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Zürich
29 März 2020

Vom dichten Wohnraum der Zukunft.

Immer mehr Menschen wollen wieder in einer Grossstadt wie Zürich wohnen. Aber wie soll man darauf reagieren?

Die Architektin und Immobilienökonomin Sibylle Wälty provozierte kürzlich in einem Interview mit einer Aussage, wonach in Zürich theoretisch Wohnraum für rund 300 000 Einwohner fehle. So wollten immer mehr Menschen in einer Grossstadt wohnen. Der Grund: Die Arbeit, die Läden und die Gastronomie. Und weil sich mit dem Bevölkerungswachstum die Pendler stauten. In der gültigen Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich sind aber bereits heute theoretische Reserven für rund 260 000 zusätzliche Bewohnerinnen und Bewohner vorhanden.

Mit dem kommunalen Richtplan werden weitere Verdichtungspotenziale ermöglicht: «Zürich ist seit einigen Jahren als Arbeits- und Wohnort wieder sehr beliebt und unsere Szenarien gehen davon aus, dass wir bis 2040 um rund 90 000 Personen weiterwachsen werden», meint Katrin Gügler, Direktorin Amt für Städtebau. «Mit den vorhandenen Reserven in der Bau- und Zonenordnung kann dieses Wachstum auch stattfinden. Wichtig ist aber, dass Zürich nicht nur grösser, sondern in vielen Bereichen auch besser wird.» Die Bevölkerung soll von den Chancen und neuen Qualitäten profitieren, welche mit der Verdichtung entstehen. Der vor Kurzem an den Gemeinderat überwiesene kommunale Richtplan macht genau das, indem er Richtlinien für eine nachhaltige Entwicklung mit Weitsicht vorgibt.

Bessere Raumnutzung

Verdichtetes Bauen erfolgt bereits heute weitestgehend im Bestand. Die Stadtgrenzen sind gegeben und freie Landreserven – insbesondere auch in den ehemaligen Industriegebieten der Stadt – sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Es gilt also, die vorhandenen Flächen möglichst effizient, aber gleichzeitig auch quartierverträglich und umsichtig zu nutzen. Die Umsetzungsmöglichkeiten dieser Verdichtung sind so vielfältig wie die Quartiere der Stadt Zürich selbst. «Ein einheitliches Patentrezept gibt es nicht. Konkret verdichten kann man beispielsweise, indem man in die Höhe oder Breite baut, Räume mehrfach nutzt oder Nutzungen stapelt. Stapeln bedeutet, dass man mehrere Nutzungen im gleichen Gebäude und somit auf der gleichen Grundstücksfläche kombiniert», so Gügler. Beispiele hierfür sind etwa das Schulhaus Allmend in der Green City, bei welchem der Sportplatz auf dem Dach des Hauses zu stehen kommt. Oder die Siedlung Kalkbreite: Dort sind im gleichen Gebäude ein Tramdepot, das Kino Houdini, verschiedene Läden, ein Bistro, Wohnungen und Freiräume untergebracht.

Wundermittel verdichtetes Bauen?

«Das perfekte Wundermittel gibt es nicht, weder in Zürich noch in anderen Städten», sagt Katrin Gügler. «Aber wenn wir in Zürich den bestehenden Frei- und Grünraum nicht nur erhalten, sondern noch ausbauen möchten, ist eine Verdichtung im Bestand unumgänglich. Wichtig ist dabei, dass man – wie wir es im kommunalen Richtplan gemacht haben – genau hinschaut, welche Gebiete für eine zusätzliche Verdichtung auch wirklich geeignet sind, beispielsweise weil diese besonders gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen sind. Die Charakteristiken der verschiedenen Quartiere in Zürich sollen dabei auch in Zukunft erhalten werden.»

Veränderungen in Sicht

Auf kantonaler und kommunaler Ebenen gibt es eine Vielzahl von Gesetzen und Instrumenten, welche aktuell in der Erarbeitung oder Umsetzung sind. Beispielsweise ist der Kanton an der Umsetzung des Gesetzes für den Mehrwertausgleich. Damit wird es den Gemeinden möglich sein, bei Auf- und Umzonungen eine Mehrwertabgabe einzufordern, mit welcher ein öffentlicher Beitrag an die Verdichtung erfolgen kann – etwa in Form einer Velostation oder eines Beitrages an einen Park oder Schulraum. Das Amt für Städtebau aktualisiert momentan aber auch die Hochhausrichtlinien von 2001. Damit will es dem zunehmenden Wunsch von Bauherrschaften nach Hochhäusern besser und insbesondere auch abgestimmt auf die Verdichtungsanliegen begegnen können. Mit der Stadt erneuern sich so auch die Planungsinstrumente sukzessive.

Neues altes Zürich

Es bleibt die Gretchenfrage, wie man mit dem heutigen Wissen eine Stadt wie Zürich von Grund auf neu erbauen müsste, wenn man denn könnte. Katrin Gügler glaubt jedoch nicht, dass sich jemand ein neues Zürich vom Reissbrett wünscht: «Die Stadt ist gerade wegen ihrem Mix aus historisch gewachsener und moderner Bausubstanz so beliebt. Jedes Quartier in Zürich ist in einer anderen Zeit und einem anderen gesellschaftlichen Kontext entstanden. Unseren heutigen Fokus legen wir kleinräumlicher auf punktuelle Entwicklungen, beispielsweise bei der Planung von einzelnen Gebieten wie der Manegg oder spezifischen Themen wie der Zukunft der Gartenstadt. Das Sichern und Bereitstellen von genügend Flächen für Freiräume und Infrastrukturbauten wie etwa Volksschulen ist aber etwas, das man rückblickend wohl stärker hätte beachten können. Heute sind wir da viel weiter, dennoch ist dies eine der grossen Herausforderungen in der Planung.»

Text: Mohan Mani

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