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Zürich
30 März 2020

Nachhaltige Zukunft im öffentlichen Verkehr.

Der öffentliche Verkehr soll grüner werden. Doch wie soll er sich ändern? Um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, müssen nicht nur die Anbieter, sondern auch die Hersteller und der Bund ihren Beitrag leisten.

An der Generalversammlung dieses Jahres verabschiedete der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) eine Energiestrategie für 2050. Die zwei ambitionierten Ziele lauten, die Energieeffizienz von Bus, Bahn und Infrastruktur um 30 Prozent zu erhöhen, und nur noch erneuerbare Energien einzusetzen. Zwar beträgt der Anteil des öffentlichen Verkehrs momentan nur 5.5 Prozent des Energieverbrauchs aller Verkehrsträger. Dies ist bei einem Anteil von 20 Prozent der zurückgelegten Passagierkilometer verhältnismässig wenig. «Es ist aber absehbar, dass der Energieverbrauch aufgrund des Angebotsausbaus im öV wachsen wird», erklärt Ueli Stückelberger, Direktor des VöV. Bis 2050 erwartet man nach der Einschätzung des Bundesamtes für Energie eine Verdoppelung der Energienachfrage.

Eine Schlüsselrolle dieses Vorhabens fällt den Herstellern von Bussen zu. Denn sie können das beeinflussen, was den grössten Teil des Energieverbrauches im öffentlichen Verkehr ausmacht – die Antriebsenergie. Elektro- oder Elektro/Diesel-Hybrid-Busse scheinen die Zukunft des öffentlichen Verkehrs zu bilden. 

Es werden noch viele weitere Tests stattfinden, ehe die Entscheidung fällt, in die neuen Antriebsarten zu investieren.

Eine elektrisierende Zukunft

In den letzten Jahren testeten verschiedene Schweizer Städte immer wieder solche Busse. Dabei achten die Transportunternehmen vor allem auf die Reichweite und den Energieverbrauch der Batterien, aber auch auf die Zuverlässigkeit für die Kunden und den Linienbetrieb. Die aus diesen Tests gewonnenen Erkenntnisse werden der Energiestrategie einverleibt. Eine solche Erkenntnis kann zum Beispiel sein, dass Hybridbusse gut für den Betrieb in der Agglomeration und Städten geeignet sind, aber in den Bergen, deren steile Strassen den Hybridantrieb überfordern, weniger gut performen.

Es werden noch viele weitere Tests stattfinden, ehe die Entscheidung fällt, in die neuen Antriebsarten zu investieren. Denn zum einen muss man sich über die wirtschaftlichen und ökologischen Konsequenzen sicher sein, zum anderen werden die Technologien immer innovativer, je später der Kauf erfolgt. 

Momentan stellen Transportunternehmen die Wirtschaftlichkeit eines Wechsels von einer Dieselflotte zu einer Hybrid- oder Elektroflotte jedoch noch vermehrt in Frage. Ein «grüner» Bus ist zurzeit bis zu 300 000 CHF teurer als ein herkömmlicher Diesel-Bus. Die Umstellung lohnt sich auch aus nachhaltiger Sicht noch nicht überall. So sind Trolley-Busse, die keine Akkus aufladen müssen, sondern ständig am Netz angeschlossen sind, umweltfreundlicher als mit Batterie betriebene Elektrobusse. Aus ökologischer Sicht lohnt sich bisher also nur der Umtausch einer Dieselflotte. Allerdings würde das Wegfallen der Oberleitungen andere Vorteile mit sich bringen, wie zum Beispiel mehr Flexibilität für den Bus oder ein schöneres Stadtbild. Trotz der bestehenden Herausforderungen blickt die Branche zuversichtlich in die Zukunft. 

Wie die Zukunfts-Busse funktionieren

Wenn die Zukunft also den Hybrid- oder Elektrobussen gehört, sollte man sich die Frage stellen, wie sie denn eigentlich funktionieren. Hier eine kurze Erklärung:

In einem Elektrobus versorgt eine eingebaute Batterie die Motoren, die den Bus antreibt. Das Problem dabei ist, dass die Batterien (noch) einiges weniger an Energie speichern können als herkömmliche Tanks und deshalb früher aufgeladen werden müssen. Das Aufladen kann über verschiedene Wege erfolgen: zum Beispiel kontaktlos durch eine Bodenplatte an den Haltestellen während des Ein- und Aussteigens der Fahrgäste. Allerdings weist dies noch Schwierigkeiten auf, da das Aufladen der Batterie länger dauert als der Passagierwechsel, was die Transportunternehmen dazu zwingt, die Fahrpläne dementsprechend anzupassen.

Die Technologien hinter dem nachhaltigen öffentlichen Verkehr müssen noch etwas ausreifen, damit auch die letzten Hindernisse, wie die Wirtschaftlichkeit oder Performance, überwunden werden können.

Ein Hybridfahrzeug andererseits wird per Definition von zwei Energieumwandlern und zwei eingebauten Energiespeichersystemen angetrieben. Für den Laien etwas verständlicher ausgedrückt: Energiewandler sind Motoren. Dies können zum Beispiel Elektro- und Dieselmotoren sein, und Energiespeichersysteme wären entsprechend die Batterie oder der Kraftstofftank. Bei Bussen, die mit paralleler Hybridtechnologie funktionieren, dient der Dieselmotor der stetigen Stromversorgung, während der elektrische Antrieb nur unterstützt. Das ist vor allem bei Bussen in ländlichen Regionen von Vorteil, da sie durchschnittlich schneller und weiter fahren müssen als Stadtbusse. Bei der seriellen Hybridtechnologie treibt der Verbrennungsmotor einen Generator an. Der daraus generierte Strom treibt wiederum den Elektromotor an. Dabei wird weniger Brennstoff verbraucht. Dieses Vorgehen ist vor allem bei Stadtbussen verbreitet, da sie oft anfahren und abbremsen, was normalerweise viel Treibstoff kostet. 

Langsam aber unaufhaltsam

Der öffentliche Verkehr wandelt sich im Namen der Nachhaltigkeit. In Zukunft werden wir bequem und umweltfreundlich in Hybrid- oder gar Elektrobussen umherpendeln. Bis dahin scheint es aber noch ein wenig zu dauern. Die Technologien hinter dem nachhaltigen öffentlichen Verkehr müssen noch etwas ausreifen, damit auch die letzten Hindernisse, wie die Wirtschaftlichkeit oder Performance, überwunden werden können. Der Bund kann die Umstellung jedoch beschleunigen, indem er einen Teil der Mehrkosten von umweltfreundlichen Bussen übernimmt. Denn laut dem VöV «macht es keinen Sinn, dass heute Städte aus finanziellen Gründen noch Dieselbusse beschaffen müssen».

Bild: Carrosserie HESS AG

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