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Zürich
21 Oktober 2020

Die Attraktivität der Bauberufe leidet.

Die Entwicklung der Anzahl Lernenden in der Baubranche der vergangenen Jahre macht Sorgen. Auf der Suche nach den Gründen dafür, sind viele Spekulationen und Vermutungen möglich. Strengen sich junge Menschen körperlich nicht mehr gleich gerne an wie früher? Stören sie sich am Schmutz auf der Baustelle? Ist das Ansehen unter Gleichaltrigen negativ? 

Woran es sicherlich nicht liegt, ist am Lernendenlohn. Doch dies allein scheint nicht mehr zu reichen, um einen Ausbildungsberuf attraktiv zu halten. 

Attraktiv sind Bauberufe aber auch in anderen Hinsichten: Man ist den ganzen Tag in Bewegung und hat nach der Lehre gute und vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen, man hat einen direkten Bezug zur Arbeit, weil man abends sein Tageswerk sichtlich erkennt. Zudem kommen auch immer mehr digitale Hilfsmittel zum Einsatz – auch das gehört zur Weiterentwicklung der Branche. Die Unternehmungen und der dafür bestehende Ausbildungsfonds finanzieren sehr häufig die Weiterbildungen. Die Entlohnung für gute Fachkräfte ist sehr ansprechend.

Attraktiv sind Bauberufe aber auch in anderen Hinsichten.

Das Baugewerbe ist gefordert und unternimmt allerhand, um das Image der Bauberufe zu verbessern. Auf nationaler Ebene laufen Kampagnen mit bekannten persönlichen Aushängeschildern wie Beat Feuz. Man zielt darauf ab, über die sozialen Medien die Jugendlichen direkt erreichen zu können. Zahlreiche Videobeiträge von Lernenden bringen die Alltagstätigkeit näher, sei dies auf Instagram oder Facebook. Mit der Präsenz an der Berufsmesse und Aktionen im Zusammenhang mit dem Tour d’Horizon des SBV ist erhöhte persönliche Anwesenheit von Lernenden und ausgebildeten Branchenvertretern sichergestellt. 

Fachkräfte von morgen

Die Herausforderung besteht für die Baubranche darin, heute möglichst viele Personen auszubilden, damit auch morgen und übermorgen der Nachwuchs in Führungspositionen vom Vorarbeiter über den Polier bis zum Bauleiter und Baumeister ein gutes Funktionieren und Florieren der Bauwirtschaft garantieren können. Um dies zu meistern, müssen die künftigen Massnahmen möglichst viele Anspruchsgruppen erreichen: die Jungen selber, aber auch deren Eltern, Lehrpersonen, Schulleitungen und Berufsberatungen.

Was macht der BZS um dem entgegenzuwirken?

Regional sind grosse Bemühungen im Gange, direkten Zugang zu künftigen Schulabgängern zu pflegen. Dabei sollen nebst Ausbildungs- ebenfalls Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten aufgezeigt werden. Im Herbst 2020 wird zum Beispiel nebst den traditionellen Ständen an der Berufsmesse Zürich der vom Schweizerischen Baumeisterverband betriebene Tour d’horizon (ein 15m hoher Turm) am Eingang der Messehalle stehen. Darin wird man fundierte Informationen zum Bauhauptgewerbe finden und auch die Möglichkeiten der beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten werden im Detail visualisiert. 

Des Weiteren soll das Projekt Rent-a-stift dazu beitragen, dass Lernende durch Schul- und Klassenbesuche Begeisterung für die Berufe der Baubranche vermitteln. Die Zusammenarbeit mit Schulen und Berufsinformationszentren fördert man bewusst. Es gilt dort an Einfluss zu gewinnen, wo die Entscheidungen gefällt werden.

Auf nationaler Ebene ist der Masterplan 2030 Berufsbildung in Ausarbeitung. Darin enthalten ist auch die Idee, Quereinsteigern den Übertritt in Bauberufe zu ermöglichen, um dem Fachkräftemangel auf diversen Stufen zu begegnen. Denn: Fehlen Lernende, ist es auch um den Nachwuchs auf weiteren Führungsstufen nicht gut bestellt. In einem letzthin veröffentlichten TV-Beitrag stellt Tele Z berechtigterweise zum Schluss die Frage, wer denn unsere Strassen und Gebäude bauen soll, wenn der Nachwuchs Jahr für Jahr dezimiert wird. Dieses Anliegen ist ernst zu nehmen, da gerade wir Schweizer einen sehr hohen Anspruch stellen an die Qualität von handwerklicher Arbeit.

Sicher durch die Krise

In der Zeit der Coronakrise konnte das Baugewerbe Stärke beweisen. So konnte unter Berücksichtigung der Vorgaben des BAG in den Deutschschweizer Kantonen weitgehend störungsfrei weitergearbeitet werden. Die Bauwirtschaft zeigte damit auch gegen aussen Krisenresistenz. Dadurch, dass der Nachwuchs in ihrem schulischen Umfeld ebenfalls von der Krise betroffen war, besteht die Hoffnung, dass sie sich die Zusammenhänge zwischen Krisen und Arbeitswelt besser vorstellen können. Erste Anzeichen sind gemäss Presse erkennbar. 

Regional liegt es nun also an den Sektionen und ihren Mitgliedern Begeisterung und Vorzüge einer Ausbildung im Bauhauptgewerbe aufzuzeigen. Vielen Unternehmsleiter sind nach wie vor begeisterte Baufachleute. Diese Begeisterung auf den jungen potenziellen Nachwuchs  zu übertragen, geschieht nur im direkten Kontakt. So strebt man an, dass regional Baufirmen sich bereit erklären, ihre Türen für Berufserkundigungen und Schnupperlehren zu öffnen. Die Ausbildungsverantwortlichen sollen fachlich und didaktisch gut ausgebildet sein. Der Baumeisterverband Zürich/Schaffhausen hat kürzlich all seine Mitglieder mit einer Broschüre zur Lernendensuche beliefert. Im Zentrum dieser Broschüre steht das Verständnis dafür, wie die heutige Jugend tickt, welche Werte ihr wichtig sind und wie ihr Verhalten zu deuten und verstehen ist. Auf dieser Basis braucht es ein Verständnis für die neue Generation. Auch dies ist ein Teil des neuen Marketings bei der Suche nach neuen Lernenden. 

Kurz: Es geht darum, das Image der Bauberufe durch gute und wirkungsvolle Aktionen aufzubessern, an der Attraktivität der Ausbildung durch zeitgemässe Modernisierungen  zu wirken und die Aufstiegs- und Erfolgsmöglichkeiten durch -meistens vom Arbeitgeber finanzierte-Weiterbildungen, aufzuzeigen und Begeisterung zu vermitteln. Begrüssenswert wären gemeinsame Aktionen verschiedener handwerklicher Berufe, um auf die problematische Situation einer guten und nachhaltigen Lehrstellenvergabe reagieren zu können.

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