aufgeregte junge frau sitzt auf dem rücksitz eines autos  pendelt nachts nach hause. blick aus dem fenster  staunen darüber,  schön  city street  funktionierenden leuchtreklamen ist. ki
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Mobilität

KI macht mobil

31.10.2022
von Rüdiger Schmidt-Sodingen

Wie werden KI-Anwendungen unsere Mobilität verändern? Kommt jetzt das autonome Fahren oder nicht? Und wie sorgen Daten dafür, dass Verkehrs- und Fahrzeugkonzepte sich selbst verbessern und sicherer werden?

Kennen Sie den: Ein Paar steht an der Straße und hält ein Taxi an. Das Taxi fährt vor. Beide schauen auf den Fahrer – und lassen das Taxi dann sausen. Wieder rufen sie nach einem Taxi. Ein neues Taxi hält. Beide schauen wieder zum Fahrer – und lassen das Taxi dann sausen. Nach einiger Zeit fragt eine Passantin: »Sagen Sie mal, warum rufen Sie denn immer wieder ein Taxi und nehmen es dann nicht?« Da antwortet das Paar: »Na, wir warten doch auf das Robotaxi von Amazon. Die liefern eigentlich immer sofort…«

Das Robotaxi lässt in der Tat auf sich warten. Was allerdings weniger an der Lieferfreude des größten Internetversenders liegt als an rechtlichen Schwierigkeiten und auch Sicherheitsbedenken. Erste Robotaxis wurden bereits 2016 in Singapur eingeführt. 2021 zog San Francisco nach und ließ schneeweiße GM-Poppys über die Straßen und Highways kurven. Es dauerte zwar nicht lange, bis erste Mobile plötzlich quer standen und Staus verursachten, aber das Geschäftsmodell und die Möglichkeiten für günstige »short distance«-Fahrten wurden immer verlockender. 

»Fahrzeuge für die Passagiere«

Amazon kaufte für 1,2 Milliarden Dollar 2020 das Start-up Zoox, das bereits 2013 erste führerlose Taxis erfand – speziell für die Großstadt. »Sie müssen sich das so vorstellen«, sagte damals ein Ingenieur, »dass wir im Grunde jedes Auto so ausstatten, wie Sie das von der automatischen Einparkhilfe kennen. Nur scannen unsere Autos eben nicht nur die nächstgelegene Stoßstange, sondern auch plötzlich in den Verkehr einfahrende oder die Spur wechselnde Autos, Ampeln, Hindernisse, Fußgänger und vieles mehr.«

Die 3,63 Meter langen und knapp 2 Meter hohen Autos haben verkleinerte Bustüren, die das Einsteigen erleichtern. Darüber hinaus müssen allerdings auch die Zoox-Taxis kommunizieren. Das heißt, sie müssen der Umgebung und den anderen Verkehrsteilnehmern klar machen, wohin sie fahren oder wann sie halten. 120 Kilometer pro Stunde können erreicht werden, wobei Entwickler Jesse Levinson den großen Vorteil gerade darin sieht, dass die E-Robotaxis auch problemlos in engen Straßen wenden oder tatsächlich bis vor die Haustür fahren können.

»Unsere Fahrzeuge sind für die Passagiere gemacht. Es geht nicht mehr um den Fahrer«, so Levinson gegenüber der Digital Initiative der Harvard Business School. »Wenn Sie sich überlegen, dass allein in den USA jede Familie durchschnittlich zwei Autos hat, dann wird klar, warum unsere E-Autos die perfekte Lösung sind, um wirtschaftlicher und umweltfreundlicher zu werden. Es sind auch in dem Sinne keine Autos mehr, sondern Kunden-Beweger.«

Datensammeln für die Sicherheit

Und Levinson ist sich sicher, dass seine Taxis viel präziser fahren können als alle anderen Autos. »Da alle vier Räder sich unterschiedlich drehen können und die Taxis mit über 100 Komponenten ausgestattet sind, die sonst kein anderes konventionelles Auto hat, können wir viel genauer fahren.« Die vielleicht wichtigste Komponente für einen Massenmarkt der Robotaxis ist das automatische Lernen mittels KI. »Die vielen Daten, die wir sammeln, erlauben es unseren Autos, dass sie immer besser und besser werden. Wir testen unsere Autos in San Francisco, Las Vegas und Seattle. Das sind sehr unterschiedliche Gegenden mit teilweise schwierigen Bedingungen.«   

Auf dem Future Mobility Summit in Berlin wurden im September gerade die Sicherheitsfragen des autonomen Fahrens heiß diskutiert. Denn »trotz einer positiven Grundhaltung gegenüber der KI-Technologie bereiten mögliche Fehler der autonomen Fahrzeuge vielen Menschen Sorgen«. Was sieht der Computer? Wie reagiert er? Was passiert in Konfliktsituationen? Kurz vor dem Summit verkündete die EU neue Regeln für Fahrassistenzsysteme, die besonders auch das fahrerlose Fahren begünstigen und sogar als entscheidende Initialzündung fungieren sollen. 

Exekutiv-Vizepräsidentin Margrethe Vestager machte klar, dass im Rahmen der Sicherheitsvorschriften nun »das Thema der fahrzeuggenerierten Daten aufzugreifen« sei, »die einen wesentlichen Input für Reparatur- und Wartungsdienstleistungen liefern«. Die EU-Kommission gibt sich, was das halbwegs oder gänzlich autonome Fahren auf Autobahnen und in Städten angeht, fast schon euphorisch. Im Hinblick auf Fahrassistenten, Ereignisdatenspeicher, Spurhaltesysteme und Technologien zur Abschaffung des toten Winkels verkündet die Pressemitteilung stolz: »Ziel der heute in Kraft getretenen Verordnung ist es, Fahrzeuginsassen, Fußgänger und Radfahrer besser zu schützen. Prognosen zeigen, dass bis zum Jahr 2038 mehr als 25 000 Menschenleben gerettet und mindestens 140 000 schwere Verletzungen vermieden werden können.« Allzu lange dürfte das Warten auf die neuen Taxis in bestimmten Stadtregionen also nicht mehr dauern.

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