Wandern
Outdoor Reisen Schweiz Sommer

Wandern ist Wellness pur

03.07.2021
von SMA

Die Schweiz ist ein Wanderland und wir Schweizerinnen und Schweizer ein höchst wanderfreudiges Völklein. Das hat sich im letzten Jahr noch akzentuiert, weil wir infolge der Corona-Einschränkungen vor allem innerhalb der Grenzen zu bleiben hatten. Was ja an sich eine gute Sache ist…

Das Wandern und vor allem das Bergwandern zählt zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten unseres Landes. Auf einem Netz von gut 66 000 Kilometern signalisierten und top unterhaltenen Wanderwegen gibts tatsächlich für jede und jeden etwas – vom einfachen Städterundgang über die erfrischende Fluss-, See-, Schlucht- und Thementour bis zur anspruchsvollen Gipfelüberschreitung. Wer sich nicht als Kampfwanderer oder Speedhikerin bezeichnet, stellt dabei nicht das Leistungs-, sondern das Lustprinzip in den Vordergrund. Dieses geht davon aus, dass die Länge der Tour, die Höhenmeter, die Steilheit des Terrains und der Rucksack nicht allzu hohe Werte erreichen sollten. Und wichtig: dass auch mal eine Beiz unseren Weg kreuzt. Die herrliche Natur, die frische Luft, die Freude an der körperlichen Bewegung, das Zeit haben für sich selbst, die Reduktion auf das Wesentliche – dies alles sind Faktoren, die Freude machen und gute Gefühle vermitteln.

Wandern ist eine der schönsten – und auch preisgünstigsten – Möglichkeiten der Entschleunigung. Das langsame Vorwärtsschreiten und Verweilen in einer schönen Landschaft, am stillen Bergsee, auf einem einsamen Gipfel, bepackt nur mit dem, was man auch tragen kann, beruhigen Körper und Geist, fördern die Entspannung, lassen schwere Gedanken weiterziehen. Was Platz schafft für neue Lösungen. Auch wird sich, wer wandernd unterwegs ist – und dies auch gerne über Tage und längere Strecken tut –, früher oder später Fragen stellen und Antworten suchen. Fragen, die das persönliche Dasein betreffen: Wo komme ich her? Wo geh ich hin? Und überhaupt die Frage aller Fragen: «Wer bin ich eigentlich?»

Ein echter Reisender kennt keine Pläne und hat nicht vor, anzukommen.

Lao Tse

Warum das so ist? Weil das Gehen die Reiseform ist, die dem Menschen am natürlichsten entspricht und besonders intensive Gefühle hervorruft. Das Sein in der Natur, das angepasste Tempo und die körperliche Betätigung machen so aus jeder Tour ein einmaliges Erlebnis. Nicht umsonst taucht gerade beim Wandern der viel zitierte Spruch des «Weges als Ziel» auf, für den der Reiseschriftsteller Robert Louis Stevenson eine schöne Formulierung gefunden hat: «Ich reise nicht, um irgendwo hinzugehen, sondern um zu gehen. Ich reise um des Reisens willen. Die grosse Sache ist, sich zu bewegen.» Noch pointierter hat es der grosse Lao Tse gesagt: «Ein echter Reisender kennt keine Pläne und hat nicht vor, anzukommen.»

Dennoch seriös planen vor dem Wandern

Doch Achtung: Nur einfach so draufloslaufen? So ist das dann auch wieder nicht gemeint. Wer regelmässig oder auch nur gelegentlich in den Bergen unterwegs ist, tut gut daran, sich vor dem Loslaufen ein paar Überlegungen zu machen. Eigenverantwortung bedingt auch ein Bewusstsein für mögliche Gefahren. Zu einer guten Planung gehören das Vorausstudium von Karten, der entsprechenden Wanderliteratur und allenfalls von (neueren) Tourenberichten auf einem der Internetportale (z. B. gipfelbuch.ch oder hikr.org). Dann auch das zeitgerechte Verfolgen des Wetters (z. B. auf meteoschweiz.ch oder meteoblue.com) und eine Alternative, falls ein Wegstück unverhofft Schwierigkeiten bereiten sollte.

Viele Wanderinnen und Wanderer kennen die Unterschiede zwischen gelb markierten Wander- und weiss-rot-weiss markierten Bergwanderwegen nicht. Erstere können in der Regel gefahrlos und ohne besondere Kenntnisse begangen werden, Letztere erfordern Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und meist auch eine gute Kondition; da reichen Turnschuhe und offene Sandalen nicht mehr. Beim Einfachen beginnen und sich erst bei genügender Erfahrung steigern, ist ein guter Tipp. Wer unsicher ist, hält sich besser an eine der vielen Bergsportanbieter oder schliesst sich gleich einer Wanderleiterin, einem Bergführer an. Und beschränkt seine Absichten auf Routen, die erprobt und gut beschrieben sind (siehe Tipp).

So gerüstet kann wirklich (fast) nichts mehr das schöne Wandererlebnis vermiesen. Beglückend kann übrigens eine Tour auch bei sogenannt schlechtem Wetter sein. Nie wirkt die Bergwelt so mystisch verklärt wie dann. Die Hersteller haben jedenfalls alles vorgekehrt, damit eine schlechte Ausrüstung nicht als Ausrede dienen kann.

Text Toni Kaiser, Chefredaktor Wandermagazin Schweiz

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Weitere Informationen

2020 gerieten beim Bergwandern in den Schweizer Bergen 1627 Personen in Not und brauchten Hilfe, 55 starben sogar. Selbstüberschätzung und mangelndes Wissen sind die häufigsten Ursachen dafür.

So sind Sie gut gerüstet
Alles dabei, aber nicht mehr! Die Ausrüstung sollte der Schwierigkeit, dem Terrain, der Dauer und den persönlichen Bedürfnissen angepasst sein, der Rucksack nicht mehr als 8 bis höchstens 10 Kilo wiegen.

  • Rucksack 15–25 Liter mit Regenüberzug
  • Der Saison angepasste Kleidung im Schichtprinzip
  • Angepasste Wanderschuhe mit Profilgummisohle
  • Evtl. Wanderstöcke
  • Sonnenschutz: Kopfbedeckung (Achtung, Glatze!), Brille, Sonnencreme, Lippenpomade
  • Tagesproviant, Getränke, Taschenmesser
  • Orientierungsmittel: Wanderkarte/n, Handy mit Karten online und offline sowie Rega-App, evtl. GPS, evtl. Fernglas
  • Für den Notfall: Taschenapotheke mit Rettungsdecke, Verbandszeug, Medikamente

Tipp
Unter www.wandershop-schweiz.ch finden Sie thematisch aufgebaute Wanderbücher mit Touren aus der ganzen Schweiz. Und unter www.tourenplaner-schweiz.ch Tausende von Online-Wandervorschlägen.

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