Hausi
Interview Wohnen

Hans Leutenegger: «Ich bin ein einfaches Manndli»

01.04.2021
von Fatima Di Pane

Erfolgreicher Unternehmer, Olympiasieger im Bobfahren und Schauspieler – Bauernsohn Hans «Hausi» Leutenegger hat es weit gebracht. Im Interview erzählt er von Gran Canaria und verrät sein Geheimrezept bei schlechten Tagen. 

Hans Leutenegger, Sie haben drei Wohnsitze…

Genau, und einer davon ist auf den kanarischen Inseln in Las Palmas, seit 40 Jahren.

Und warum haben Sie sich genau für diesen Ort entschieden?

Ich hatte durch das Bobfahren sehr oft Rückenschmerzen. Dann bin ich auf die kanarischen Inseln geflogen, habe diese Villa am Golfplatz gesehen und habe sie sofort gekauft. Das ist jetzt 40 Jahre her. Ich lebe vier Monate im Jahr auf den kanarischen Inseln, über den Winter. Das Klima lindert die Rückenschmerzen. 

Was hat Sie an dieser Villa derart überzeugt, dass Sie diese sofort gekauft haben?

Von der Villa bis zurück in die Schweiz sind es bloss vier Stunden Flug. Auch steht sie mitten im Golfplatz von Las Palmas. Und das Wichtigste: die Sonne. 

Ich musste bei der Bobfahrerei so oft frieren, ich bin bin schon bei dreissig Grad unter null gefahren und in St. Moritz oben ist es auch immer kalt. Ich sagte mir: Wenn ich mit dem Spitzensport aufhöre, will ich an einem sonnigen Ort wohnen.

Haben Sie ein liebstes Einrichtungsobjekt?

Ich mag schöne Bilder. Ich bin Fan und Freund von Rolf Knie und überall, wo ich wohne, hängen seine Bilder. 

All Ihre Wände sind voll?

Ja.

Mit Minimalismus haben Sie nichts am Hut?

Nein. Ich mache nur richtige Sachen.

Bilder von Hausis Zuhause

Was bedeutet Gemütlichkeit für Sie?

Gemütlichkeit ist Ruhe. Ich hatte ein anstrengendes Leben. Ich brauche Ruhe. Für mich bedeutet das, mich in einer Villa auszuruhen. Zu Hause bin ich sehr ruhig. Ich hatte ein Stressleben, war links und rechts unterwegs und jetzt will ich einfach meine Ruhe haben, lesen, fernsehen und geniessen. Ich bin zum Geniesser geworden. Ich bin gerne alleine. Ich habe immer viele Leute um mich herum, auch Angestellte in den Häusern, Gärtner und alles. Da ist man auch mal gern allein.

Sie erwähnten, gerne zu lesen.

Ich lese alles. Ich bin ein Zeitungsnarr. Ich lese alle Zeitungen, die es gibt. Ich lese täglich mindestens eineinhalb Stunden.

Gibt es Themen, die Sie besonders interessieren?

Ich lese immer zuerst den Sportteil. Politik interessiert mich natürlich auch, aber ich schaue immer zuerst den Sport an. Am Schluss kommt das Allgemeine. 

Sie sind schon sehr viel gereist.

Ich bin sehr viel gereist, ja. Ich bin fünfmal mit der Swissair um die Welt geflogen, ringelum. Auf den Philippinen habe ich gefilmt, in Japan und in Kanada fuhr ich Bob. Ich bin sehr viel gereist. Aber jetzt, da ich älter bin, bin ich am liebsten zu Hause.

Gibts es trotzdem einen Ort, den Sie noch sehen möchten?

Nein, ich will nichts mehr sehen. Ich habe alles gesehen. Ich reise nur noch in Europa herum und wohne auf den kanarischen Inseln. In der heutigen Situation reist man auch nicht mehr gerne. Damals wurde auch plötzlich mein Flug eingestellt und ich musste für den Heimweg einen Privatjet nehmen. Ich reise nicht mehr gern, weil die Situation so unsicher ist. Ich reise momentan nicht weiter als auf die kanarischen Inseln. Übersee, nie mehr. Ich war dort, ich hab’s gesehen.

Was bedeutet Ihnen Geselligkeit?

Geselligkeit bedeutet mir sehr viel. Eines war ich immer: nett mit den Leuten, mit meinen Angestellten und mit dem Umfeld. Darum mögen mich die Schweizer. Ich behandle jeden Menschen gleich. Ich behandle den Strassenarbeiter genau gleich, wie ich den Doktor behandle. Für mich sind Menschen enorm wichtig.

Woher kommt diese Einstellung?

