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14 Juli 2020

Wie Frauen die optimale Work-Life-Balance finden.

In dieser vernetzten und allzeit erreichbaren Welt kann es schwierig sein, die Zeit zwischen der Arbeitswelt und dem Privatleben
gut auszubalancieren. Vor allem für Frauen wird dies zu einer komplizierten Aufgabe, denn meist geht die Arbeit im Haushalt übergangslos weiter. Familienberaterin Birgit Willi erklärt, wie sie diese Herausforderung meistern können.

In der Arbeitswelt kommt es zu einer stärkeren Förderung von Frauen in Schlüsselpositionen und die Geschlechter werden immer mehr gleichgestellt. Dennoch gibt es einige wichtige Aspekte, in denen es noch zusätzliche Anstrengungen braucht, damit Frauen auf der Karriereleiter weiter ohne Probleme hochsteigen können. Einer davon ist die Vereinbarkeit von Familie und Karriere, denn oft wird frau damit konfrontiert, dass beides nicht (einfach) möglich ist. Neben sozialpolitischen Einflüssen ist auch die Situation in der Partnerschaft und Familie ausschlaggebend, um als Karrierefrau und Mutter zu glänzen.

Furcht vor dem Karriere-Aus

Eine Studie des Bundesamt für Statistik zeigt, dass die Familienplanung im Hinblick auf die eigene Karriere vielen Schweizerinnen Angst macht. Rund drei Viertel der Frauen mit einem Universitäts- oder Fachhochschulabschluss fürchten sich davor, durch Kinder den Anschluss an die Arbeitswelt und die Chancen auf den Aufstieg auf der Karriereleiter zu verpassen. Diese Ängste sind nicht unbegründet, obwohl heutzutage die unterschiedlichsten Betreuungsangebote für Kinder zur Verfügung stehen. Die Auswirkungen: Dreissig Prozent der befragten Akademikerinnen blieben aufgrund dieser Befürchtungen kinderlos.

Wenn sich Frauen dafür entscheiden, ein Kind zu bekommen und eine Familie zu gründen, stehen sie vor der Herausforderung, ihre Work-Life-Balance optimal zu balancieren. Denn wenn sie nach einem langen Tag auf der Arbeit nach Hause kommen, steht auch im Haushalt noch viel an. Wieso das so ist? Die Studie zeigt nämlich auch auf, dass die Mutter noch heute rund zwei Drittel der Hausarbeit erledigt. Nur in rund fünf Prozent der befragten Haushalte kümmert sich der Vater als Hauptperson darum. 

Von der einen Arbeit zur nächsten

Die traditionelle Rollenverteilung ist in vielen Haushalten noch weit verbreitet. Obwohl die Männer heutzutage viele Tätigkeiten übernehmen, bleibt der Grossteil der Arbeit an der Frau hängen. Birgit Willi berät Einzelpersonen, Paare und Familien in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Sie erklärt, dass diese Rollenverteilung häufig mit der Prägung in der Herkunftsfamilie zusammenhängen. «Lernen Frauen zu Hause, dass die Mutter die Hausarbeit erledigt, allenfalls die Tochter mehr einspannt als den Sohn, ist das von Kindheit an erlernt. Es wird somit zu einem Muster», begründet die Familienberaterin.

Doch weshalb genau ist eine ausgewogene Work-Life-Balance so wichtig? «Die Ausgeglichenheit zwischen Arbeit und Freizeit ist essenziell. In der Freizeit gewinnt man Ressourcen, die einen stärken, um in der Arbeitswelt etwas leisten zu können», erklärt Birgit Willi. In der Psychologie gibt es den Begriff «Mental Load». Dies tritt vor allem bei Frauen auf und beschreibt die Last des Dran-Denkens, vor allem auch im Haushalt. Wenn die Frau nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, um im Haushalt weiterzuarbeiten, kann dies zu grossen Frustrationen und über einen längeren Zeitraum zu Überlastungserscheinungen und schlimmstenfalls zu einem Burnout führen.

Jede Frau hat individuelle Grenzen

Es gibt jedoch kein Rezept, das allen Frauen eine optimale Work-Life-Balance ermöglicht. Denn je nach Mensch und dessen Belastungsfähigkeit, ist die Grenze zur Überlastung breiter oder schmaler. Birgit Willi erläutert: Wer viel Stress im Job hat, sollte möglichst gute Kompensationsmechanismen aktivieren können, um in der Freizeit den Stress abzubauen und sich zu regenerieren.» Dabei gelte es die Grenzen zu erkennen sowie zu setzen. «Es gehört die Fähigkeit dazu, sich wahrzunehmen, zu erkennen wie es einem geht und was einem fehlt, um sich wohl zu fühlen», erklärt die Expertin.

Doch es gibt einige Schritte und wichtige Punkte, die man in einer Partnerschaft und in der Familie beachten kann, um die Arbeit besser aufzuteilen und somit eine bessere Balance zu erreichen. Kommunikation mit dem Partner ist dabei das A und O. Es sollte klar kommuniziert werden, was man sich wünscht und wer was tun sollte. Dabei können für die Vereinfachung der Organisation auch Arbeits- und Putzpläne helfen.

Sagen, was man sich wünscht

Wenn man sich als Frau in der momentanen Situation überfordert fühlt, dann ist es wichtig, sich offen mit dem Partner auszutauschen und die eigene emotionale Lage zu besprechen. Birgit Willi empfiehlt in einer Partnerschaft Folgendes:  «In Beziehungen ist es generell hilfreich, wenn man eine Bedürfnisabklärung macht. Das verlangt, dass man sich seine Bedürfnisse bewusst macht und diese dem Partner mitteilt – dasselbe gilt natürlich auch für den Partner. Somit schafft man viele Missverständnisse aus dem Weg.»

Weiterhin sollten auch Wünsche und Erwartungen bei der Aufgabenverteilung in der Partnerschaft geklärt werden. Wünscht sich die Mutter eine Auszeit oder die Übernahme von gewissen Tätigkeiten durch den Partner, dann sollte dies sachlich und offen geklärt werden. Um die Zeit zwischen Arbeit und Familie weiterhin organisieren zu können, empfiehlt es sich, explizit Familienzeit einzuplanen. Darin sollten sich Eltern ohne andere Einflüsse und Gedanken an die Arbeitswelt nur auf sich selbst und ihre Kinder konzentrieren. Und schlussendlich ist es auch wichtig, Unterstützung zu suchen und zu fordern, wenn man als Frau und Mutter merkt, dass man sie braucht. 

Warum ist eine ausgewogene Work-Life-Balance so wichtig? Die Antwort gibt es hier.

Text Flavia Ulrich

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