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Zürich
23 Februar 2020

Schweizer Winter – warum es sich lohnt, hierzubleiben.

Das Wandernetzwerk der Schweiz erstreckt sich auf rund 65 000 Kilometern, was dem anderthalbfachen Erdumfang entspricht. Darüber hinaus hat das viersprachige Land europaweit die grösste Anzahl Berge mit mehr als 4000 Höhenmetern. Trotzdem reisen die meisten Einheimischen während ihren Sommerferien ins Ausland und geniessen ihre Heimat dafür umso mehr im Winter.

Laut einer Studie von «Europ Assistance» verbringen viele Europäer ihre Sommerferien im eigenen Land. Ganz vorne mit dabei ist Frankreich, wo 63 Prozent der Bevölkerung ihren Urlaub in der Heimat geniessen. Und auch in Spanien und Italien bleibt über die Hälfte der Einwohner lieber im Heimatland als mit dem Flugzeug zu verreisen. Ganz anders sieht es bei den Schweizern aus. «Im Sommer führen 70 Prozent aller Reisen ins Ausland», weiss Florian Hälg, Verantwortlicher für die KOF Tourismusprognosen.

Reisen ist hierzulande fast selbstverständlich geworden: In den Sommerferien vier Wochen nach Bali, Christmas-Shopping in New York oder Backpacken in Südamerika. Das sagt einiges über unseren Wohlstand aus und zeigt auch, dass die Schweizer Interesse an anderen Kulturen haben. Eine positive Entwicklung, die manchmal leider vergessen lässt, dass auch die Schweiz einiges zu bieten hat. Und das Beste daran ist, dass eine Safari in Kenia eine Wanderung in Engelberg nicht ausschliesst. Die Schweiz ist so klein und gut bereisbar, dass nicht eine ganze Woche Urlaub nötig ist, um etwas vom Land zu sehen. Bereits innerhalb eines Tages können Abenteurer und Geniesser neue Ortschaften entdecken und ihren Horizont erweitern.

Die Schweiz ist so klein und gut bereisbar, dass nicht eine ganze Woche Urlaub nötig ist, um etwas vom Land zu sehen.

Die Schweiz wird wieder zum Winterwunderland

Dieses Jahr beginnt der kalendarische Winter am 21. Dezember. Er richtet sich nach dem Sonnenstand und hängt von der Rotationsachse der Erde ab. Für die Schweizer beginnt der Winter einfach dann, wenn sie die Winterjacken hervornehmen müssen und der erste Schnee fällt. Manche mögen diese frostige Zeit, andere können sich überhaupt nicht damit anfreunden. Dabei gibt es gerade im Winter beinahe nichts Schöneres, als einen Tag in den Bergen zu verbringen. Das Angebot hierzulande ist immens und für alle gibt es das passende Angebot. Vom abgelegenen Chalet bis zum luxuriösen Hotel ist alles dabei. In der Schweiz kommen auch Ski- und Snowboardfahrer richtig auf ihre Kosten. Es gibt rund 250 Skigebiete, die jedes Jahr Millionen von Menschen aus dem In- und Ausland anziehen. «Besonders über Weihnachten und Neujahr sind die Skigebiete voll ausgelastet», meint Florian Hälg. Die Berge sind während des Winters nicht nur für Schneesportler attraktiv. Die weissen Gletscher laden auch Wanderer und Après-Ski Fans ein.

Der Stau muss nicht sein

Wenn das Wetter perfekt für einen Tag in den Bergen ist, sind die Verkehrsverhältnisse dafür umso schlechter. Liegt zeitgleich noch Schnee auf den Strassen, kann die Fahrt in die Berge richtig unangenehm werden. Wer das umgehen will, nutzt besser die öffentlichen Verkehrsmittel. Sie kosten weniger Nerven, sind sicherer und schonen die Umwelt. Ein oft gehörtes Gegenargument der Autoliebhaber sind die Kosten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz ist jedoch überdurchschnittlich gut. Auf die Verbindungen ist selbst bei Schneefall Verlass und die Netz- und Angebotsdichte ist hervorragend. Des Weiteren sind die Kosten des öffentlichen Verkehrs in den letzten Jahren europaweit gestiegen, wobei die Schweizer Preise mittlerweile im Mittelfeld liegen. Hinzu kommt, dass es für die Sparfüchse unter uns immer wieder Sonderangebote gibt. Die Rede ist von Sparbilletten und attraktiven Kombi-Angeboten. Im Winter ist vor allem die Kombination von Skipässen sowie Hin- und Rückreise beliebt. Durch diese zahlreichen Angebote kann man einige Franken sparen. Es gibt also keinen Grund mehr, auf die wunderschönen Berglandschaften zu verzichten.

Wenn das Wetter perfekt für einen Tag in den Bergen ist, sind die Verkehrsverhältnisse dafür umso schlechter.

Stille Skiorte mit frischer Luft

Für alle, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, stehen auch die autofreien Skiorte zur Auswahl. Ohne die Abgase ist die Bergluft noch frischer als ohnehin schon und der Lärmpegel beschränkt sich auf ein Minimum. Für Familien empfiehlt sich beispielsweise das autofreie Braunwald im Glarnerland. Im Sommer ist das Dorf vor allem für den Zwerg-Bartli-Erlebnisweg bekannt. Im Winter bietet Braunwald 30 Kilometer Skipisten, zwei Schlittenbahnen und märchenhafte Wanderwege. Und das Beste: Vom Hauptbahnhof Zürich ist das Dorf mit dem Zug in weniger als zwei Stunden erreichbar.

Ein weiteres attraktives Reiseziel für den nächsten Winterurlaub ist Saas-Fee. Seit 1951 ist das Dorf im Wallis autofrei und setzt sich ebenfalls anderweitig mit Nachhaltigkeit auseinander. Es bezieht zu 100 Prozent sauberen Strom aus Wasserkraftwerken. Die vorbildhafte Gemeinde bietet sich für alle Altersklassen an. Für die kleineren Gäste gibt es genügend Anfängerpisten sowie eine Skischule und einen Baby-Lift. Die fortgeschrittenen Fahrer haben die Möglichkeit, den Freestyle-Park im Gebiet Morenia zu nutzen und sich auszutoben. Für das Abendprogramm gibt es zahlreiche Restaurants, Bars und Clubs.

Für alle, die sich trotz dem grossen Angebot in der Schweiz nicht für einen Tag im Schnee begeistern können, gibt es eine verlockende Alternative: Thermalbäder. Die Entspannungsoasen sind im ganzen Land verteilt und sind besonders im Winter einen Besuch wert. Die Gruyère-Bäder beispielsweise befinden sich in Charmey im Kanton Freiburg und verwöhnen die Gäste mit einer Wassertemperatur von 34 Grad. Die Gemeinde bietet auch ein Skigebiet, wodurch die ganze Familie auf ihre Kosten kommt.

Text: Michelle Christen

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