Warum der Weg zum Altar vermehrt durch die ästhetische Praxis führt
Am «schönsten Tag im Leben» soll alles möglichst perfekt sein. Doch während Brautpaare früher nach den tollsten Outfits oder den aufregendsten Make-ups suchten, geht der Trend heute tiefer: Immer mehr Paare setzen auf ästhetische Medizin, um für den Moment, der in Fotos und Videos ewig währt, die bestmögliche Version ihrer Selbst zu sein.
Es ist dieser eine grosse Moment. Die Musik setzt ein, die Gäste erheben sich, und alle Blicke ruhen auf zwei Menschen. Es ist ein Augenblick, in dem man sich so verletzlich und gleichzeitig so strahlend zeigt wie nie zuvor. Dass Brautpaare an diesem Tag so gut aussehen möchten, wie sie nur können, ist kein neues Phänomen. Durchaus neu ist hingegen die Tatsache, dass die Vorbereitung für diesen Moment immer mehr auch unter die Haut geht: Zwischen dem Tasting für die Hochzeitstorte und der Auswahl der Liveband findet sich immer häufiger ein Termin beim ästhetischen Mediziner. Laut Fachleuten hat das damit zu tun, dass der Wunsch nach ästhetischer Optimierung längst aus der Tabuzone herausgetreten ist und sich als legitimer Teil der Beauty-Routine etabliert hat.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung liegt in der medialen Aufbereitung von Hochzeiten: Ein Trauungsfoto ist heute nicht mehr nur ein Abzug für das Kaminsims der Grosseltern; es ist ein digitales Dokument, das theoretisch ewig weiterlebt. Jedes Lachen, jede Träne und jeder Winkel des Gesichts werden in 4K-Auflösung festgehalten. Dieses Bewusstsein schafft einen subtilen Druck, aber auch den Wunsch nach Kontrolle. Man möchte in zwanzig Jahren die Bilder betrachten und dabei nicht nur das Kleid schön finden, sondern vor allem auch sich selbst. Man will eine Version seiner selbst sehen, die vor Vitalität und Frische strotzt.
Ein Trauungsfoto ist heute nicht mehr nur ein Abzug für das Kaminsims der Grosseltern; es ist ein digitales Dokument, das theoretisch ewig weiterlebt.
Die Renaissance der Natürlichkeit
Wer jetzt an starre Mimik oder ausgeblasene Lippen denkt, irrt gewaltig – denn der moderne «Wedding Glow» folgt einer völlig neuen Philosophie. Braut und Bräutigam von heute haben kein Interesse daran, als Abziehbilder irgendwelcher Prominenter vor den Altar zu treten. Der «Instagram-Face»-Look mit überfüllten Wangen und erstarrter Mimik ist passé. Das Ziel liegt gemäss Fachleuten vielmehr in der Optimierung der eigenen, natürlichen Schönheit. Man möchte nicht aussehen wie jemand anderes, sondern wie man selbst – nur nach drei Wochen Erholungsurlaub, bestem Schlaf und perfekter Ernährung. Paare wünschen sich ein waches, frisches und verjüngtes Erscheinungsbild. Kleine Fältchen, die einen müde wirken lassen, sollen gemildert, die Hautqualität verbessert und der Teint zum Strahlen gebracht werden. Authentizität ist das neue Statussymbol. Wenn die Gäste sagen: «Du siehst fantastisch erholt aus», und nicht «Was hast du machen lassen?», dann ist das Ziel erreicht.
Demografie als Motor: Wir heiraten später
Dass ästhetische Eingriffe gerade jetzt diesen Boom im Hochzeitssegment erleben, ist auch eng mit dem demografischen Wandel verknüpft. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Das Durchschnittsalter bei der Erstheirat in der Schweiz ist signifikant gestiegen. Männer geben heute im Schnitt mit 32,5 Jahren das Ja-Wort, Frauen mit 30,5 Jahren. Vergleicht man dies mit den 1970er-Jahren, als Hochzeiten typischerweise in den frühen Zwanzigern gefeiert wurden, wird der Unterschied gravierend. Mit Anfang 20 ist die Kollagenproduktion auf ihrem Höhepunkt, die Haut ist prall und verzeiht kurze Nächte. Mit Anfang 30 hingegen zeigen sich die ersten feinen Linien, die Elastizität lässt minimal nach, und Stress hinterlässt deutlichere Spuren im Gesicht. Der biologische Alterungsprozess setzt genau in jener Lebensphase ein, in der sich Paare heute binden. Der Wunsch, die biologische Uhr optisch ein wenig zurückzudrehen, um die jugendliche Frische der 20er mit der Reife und Eleganz der 30er zu kombinieren, ist daher nur logisch. Dieser Trend beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Generation der Millennials. Auch «Second Marriages» oder späte Eheschliessungen nehmen zu. Wer mit 50 oder älter (noch einmal) heiratet, steht mitten im Leben, ist oft beruflich erfolgreich und fühlt sich jünger, als der Pass behauptet. Und mit modernen und nachhaltigen ästhetischen Behandlungen, kann man dieses Gefühl von Vitalität auch nach aussen tragen – natürlich schön.
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