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30 März 2020

Arbeitssicherheit wird in KMUs oft vernachlässigt.

Aus humaner sowie rechtlicher Sicht zählen die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz zu den unabdingbaren Unterstützungs- und Führungsprozessen eines Unternehmens. Denn Unfälle sowie Krankheiten, welche berufsbedingt verursacht wurden, kosten KMUs viel Aufwand. Zwei Fachleute geben darüber Auskunft, wie sich dies vermeiden lässt.

Alle Präventionsaktivitäten, die der Arbeitgeber zur Minimierung von Gefahren für Arbeitnehmende tätigt, fallen unter die Arbeitssicherheit. Prävention ist essenziell, um eine gesunde und sichere Arbeitsstelle gewährleisten zu können. Denn keine Arbeit ist es wert, die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Zu den häufigsten Arbeitsunfällen gehören Stolperunfälle, sich an etwas stossen oder von etwas getroffen zu werden. Dies ist unabhängig von der Branche und der Firmengrösse. Schwere Unfälle passieren meistens durch Abstürze aus der Höhe, vermehrt branchenabhängig in der Försterei, im Metallbau oder dem Baugewerbe. Über alle Branchen hinweg betrug 2017 die Zahl der Berufsunfälle 62.9 pro 1000 Vollzeitbeschäftigte. Spezifisch in den Bereichen der Kunst, Unterhaltung und Erholung lagen die Berufsunfälle pro 1000 Vollzeitbeschäftigte bei 165.1. Arbeitssicherheitsmängel spiegeln sich oft auch in der Qualität der betrieblichen Gesamtstruktur wider. 

Zu den häufigsten Arbeitsunfällen gehören Stolperunfälle, sich an etwas stossen oder von etwas getroffen zu werden.

Mängel in KMUs

Besonders Klein- und Mittelunternehmen setzen Arbeitssicherheit oftmals nicht als Faktor für wirtschaftlichen Erfolg ein – es wird als Ausgabe und nicht als Investition betrachtet. Das ist schade, denn gesunde und zufriedene Mitarbeitende sind auch gute Mitarbeitende. Von allen Anspruchsgruppen sind die Mitarbeitenden für den Erfolg des Unternehmens die wichtigsten. André Meier, Abteilungsleiter Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bei der Suva, sieht Potenzial für KMUs: «Viele Betriebe haben noch nie eine Gefährdungsermittlung gemacht. Das heisst, diese kennen ihre potenziellen Gefahren im Betrieb gar nicht. Sicherheitsregeln existieren zwar oft auf dem Papier und Arbeitnehmende durchlaufen auch regelmässige Schulungen. Allerdings erfolgt weder eine Um- noch eine Durchsetzung der Regeln. Diese Lücke zwischen ‹Wissen und Handeln› gilt es bewusst anzugehen.» Dabei ist eine adäquate Führungskultur in Betrieb wichtig. Im Idealfall entwickelt sich die Sicherheitskultur so zu einem festen Bestandteil des Unternehmens.

Arbeitssicherheit in Grossbetrieben

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anforderungen auch richtig umgesetzt werden, ist in Grossunternehmen grösser. Peter Schwander, Präsident des Vereins höhere Berufsbildung ASGS, bestätigt: «In grösseren Betrieben existiert häufiger eine eigene Stelle oder eine ausgewiesene Fachperson für die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass bereits Unfälle und Gesundheitsschädigungen vorgekommen sind, durch die höhere Anzahl beschäftigter Personen, grösser. Das kann zu einer höheren Sensibilisierung beitragen.»

Es gibt auch Massnahmen, welche Arbeitnehmende von sich aus umsetzen können, wie zum Beispiel: «die richtige Einstellung der Sitzfläche des Arbeitsstuhles oder die konsequente Verwendung der persönlichen Schutzausrüstung», so Peter Schwander. Weiter meint er: «Werden umfangreichere Massnahmen oder Abklärungen notwendig, ist eine Meldung an den Vorgesetzten eine sinnvolle Massnahme. Auch konkrete Vorschläge für Verbesserungen sind häufig ein guter Weg.» Arbeitnehmende können sich auch direkt bei den zuständigen Durchführungsorganen melden, also der Suva oder bei den kantonalen Arbeitsinspektoraten, wenn vorhandene Gefährdungen und Belastungen durch Vorgesetzte ignoriert oder Massnahmen ungenügend umgesetzt werden.

Von allen Anspruchsgruppen sind die Mitarbeitenden für den Erfolg des Unternehmens die wichtigsten.

Arbeitssicherheit früher versus heute

Wo Arbeitende früher noch ungesichert auf Sendemasten oder Häuserdächer gewerkt haben, ist dies heute in der Schweiz nur noch schwer vorstellbar. In den letzten 100 Jahren hat sich viel getan, äussert André Meier, Abteilungsleiter für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz: «Lange Zeit hat man sich zurecht darauf konzentriert die Arbeitsmittel (Maschinen und Anlagen) sicherer zu machen. Dadurch erfolgte eine massive Reduktion der Unfallzahlen. Ab ca. 1990 fokussierte man sich darauf, die Arbeitssicherheit zu systematisieren und in die Managementsysteme zu integrieren. Der Schwerpunkt lag auf der Sicherheitsorganisation.» Peter Schwander ergänzt, dass heute «sinnvolle Massnahmen den Arbeitsablauf nicht behindern, sondern im Idealfall sogar zu einer Steigerung der Effizienz beitragen können.» Nicht nur gegenwärtig gilt es neue Standards zu definieren. Zukünftig werden Menschen durch die Automat- und Robotisierung ohnehin vermehrt mit Maschinen zusammenarbeiten, wofür zwangsläufig neue arbeitssicherheitstechnische Richtlinien geschaffen werden müssen. 

Text: Alessandro Poletti

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