Ich komme aus einer Familie mit acht Kindern. Ich hatte ganz einfache Eltern, einfache Leute. Und wenn man einfach auf die Welt kommt, so wie ich, dann wird man auch als einfacher Mann sterben. Ich war im Innern immer ein einfacher Mensch. Ich brauche kein Snob-Zeug.

Wenn man einfach auf die Welt kommt, und das völlig aus den Augen verliert, fängt man an zu spinnen. Ich bin einfach der Gleiche geblieben, obwohl mir der Wohlstand und der Ruhm im Leben geholfen haben. Aber alle, dich mich kennen, wissen: Ich bin «ein einfaches Manndli». Unkompliziert.

Also bedeutet Ihnen der Luxus um Sie herum nicht so viel?

Ich habe mich an den Luxus gewöhnt, natürlich. Daran gewöhnt man sich unheimlich schnell. Aber ich könnte morgen auch wieder ohne Luxus leben.

Meinen Sie wirklich?

Ich glaube schon (lacht). Der Luxus kam ja einfach mit dem Wohlstand. Dann heiratet man und die Frau will dies und das und daran gewöhnt man sich. Es fängt an, zu gefallen. Aber ich glaube, ich könnte auch in einem Bauernhaus leben. Ich bin kein Luxusmensch. Der Luxus hat sich einfach ergeben. Aber jeder der mich kennt, weiss: Der Hausi ist ein einfacher Mensch. Fertig.

Sie sind im Thurgau aufgewachsen.

Ich bin aufgewachsen im Bichelsee, ich bin auf Ehrenbürgen dort. 

Welche Gefühle verbinden Sie mit dem Thurgau?

Ich bin gerne im Thurgau. Ich bin gerne zu Hause, am Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Ich bin gerne in der Heimat.

Wie haben Sie die Zeit des Lockdowns erlebt?

Ich war letzten März auf den kanarischen Inseln. Aufgrund der Situation bin ich nach Hause geflogen und habe mich natürlich an die Regeln gehalten. Ich habe Rücksicht genommen und war zu Hause. Vor dieser Krankheit muss man einfach Respekt haben. Viele meiner Freunde hat es ganz böse erwischt. Diese Krankheit ist unberechenbar. Also habe ich mich am Genfersee eingeschlossen und habe gar nichts gemacht.

Vermissen Sie etwas, was man momentan nicht machen kann?

Ich vermisse gar nichts. Ich kann mittlerweile wieder ein bisschen Golf spielen, da vermisse ich nichts. Ich lese viel. Diese Zeit hat mir auch gutgetan. Ich habe sehr viel gelernt.

Was haben Sie gelernt?

Ich habe gelernt, dass wir einfach nur Menschen sind. Man kann reich sein, arm sein: Das Virus nimmt keine Rücksicht. So ist das.

Welchen Ratschlag würden Sie einem Menschen geben, der ganz am Anfang der Karriere steht?

Jeder Mensch hat ein Talent, man muss nur herausfinden, wo es liegt. Ich beobachte oft gescheite Menschen, die es zu nichts bringen, weil sie einfach das Falsche machen. Man muss herausfinden, wo man stark ist, und dann muss man es alleine machen. Nicht auf alle Leute hören. Den Weg musst du allein machen. 

Man muss einfach gerade durchs Leben gehen und ehrlich sein. Und man darf nur glauben, was man sieht. Leider ist es heute so. Es wird so viel versprochen und nicht eingehalten.

Ich hatte es einfach, die Welt war früher einfacher, aber die heutige Generation hat es viel schwerer. Darum muss man das machen, was man kann und nicht auf alle Leute hören. Man muss auch korrekt sein und das braucht einen riesigen Willen.

Und woher nimmt man den Willen? Das kostet ja eine Menge Kraft.

Man muss den Willen einfach nehmen. Man muss sich morgens sagen: Ich will im Leben vorwärtskommen. Es braucht einen riesigen Willen und eine Grundehrlichkeit. Man muss ehrlich sein. Lügen haben kurze Beine, so ist es einfach.

Und wenn man einen schlechten Tag hat?

Dann trinken Sie ein Glas Appenzeller und der Tag sieht ganz anders aus (lacht). Nach einem schlechten Tag habe ich früher erstmal zwei Gläser Whisky gekippt. Dann ging es mir um einiges besser.

Weitere Interviews gibt es hier.

Interview Fatima Di Pane Headerbild Thurgauer Zeitung, Donato Caspari Restliche Bilder ZVG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vorherigen artikel Der Eigenmietwert – sinnlos oder sinnvoll?
Nächsten artikel Durch den Garten blüht die Gesundheit auf