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17 Oktober 2019

Gender Equality betrifft nicht nur Feministinnen.

Sie ist gesetzlich verankert, aber die vollständige Gleichberechtigung von Mann und Frau ist in der Schweiz noch lange nicht erreicht.

Im Oktober 2017 hat der Bundesrat die Initiative für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub abgelehnt. Sie hätte einen kleinen, aber wichtigen Schritt zur Gleichstellung von Mann und Frau bedeutet. Die Kosten von 420 Millionen seien zu hoch, argumentierte die Landesregierung. Zwar ist ein Vaterschaftsurlaub nicht entscheidend für die Beziehung zu einem Kind, aber er zeigt exemplarisch, dass «Gender Equality» nicht nur die Frauen betrifft, sondern beide Geschlechter. Wie bei den meisten Ungleichheiten zeigt sich, dass es eigentlich im Interesse beider Seiten wäre, wenn sie die gleichen Möglichkeiten hätten. Heute für Gleichstellung einzustehen, heisst also zuerst einmal, die Tatsache anzuerkennen, dass Männer und Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind.

Ist es nur die gesellschaftliche Akzeptanz, die Männer an der Teilzeitarbeit hindert?

Sich um eine Familie zu  kümmern  und  gleichzeitig im Beruf erfolgreich zu sein, ist für niemanden einfach – weder für Männer noch für Frauen. Dass Frauen Teilzeitarbeit verrichten, ist gesellschaftlich weitherum akzeptiert, sie werden aber dafür kritisiert, wenn sie sich beruflich 100% engagieren. Gerade umgekehrt steht es beim «starken Geschlecht»: Nur gerade elf Prozent der Schweizer Männer arbeiten Teilzeit. In Umfragen bekräftigt aber jeweils die überwältigende Mehrheit der Männer, dass sie wegen der Kinder lieber Teilzeit arbeiten möchten. Warum sie es doch nicht tun, wird meist so begründet: Mal sind es die gesellschaftlichen Strukturen, mal die Arbeitgeber, dann die Kosten – und überhaupt sei der Moment gerade sehr ungünstig wegen der Karriere. In der Schweiz herrscht ganz klar ein eher klassisches Rollenverständnis. Dieses zu durchbrechen, kann nicht über Nacht passieren. Damit das gelingt, braucht es mehr Solidarität zwischen den Geschlechtern. Die bestehende Rollenverteilung nicht zu hinterfragen und sich mit Antworten wie «Frauen/Männer sind nun mal so» zufrieden zu geben, liegt nicht mehr drin.

Wie bei den meisten Ungleichheiten zeigt sich, dass es eigentlich im Interesse beider Seiten wäre, wenn sie die gleichen Möglichkeiten hätten.

Der Lohnunterschied betrifft beide

Als eine der grössten Ungerechtigkeiten wird die Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen wahrgenommen. Seit 1996 verbietet zwar das Gesetz unterschiedliche Löhne aufgrund des Geschlechts, in der Praxis liegen die Löhne von Frauen und  Männern immer noch weit auseinander. Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern gehen aber langsam zurück. Laut BFS (Bundesamt für Statistik) betrug der Unterschied im Jahr 2014 in der Privatwirtschaft im Schnitt 19,5 Prozent. 2008 hatte der Lohnunterschied noch ganze  25,5  Prozent  betragen. Ein Mann kann da noch so gerne zu Hause bei seinem Kind bleiben wollen, wenn die Partnerin in ihrem Job 1000 bis 2000 Franken weniger verdient, ist die Frage, wer arbeiten geht und wer die Kinder betreut, schnell beantwortet. Da  kann  ein  Paar  noch  so jung und hip sein, die Frau noch so gebildet und  unabhängig: Das Szenario bleibt oft dasselbe: Sie ist zuständig für den Haushalt und das Kind und hat vielleicht einen Nebenjob – er arbeitet Vollzeit und bringt das Geld heim.

Durchbrechen von Gender Stereotypen

Da die meisten Männer nicht Teilzeit arbeiten, fühlen sich diejenigen, die es tun, schnell an den Rand gedrängt. In der einer von den Männern dominierten Arbeitswelt stehen die männlichen Attribute deutlich im Vordergrund. Die Mehrheit schafft das Arbeitsklima und alle ziehen mit. Frauen treten plötzlich männlicher auf als sie sollten und die Männer sind ebenso diesen Mustern unterworfen. Ihnen fällt es schwer sich gegen den Trend zu stellen. Die Expertin Corina Merz sagt: «Ein Mann, der die Kinder von der Krippe abholt, ist kein Softie, sondern ein vollwertiges Teammitglied und eine Frau, die eine klare Meinung vertritt, ist keine Zicke, sondern ein proaktives Teammitglied.» Zu lange wurde Gleichstellung als reines Problem der Frauen verstanden. Heute sollten wir einen Schritt weiterdenken und einsehen, dass es für alle von Vorteil ist, wenn Frauen und Männer dieselben Möglichkeiten bekommen und an gleichen Massstäben gemessen werden. Denn in einer gleichberechtigten Gesellschaft wird niemand mehr aufgrund seines Geschlechtes auf irgendeine Aufgabe festgelegt. Sie erlaubt Frauen und Männern, frei und auf Augenhöhe miteinander zu leben. Jeder kann tun, was ihm oder ihr am besten liegt, ohne dafür sozial oder finanziell zurückstecken zu müssen. Gleichberechtigung ist für alle gut – deswegen sollten wir sie gemeinsam anstreben.

Da die meisten Männer nicht Teilzeit arbeiten, fühlen sich diejenigen, die es tun, schnell an den Rand gedrängt.

So kann man sich als junge Frau durchsetzen

Als junge Frau ist es wichtig, Allianzen im Team und in der Firma zu schaffen. Kaffeepausen und Mittagessen kann man nutzen, interessante Menschen im Betrieb zu treffen – und von seinen Projekten zu erzählen. Hier kann man dafür sorgen, dass man wahrgenommen wird. Dabei geht es aber nicht darum, anzugeben und künstlich Erfolge herbeizureden. Die Herausforderung ist, elegant und nebensächlich die wichtigen Informationen ins Gespräch einzubauen. Hier können sich Männer und Frauen gegenseitig durch positive Aussagen für ein Projekt empfehlen und sich mehr Sichtbarkeit verschaffen.

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