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Zürich
5 Juni 2020

Transformation zum Energiesystem der Zukunft.

Der Umbau des Energiesystems ist eine Generationenfrage und eine der wichtigsten Herausforderungen in der nahen Zukunft.

Immer weniger Schweizer und Schweizerinnen und auch Politiker stellen den Klimawandel ernsthaft in Abrede. Mittlerweile gehen Jugendliche, Schülerinnen und Schüler aus Protest auf die Strasse, weil sie sich sorgen um ihre Zukunft und die der Welt machen – und damit der Politik den Vorwurf, dass sie nicht handle. Die ersten Auswirkungen haben sich vermutlich bei den Kantonsratswahlen im Kanton Zürich im März bereits gezeigt. Die grünen Parteien haben enorm zugelegt.

Die Herausforderung, dem Klimawandel entgegenzutreten, war noch nie so gross wie heute. Ein Satz, der bereits millionenfach geschrieben und gelesen wurde – und trotzdem nimmt der Wille der Politik, je nach Partei, nur langsam Fahrt auf. Zur wichtigsten Aufgabe gehört die Begrenzung des von Menschen verursachten Klimawandels. Einig sind sich alle, dass eine massive Minderung der Treibhausgasemissionen erforderlich ist. Diese entstehen bei der Nutzung fossiler Energieträger, aber auch durch viele andere Aspekte des Lebens und Wirtschaftens, in der Nahrungsmittelproduktion, der Industrie und durch unsere Mobilität.

Zur wichtigsten Aufgabe gehört die Begrenzung des von Menschen verursachten Klimawandels.

Komplexer Prozess

Die sogenannte Energiewende erfordert die Transformation des gesamten Energiesystems. Bei dieser Entwicklung ist es wichtig, dass die Nachfrage aus dem Verkehr, der Industrie, dem Gewerbe und auch den privaten Haushalten weiter erfüllt werden kann. Sie darf einerseits die Wirtschaft und den Wohlstand der Gesellschaft nicht gefährden und muss gleichzeitig auch kosteneffizient sein.

Bei der Transformation des Energiesystems handelt es sich also um eine sehr komplexe Aufgabe, bei der technologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Anforderungen und Entwicklungen ineinandergreifen. Eine einseitig ausgerichtete Entwicklung ist nicht effizient.

Das heutige Energiesystem der Schweiz steht immer noch am Anfang des Transformationsprozesses. Der Weg ist noch nicht ganz klar, das Ziel aber bekannt: Um eine mittlere Erderwärmung von unter 1,5 bis 2 Grad Celsius zu erreichen, ist eine drastische Reduktion der Treibhausgase bis 2050 notwendig. Das heisst im Klartext: Das Energiesystem muss so schnell wie möglich ohne fossile Kohlenwasserstoffe auskommen. 2050 soll die Schweiz zudem das letzte Kernkraftwerk abstellen.

Erneuerbare Energien im Fokus

Sonne, Wind, Wasser, Biomasse oder Geothermie sind erneuerbare Energiequellen, die sich auf natürliche Weise immer wieder regenerieren. Sie basieren nicht auf Rohstoffvorräten, die mit der Zeit zur Neige gehen, wie es unter anderem bei den fossilen Energien wie Erdöl, Kohle oder Erdgas der Fall ist. Im Strombereich ist die Schweiz mit über 60 Prozent der Produktion aus erneuerbaren Energiequellen bereits Spitzenreiterin in Europa. Diese Energie stammt überwiegend aus unseren Wasserkraftwerken. Bei der Mobilität und Wärme hingegen besteht ein sehr grosses Verbesserungspotenzial, nur 22 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs werden durch erneuerbaren Energien gedeckt.

2050 soll die schweiz das letzte Kernkraftwerk abstellen.

Die Transformation des Energiesystems bringt auch Veränderungen und neue Möglichkeiten in der Distribution der Energie – neue Formen der Verteilung und neue Geschäftsbeziehungen. Klassische Tankstellen wird es immer weniger geben, die Heizölhändler müssen sich nach und nach der Energiewende anpassen. So kann beispielsweise ein privater Betreiber einer Solaranlage seinen über den eigenen Bedarf hinaus produzierten Strom an einen Netzbetreiber verkaufen. Autofahrer können die Batterien ihres Elektrofahrzeuges während des Abendessens im Restaurant oder während dem Einkauf im Shoppingcenter aufladen. Firmen sparen mit einer eigenen Fotovoltaikanlage Kosten ein und sind nicht mehr oder nur noch teilweise von einem Netz abhängig.

Liberalisierung des Strommarktes umstritten

Grossen Einfluss auf die Transformation des Energiesystems hätte auch die Liberalisierung des Strommarktes. Derzeit können private und Gewerbetreibende und damit fast 99 Prozent aller Strombezüger ihren Lieferanten nicht frei wählen. Die vom Bundesrat vorgeschlagene Öffnung ist aber politisch umstritten. Grundsätzlich geht es dabei um die Frage, ob ein Monopolsystem im Gegensatz zu einem freien Marktsystem besser in der Lage wäre, für eine kostengünstige, zuverlässige und umweltverträgliche Stromversorgung zu sorgen. Die Befürworter gehen davon aus, dass die volle Liberalisierung den Wettbewerb fördere und ineffiziente Strukturen abschaffe. Und schliesslich damit den kostengünstigen Ausbau von Produktionskapazität und Netzen fördere. Die Gegner befürchten bei einer vollständigen Marköffnung eine Verteuerung der Grundversorgung der Haushalte.

Digitale Transformation

Damit die Energiewirtschaft und die Energieversorgung der Schweiz durch die Digitalisierung nicht überrollt werden, sondern sie so schnell wie möglich nutzen können, hat das Bundesamt für Energie bereits eine Expertengruppe eingesetzt. Diese beobachtet das Potenzial und versucht aufzuzeigen, wohin der digitale Weg führt. Dabei ist klar, dass die digitale Transformation den Energiesektor grundlegend und nachhaltig verändern wird. Durch die Verbreitung des «Internets der Dinge» stehen sehr grosse Mengen an Daten (Big Data) und Informationen zur Verfügung, die der Energiesektor nutzen kann. Diese Daten ermöglichen auch neue Dienstleistungen. Ein konkretes Beispiel dafür sind virtuelle Speicher. Solche sind besonders interessant im Zusammenhang mit stromproduzierenden Konsumenten, die überschüssigen Strom in ein Netz einspeisen wollen.

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