Homestaging
Bau & Immobilien Wohnen

Das enorme Potenzial von Home Staging

14.01.2021
von Kevin Meier

Bei Besichtigungen versucht man sich vorzustellen, wie man die Räume nutzen kann und welches Potenzial in einer Immobilie steckt. Bei leeren Wohnräumen ist es zuweilen schwierig, sich ein Leben darin vorzustellen. Mit Home Staging kann man Interessierten die Möglichkeiten besser aufzeigen und die Fantasie beflügeln.

Die Technik des Home Stagings wird in den USA bereits seit den 1970er-Jahren eingesetzt. In Schweden und Deutschland hat sich das Vorgehen mittlerweile ebenso etabliert. Der Begriff sei aber in der Schweiz noch erklärungsbedürftig, sagt die unabhängige Home Stagerin Stefanie Hitz. Gemeint ist mit dem Begriff die professionelle Präsentation eines Immobilienobjekts. Durch den Einsatz von Möbeln, Accessoires, Licht- und Farbkonzepten werden Wohnungen und Häuser optimal in Szene gesetzt. Egal ob Alt- oder Neubau: Für den ersten Eindruck gibt es nur eine Chance. Das Ziel ist, bei den Interessenten Emotionen zu wecken und ein heimeliges Gefühl hervorzurufen. So lässt sich darstellen, welches Potenzial im Objekt steckt, was die Verkaufszeit verringert und den Umsatz steigert.

Auch Privatpersonen profitieren

Home Staging mag zwar ähnlich wie Innenarchitektur klingen, ist aber im Grundsatz etwas anderes. Hitz erklärt: «Es ist für die Vermarktung gedacht.» Die komplette Einrichtung des Objekts ist nicht das Ziel. «Die Wohnungen werden ‹nur› zu etwa 80 Prozent eingerichtet», unterscheidet die Expertin. Wenn es vorrangig um Platzverhältnisse geht, können teilweise auch Kartonmöbel zum Einsatz kommen. Laut Hitz können auch Privatpersonen mit einfachen Tipps ihre Wohnung erfolgreicher potenziellen Abnehmenden präsentieren: «Entrümpeln, putzen und entpersonalisieren.» Zudem sollten auch Haustiermöbel und -gegenstände während der Besichtigung im Keller verstaut werden. «Schliesslich möchte die potenzielle Kundschaft ein neues Leben beginnen, kein altes übernehmen», so Hitz.

Aufmöbeln für alle Objekte

Jede Art von Immobilienobjekt kann von Home Staging profitieren. Von alten Häusern bis zu Neubauwohnungen lässt sich jeder Raum an die Zielgruppe anpassen. Ebenso können Musterwohnungen in das beste Licht gerückt werden. Abseits von privaten Wohnflächen, kann man mittels Home Staging auch Büro- und Gewerbeflächen auf eine Besichtigung vorbereiten. Vor allem bei grossen Räumen hilft Bürostaging dabei, die Anzahl Arbeitsplätze, die Raumverhältnisse und dessen Aufteilung aufzuzeigen. So können sich Interessierte ein besseres Bild der Gewerbefläche und deren Möglichkeiten machen.

Die virtuelle Welt hält Einzug

Wie in allen Branchen macht sich die Digitalisierung auch im Home Staging bemerkbar. Beispielsweise können Bilder der Objekte digital bearbeitet werden, um so die gewünschte Wirkung zu erzielen. Für Profis ist es ein leichtes, Möbel und Einrichtungen massstabgetreu in ein Bild einzufügen. Die Möglichkeiten werden auch auf diese Weise auf hervorragenden Bildern ersichtlich. Hitz mahnt aber, dass die Interessenten natürlich trotzdem noch eine Besichtigung vor Ort wünschen: «Wenn man dann eine leere Wohnung betritt, wird man leider enttäuscht.»

Wie in allen Branchen macht sich die Digitalisierung auch im Home Staging bemerkbar.

Eine andere Option ist es, ein reales Home Staging vor Ort zu machen und dieses auf digitalem Weg zugänglich zu machen. Immobilienvideos und Drohnenaufnahmen können einen guten ersten Eindruck vermitteln. Mit VR und Besichtigungsrobotern können die Objekte auch in einem 360-Grad-Rundgang besichtigt werden. Gerade in Zeiten der Coronapandemie und im Falle, dass die Immobilie weit weg von den Interessenten liegt, kann eine Besichtigung dieser Art eine Alternative zu Reisen bieten. Dennoch kann auch ein 360-Grad-Rundgang den Eindruck der realen Immobilie nicht ersetzen. «Wer ein Haus kauft, will bestimmt mindestens einmal selbst drin gewesen sein», erklärt die Home Stagerin. 

Neue Fokuspunkte

Während Technologien die Immobilienbranche ergänzen, scheint die Krise auch einen Einfluss auf die Bedürfnisse der Kundschaft selbst zu haben. Hitz beobachtet, dass Objekte auf dem Land derzeit sehr gefragt seien. Zudem verlangen Homeoffice und etwaige Quarantänefälle nach mehr Platz im eigenen Zuhause. Ebenso haben aus denselben Gründen Balkone und Terrassen an Bedeutung gewonnen. «Momentan baue ich beim Home Staging immer eine Homeoffice-Ecke ein – auch wenn der Platz dafür oft beschränkt ist», erläutert Hitz. Schliesslich möchte man den Interessenten zeigen, dass auch bei wenig Platz Telearbeit möglich ist.

Professionelles Home Staging

Im Home Staging geht es um die professionelle Inszenierung einer Immobilie mit den passenden Mitteln. Wie bei jeder Art von Vermarktung wird hier auch oft mit Zielgruppen gearbeitet. Je spezifischer diese definiert wird, desto zielgerichteter kann man eine Wohnung oder ein Haus inszenieren. Da ist oft der Vorwurf der Kundentäuschung nicht weit. Diesen Vorwurf entkräftet Hitz entschieden: «Home Stager setzen Fokuspunkte, aber verstecken keine Mängel.» Im Gegenteil, viele Home-Staging-Anbieter übernehmen kleinere Renovationsarbeiten, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Die Suche nach professionellen Home Stagern wird beispielsweise durch Verbände erleichtert, weiss Hitz: «Durch die strengen Zugangsbedingungen sowie Kontrolle der Arbeit, wird der Spreu vom Weizen getrennt.» Unlauteren Methoden und unseriösen Anbietern kann man so vorbeugen.

Der Durchbruch kommt noch

Anders als in den USA und Teilen Europas ist das Home Staging in der Schweiz noch nicht sehr verbreitet. Die Effizienz des Home Stagings ist hier noch nicht in das Bewusstsein der Immobilieninhabenden gedrungen. «Wenn man sich die Fotos auf Immobilienportalen ansieht, dann erkennt man noch einiges an Potenzial», summiert Hitz. Auf dem Schweizer Immobilienmarkt sei das Potenzial noch beinahe unendlich. Deswegen ist es auch ein Wunsch von Hitz, dass die Immobilienbranche die Vorteile des Home Stagings anerkennt.

Text Kevin Meier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vorherigen artikel Mario Facchinetti: Der Nutzen von Innovationen wird noch zu wenig vermittelt und erkannt
Nächsten artikel Energieeffizientes Sanieren für die Umwelt