine Essstörung zu entwickeln, ist zu gross.

Seit 1980 hat die Zahl der Kinder mit Übergewicht stark zugenommen: Jedes vierte bis fünfte Kind in der Schweiz ist heute zu dick. Die Gründe sind die gleichen wie bei Erwachsenen: Wir nehmen mehr Energie auf als wir verbrauchen. Im Klartext: Wir essen zu viel, zu fett, zu süss und bewegen uns zu wenig. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet damit, dass bald genauso viele Menschen an den Folgen von Überernährung sterben werden wie an den Folgen von Hunger.

Das Gewicht konstant zu halten

«Die Situation ist besorgniserregend», sagt Thomas Mattig, Direktor der Gesundheitsförderung Schweiz. Kinder mit Übergewicht haben ein höheres Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Gelenkverschleiss und Diabetes. Schon heute diagnostizieren Ärzte bei gewissen übergewichtigen Kindern einen Altersdiabetes und messen einen Cholesterinwert wie bei 30- bis 40-Jährigen.

Um festzustellen, ob der Nachwuchs normalgewichtig ist, gibt es einen speziellen Bodymassindex für Kinder, der den BMI unter Berücksichtigung von Alter und Geschlecht berechnet. Im Internet gibt es elektronische Rechner, die nach entsprechender Daten-Eingabe den BMI anzeigen.

Das Gewicht nicht ständig kontrollieren

Die Zürcher Schularzt-Coleiterin Susanne Stronski rät Eltern allerdings davon ab, das Gewicht der Kinder regelmässig mit solchen BMI-Rechnern zu kontrollieren. «Besser ist, auf die natürliche normale Entwicklung des Kindes zu vertrauen», sagt die Kinderärztin. Denn Kinder haben in der Regel alles für eine gesunde Entwicklung in sich. Es genügt oft, das Gewicht eines übergewichtigen Kinder länger konstant zu halten. Mit dem nächsten Wachstumsschub nähert es sich dann von alleine dem Normalgewicht.

Mit Verboten wird oft das Gegenteil provoziert.

Thomas Mattig

Um das Gewicht bei Kinder längerfristig auf dem gleichen Niveau zu halten, hilft ein gesunder Lebensstil. Dazu gehören viel Bewegung und eine bewusste Ernährung. Stronski empfiehlt, Kindern täglich fünf, nach der Lebensmittelpyramide zusammengestellte Mahlzeiten zum Essen zu geben. Die Mahlzeiten sollten die Kinder regelmässig und möglichst in der Familie am Esstisch – ohne Fernsehen – einnehmen.

Gemeinsam in der Familie geht’s am Einfachsten

Von Diäten rät sie ab. Die Gefahr, dass Kinder einen Nährstoffmangel oder Essstörungen entwickeln, ist zu gross. Auch das Verbieten von bestimmten Nahrungsmittel, wie Süssigkeiten und Fast Food, sehen Fachleute kritisch. «Mit Verboten wird oft das Gegenteil provoziert», weiss Thomas Mattig der Gesundheitsförderung. Besser ist, auf einen vernünftigen Umgang mit energiereichen Lebensmitteln zu setzen.

Um Kindern zu helfen, ihre Ernährungsgewohnheiten dauerhaft zu verändern, hilft es manchmal, die Kleinen beim Kochen mithelfen zu lassen. Selbstgekocht essen sie auch schon einmal Nahrungsmittel wie etwa Gemüse und Obst, das sie sonst oft ablehnen. Zudem lassen sich Gewohn- heiten trainieren. Geben Mütter und Väter ihren Kinder beispielsweise Wasser zum Essen zu trinken, anstatt energiereiche Süssgetränke, stellen Eltern wie Sprösslinge irgendwann fest, dass sie die kalorienhaltigen süssen Fertiggetränke gar nicht mehr vermissen und sogar Wasser zum Essen mittlerweile lieber trinken.

Nicht mit Drill, Strenge und hohen Erwartungen, sondern mit Geduld, Spass und Erfolg motivieren Eltern ihre Kind, sich mehr zu bewegen. Das geht oft am besten, wenn gleich die ganze Familie mitmacht: die ganze Familie zusammen Sport treibt, Veloausflüge macht, Spazieren geht oder im Garten Fussball spielt. Die gemeinsamen sportlichen Unternehmungen kommen auch dem natürlichen Bewegungsdrang des Kindes entgegen. «Denn Kinder bewegen sich von sich aus gerne», so Mattig. Mit steigendem Gewicht verlieren sie nur die Freude daran. Diese gilt es wieder zu wecken.

Bei adipösen Kindern fachliche Hilfe holen

Eltern von sehr fettleibigen Kinder fragen allerdings zusätzlich auch noch den Kinderarzt um Rat. Dieser weiss oft, welche Massnahmen dem Kind helfen könnten, sein Gewicht zu normalisieren. Für adipöse Kinder bieten Kliniken spezielle Abnehm- und Bewegungsprogramme für Kinder in der Gruppe an. Die werden heutzutage sogar unter bestimmten Bedingungen von den Krankenkassen bezahlt.

TITEL

Weitere Informationen wie BMI- Rechner für Kinder:

www.gesundheitsfoerderung.ch

Text: Claudi Benetti

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