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Mobilität

Auto-Abos boomen in der Schweiz

29.10.2021
von SMA

Seit Anfang Jahr wächst die Nachfrage nach Auto-Abos in der Schweiz rasant. Die Folge: Immer mehr Anbieter versuchen, sich in diesem stark wachsenden Markt einen Platz zu erkämpfen. «Fokus» hat sich auf die Suche gemacht nach den Gründen für das gestiegene Interesse. 

Unsere Gesellschaft verändert sich laufend. Und damit auch unsere Bedürfnisse. Aktuell ist dabei ein Trend festzustellen weg vom «Besitzen» hin in Richtung «Nutzen». Statt Musik zu kaufen, sind Streaming-Dienste wie Spotify oder Apple Music hoch im Kurs. Für Filme und Serien sind es Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime, die sich bei den Konsument:innen grosser Beliebtheit erfreuen. In beiden Fällen werden monatliche oder jährliche Abos abgeschlossen. Genauso für die Nutzung von Mobiltelefonen. Verstärkt wird dieser Trend in Richtung «Nutzen» von den immer vielfältigeren Möglichkeiten, welche die Digitalisierung mit sich bringt.

Flexibilität und finanzielle Sicherheit

Und genau diese Kombination – weg vom Besitz und mehr Digitalisierung – verbindet sich bei den sogenannten Auto-Abos. Die Idee dabei ist simpel: Statt viel Geld in den Kauf eines eigenen Autos zu stecken, schliesst man ein Auto-Abo ab und hat für die nächsten Monate das passende Fahrzeug bei sich Zuhause und kann es so nutzen, wie man gerne möchte. Wenn sich die Lebensumstände verändern – beispielsweise durch einen Jobwechsel oder Familienzuwachs – kann das Auto-Abo angepasst oder aufgelöst werden.

Doch nicht nur für Privatpersonen, sondern vor allem auch für Firmen sind Auto-Abos eine interessante Alternative zum Autokauf oder dem Leasing. Nicht nur für Kleinunternehmen, die nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, um sich eine eigene Fahrzeug-Flotte anzuschaffen und diese auch zu warten. Oder für Start-ups, die vor allem in der Anfangsphase noch nicht genau wissen, in welche Richtung sie sich in den kommenden Jahren entwickeln werden. Sondern auch für Unternehmen, die ihre Flotte in den Hauptzeiten flexibel erweitern oder Mitarbeitende in der Probezeit bereits mit einem Auto ausstatten wollen. In diesen Fällen bieten Auto-Abos die nötige Flexibilität und zugleich auch die nötige Planungssicherheit. Denn bei allen Auto-Abos, die es in der Schweiz gibt, fallen monatliche Fixkosten an. Die finanzielle Belastung für die Unternehmen lässt sich also gut planen.

Weniger administrativer Aufwand

Die Flexibilität und die finanzielle Planungssicherheit sind jedoch nicht die einzigen Vorteile des Abo-Modells. Die Abos können komplett online abgeschlossen und bei den meisten Anbietern individuell konfiguriert werden. So gibt es beispielsweise verschiedene Kilometerpakete und unterschiedliche Vertragsdauern, die gebucht werden können. Ebenfalls individuell ist der Grad der Digitalisierung. Bei einem Auto-Abo Anbieter ist beispielsweise bereits der Reifenwechsel voll automatisiert, sodass die Fahrer die Termine direkt im Kundenportal vereinbaren können.

Wer ein Auto-Abo löst, kauft sich damit also auch ein gewisses Mass an Komfort. Denn der Aufwand für den Abschluss der passenden Versicherung, den Kauf der Vignette oder die Vereinbarung der Termine in der Garage fallen weg. Und im Falle von Unternehmen kann je nach Anbieter sogar das gesamte Flottenmanagement mit dem Auto-Abo kombiniert werden.

Die Kosten sind die grösste Hürde

Obwohl das Auto-Abo durchaus Vorteile mit sich bringt, gibt es auch Vorbehalte gegenüber dieser für viele neuen Form der Autonutzung. Einerseits wird das Auto-Abo oftmals mit «Carsharing» verwechselt und man glaubt, man müsse sein Auto teilen. Dies ist aber nicht der Fall. Andererseits wirken die monatlichen Kosten anfänglich oft abschreckend. Mindestens mit 500 Franken pro Monat ist zu rechnen. Je nach Versicherung und Modell mit deutlich mehr.

Das klingt im ersten Moment nach viel Geld, hängt jedoch oftmals auch damit zusammen, dass die Autobesitzerinnen und Autobesitzer nicht ganz genau wissen, welche Kosten für die Nutzung des eigenen Fahrzeugs anfallen. Gemäss Berechnungen von TCS Schweiz sind es zwischen 500 und 700 Franken durchschnittlich, die für den Unterhalt eines Fahrzeugs anfallen, mit dem etwas mehr als 15 000 Kilometern pro Jahr gefahren werden.  Hinzu kommen die Finanzierungskosten (Barkauf, Leasing etc.). Das Auto-Abo liegt da also durchaus in einem vergleichbaren – je nach Fahrzeugwert – sogar günstigeren Bereich. Beim Abschluss eines Auto-Abos sollte jedoch unbedingt auf die Details der Leistungen der verschiedenen Anbieter geachtet werden. Wir haben dafür eine Checkliste mit den wichtigsten Punkten erstellt.

Checkliste: Darauf sollten Sie beim Abschluss eines Auto-Abos achten

  • Gibt es einen Eintrittspreis oder eine Kaution?
  • Welche Versicherungsleistungen sind inbegriffen?
  • Wie hoch ist mein Selbstbehalt?
  • Was kostet die Lieferung des Fahrzeugs?
  • Ist das Fahrzeug in meinem Wohnkanton zugelassen oder im Kanton des Anbieters?
  • Wie lange dauert die Kündigungsfrist nach Ablauf der Mindestlaufzeit?
  • Welche Fahrassistenzen bietet das Auto?
  • Ist der Pannenservice im Angebot integriert?
  • Ist im Notfall ein Ersatzauto garantiert?
  • Wie hoch fallen die Kosten bei der Rückgabe des Fahrzeuges (Schadenkatalog) aus?
  • Für Elektroautos: Ist ein Ladekabel dabei und gibt es Möglichkeiten, eine portable Ladestationen zu mieten oder zu kaufen?
  • Ist eine Karte für Ladestationen integriert?
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Auto-Abos in der Schweiz

Auto-Abos gibt es in der Schweiz etwas seit Herbst 2017. In anderen Ländern wie beispielsweise Deutschland gibt es dieses Angebot schon länger und wird auch deutlich häufiger genutzt als in der Schweiz. Mittlerweilen sind Auto-Abos in fast allen mitteleuropäischen Märkten zu finden. Hierzulande hat der Trend mit den Auto-Abos erst in diesem Jahr so richtig angezogen. Aktuell werden in der Schweiz schätzungsweise rund 1 Prozent aller zugelassenen Autos im Rahmen eines Auto-Abos genutzt. Davon – so schätzen Branchenkenner – sind rund 20 Prozent von Unternehmen eingelöst worden. Aufgrund des gestiegenen Interesses der Kunden versuchen immer mehr Anbieter, sich einen Platz im Auto-Abo-Markt zu ergattern. Dazu zählen insbesondere Versicherungsfirmen, Autoanbieter und auch die Fahrzeughersteller selbst, die ihre Fahrzeuge im Abo an die Kundinnen und Kunden bringen möchten.

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