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Zürich
5 Juni 2020

Damit der Ausflug auf die Piste nicht beim Arzt endet.

Die Schweiz ist eine Scheesport-Nation. Und wo Millionen von Skifahrern, Snowboarderinnen und Schlittlern die Hänge hinuntergleiten, kommt es auch immer wieder zu Pistenunfällen. Welches sind die häufigsten? Wie lassen sie sich vermeiden? Und was kostet das Ganze eigentlich?

Es ist ein unvergleichliches Gefühl, beinahe schwerelos über frischen Pulverschnee zu gleiten. Den Fahrtwind im Gesicht und die Sonnenstrahlen im Nacken. Ein erhebendes Erlebnis. Bis in der nächsten Kurve plötzlich mitten auf der Piste ein abgebrochener Ast liegt. Aus dem sanften Gleiten wird urplötzlich ein hartes und schmerzhaftes Taumeln – und man selber ein weiterer Fall für die Schneesport-Unfallstatistik.

Diese Statistik erhebt die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt SUVA. Und ihr Befund ist eindeutig: Über 90 Prozent aller Pistenunfälle sind selbstverursacht. Konkret seien sie auf eine überhöhte Geschwindigkeit sowie eine Fehleinschätzung der eigene Fahrkünste zurückzuführen. Und das kann verheerend sein, denn in der Schweiz gibt es rund 2,5 Millionen Schneesportlerinnen und Schneesportler, schreibt die SUVA. Das ist mehr als ein Viertel der gesamten Wohnbevölkerung. Und jeden Winter verletzen sich mehr als 33 000 Arbeitnehmende auf Pisten im In- und Ausland. «Für die Betroffenen bedeutet das Schmerzen und Unbeweglichkeit, für die Versicherer jährliche Kosten von rund 291 Millionen Franken», hält die SUVA fest. Ein teurer Spass, der sich in gewissen Fällen auch direkt auf die Betroffenen auswirken kann. Wer Vorsichtsgebote wie die Sperrung von Pisten ignoriert, muss bei einem Unfall mit gekürzten Versicherungsleistungen wie Taggeld und Rente rechnen. 

Über 90 Prozent aller Pistenunfälle sind selbstverursacht.

Am besten fit, vorsichtig – und gut ausgerüstet

Laut SUVA ist ein solches «ungenügendes Gefahrenbewusstsein« ein wesentlicher Faktor, der zu Unfällen Pistenunfällen führen kann. Kommen dann noch überhöhte Fahrgeschwindigkeit sowie mangelhafte körperliche Kondition hinzu, ist das Unfallrezept quasi perfekt. Aber auch Faktoren wie eine fehlende Schutzausrüstung oder falsch eingestellte Skibindungen können zu Gefahrensituationen führen. 

Aus diesem Grund ist die Empfehlung der Fachleute an alle Schneesportlerinnen und Schneesportlerinnen klar: Besorgt euch eine geeignete Ausrüstung und fahrt nur so schnell und auf solch anspruchsvollen Pisten, wie es euer Können sowie die körperliche Fitness erlauben.  

Klingt an sich einleuchtend, aber wie kann man nun konkret sicherstellen, dass man die optimale Ausgangslage für ungefährlichen Pistenspass geschaffen hat? Fangen wir bei der Ausrüstung an. Gemäss SUVA kann diese Sportlerinnen und Sportler bei Unfällen vor schwerwiegenden Folgen bewahren. Aus diesem Grund sollte die Skibindung vor jeder Saison von Fachpersonen überprüft und neu eingestellt werden. Zudem können sich die Schrauben von Snowboardbindungen lösen, weshalb sie ab und zu angezogen werden müssen. Ganz wichtig ist das Tragen eines Schneesporthelms, welcher der Norm EN 1077 entspricht. Und weil sich Snowboardfahrerinnen und -fahrer besonders häufig an den oberen Extremitäten verletzen, sollten sie einen wirksamen Handgelenkschutz tragen.

Ein Rückenprotektor bietet zusätzlichen Verletzungsschutz bei Stürzen, denn er dämpft die Wucht von Schlägen auf den Rücken deutlich ab.

Soll ich da wirklich runterfahren?

Wer in die Wintersaison startet, sollte sich unbedingt bewusst sein, dass es nicht umsonst Schnee-SPORT heisst: Gerade Rumpf- und Beinmuskulatur werden an den Hängen kontinuierlich gefordert. Wer sich das nicht gewohnt ist, kann schnell in Situationen geraten, in denen er oder sie keine Abfahrt mehr meistern kann. Der SUVA-Fitnesstest (den Begriff einfach bei Google eingeben) liefert eine gute Übersicht über die eigene Fitness und zeigt mögliche Defizite auf. 

Körperliche Fitness ist aber nur eine Seite der Medaille – gutes fahrerisches Können die andere. Wer zum ersten Mal (oder zum ersten Mal seit Langem) wieder auf den Skiern steht, sollte einen Kurs in einer Ski- oder Snowboardschule besuchen. Denn eine gute Technik erhöht nicht nur die eigene Sicherheit sowie diejenige der anderen Fahrer, sondern auch den eigenen Fahrgenuss und die Entspannung. Ganz wichtig ist die Wahl der Piste: Diese sind je nach Schwierigkeitsgrad unterschiedlich gekennzeichnet. «Blaue» Pisten sind leicht zu meistern, «rote» mittelschwer und auf «schwarze» Pisten sollten sich nur erfahrene Schneesportler wagen.

Es kann sehr schwierig sein, das Gefahrenpotenzial der eigenen Geschwindigkeit einzuschätzen. Viele Pistenunfälle passieren, weil Schneesportlerinnen und -sportler ihr Tempo unter- und sich selber überschätzen. Wer anderen auf der Piste rechtzeitig ausweichen und Kollisionen vermeiden will, muss den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit sowie Reaktions- und Ausweichweg kennen. Die SUVA hat dafür eine Veranschaulichung parat: Bei 50 km/h beträgt der Reaktionsweg ca. zwölf Meter. Wenn es zu einer Kollision kommt, sind die Folgen potenziell fatal: Denn eine Kollision auf der Piste mit 50 km/h entspricht einem Aufprall nach einem Absturz aus ca. zehn Metern Höhe.

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