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25 Februar 2021

Selbstbestimmung ist den Schweizerinnen und Schweizern wichtig.

Gerade im Rahmen der Covid-19-Pandemie diskutiert man das Recht auf Selbstbestimmung heftig. Was heisst Selbstbestimmung und wie weit kann sie gegenüber der Gesellschaft ausgelebt werden?

Das Ringen um Selbstbestimmung fängt bereits in der frühsten Kindheit an, vielleicht sogar bereits im Babyalter. Dazu gehört das Recht des Kindes, nach eigenen Bedürfnissen zu leben. Also wach zu bleiben, wenn es nicht müde ist, nur zu essen, wenn es hungrig ist und natürlich nur das, was es gerne hat. Und am Tisch möchte es dazu eigentlich auch nicht sitzen und darf sich deshalb frei bewegen. Das ist Selbstbestimmung aus Sicht des Kindes, die es ab und zu mit Geschrei durchzusetzen versucht.

Konträr dagegen stehen die redlichen Absichten der Eltern, das Kind «gut zu erziehen», ihm Anstandsregeln beizubringen, damit es sich möglichst reibungslos in die Gesellschaft und den Schulbetrieb eingliedern kann. Je mehr Selbstbestimmung ein Kind bekommt, desto besser kann es später das Leben bewältigen. Sie mache Kinder gesund, glücklich und stark, ist die These der Pädagogin und Philosophin Maria Montessori. Eltern sehen sich jeden Tag mit der heiklen Entscheidung konfrontiert, nicht jeden Wunsch zu erfüllen und dem Kind trotzdem ein wenig Selbstbestimmung zuzugestehen.

Selbstbestimmung ist ein Grundrecht

Selbstbestimmung sollte in einem freiheitlichen Staat jedem Menschen ermöglicht werden. Sozusagen als Grundrecht. So können Bewohnerinnen und Bewohner ein Leben nach eigenen Vorstellungen, Möglichkeiten und Zielen gestalten. Diese Selbstbestimmung ist letztlich auch ein wichtiger Aspekt für eine funktionierende Gesellschaft, damit sie eine gewisse Dynamik entwickeln, kreativ sein und sich auch den Herausforderungen stellen kann. Sie ist vom Staat und den Gesetzgebern nicht einfach zu führen, weil die Menschen frei ihre Meinung äussern können. Die Grenzen werden bei jeder Gelegenheit ausgelotet und neu justiert. Das Gegenteil ist die Diktatur, die Planwirtschaft, in der vorgegeben wird, was das Individuum tun und lassen soll. Davon gibt es weltweit viele schlechte Beispiele. In diesen Staaten können beispielsweise die Massnahem des Staates gegen die Pandemie nicht diskutiert oder gar verweigert werden.

Wenn selbstbestimmtes Handeln bedeutet, dass frei und ohne Beeinflussung und Einschränkungen das eigene Leben gestaltet werden kann, stellt sich die Frage nach den Grenzen. Selbstbestimmte Menschen können nur dann ein freiheitliches Leben leben, wenn sie gegenüber der Gesellschaft ihre Verantwortung und ihre Pflichten wahrnehmen. Eigenverantwortung ist das Stichwort dafür. Das tönt zwar auf den ersten Blick widersprüchlich, weil dadurch ja gewisse Einschränkungen nötig sind – ist aber eine wichtige Grundvoraussetzung. Der Staat sorgt beispielsweise mit Gesetzen für Recht und Ordnung. Diese Rahmenbedingungen sichern auf der einen Seite den Schutz der Bevölkerung, lassen die Selbstbestimmung einzelner aber nur bis zu einem gewissen Punkt zu.

Einfluss der Medien und Konsumgesellschaft

Kritische Geister behaupten zwar, dass der Normalbürger, die Normalbürgerin gar nicht mehr in der Lage sei, selbstbestimmt zu entscheiden. Der Beeinflussung der Medien, der Werbung und dem Sog Konsumgesellschaft habe der Einzelne nicht genug entgegenzusetzen, um unabhängig und unbeeinflusst handeln zu können. Und schliesslich seien Präfenzen, Überzeugungen und Wünsche nicht einfach aus freien Stücken erworben worden. Sie seien immer auch das Ergebnis der genetischen Veranlagung und dem sozialen und familiären Umfeld.

Dem wird entgegengesetzt, dass bereits selbstbestimmt handle, wer sich für oder gegen etwas entscheide – auch wenn er sich diese Präferenzen nicht frei angeeignet habe. Philosophisch betrachtet heisst das, dass der Mensch selbstbestimmt handeln kann, auch wenn er nicht Herr über alle Einflüsse ist, die auf ihn einwirken – denn er handelt trotzdem in der Übereinstimmung mit sich selbst. Dadurch ist er für sein Handeln auch verantwortlich. Ein Punkt übrigens, mit dem sich auch die Gerichte regelmässig beschäftigen müssen.

Auch der Staat ist nicht frei

Aber auch die Schweiz als Staat kann nicht nur selbstbestimmt agieren. Gewisse Entscheide haben grenzüberschreitende Konsequenzen, die nicht beeinflusst werden können. Ein Grund dafür ist die internationale Vernetzung, die immer mehr zunimmt, für die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern sogar überdurchschnittlich. Damit sind auch ausländische Einflüsse auf die nationale Gesetzgebung markant gewachsen und nationale Alleingänge fast nicht mehr möglich. Nur schon die bilateralen Verträge mit der Europäischen Union zwingen die Schweiz, deren Gesetze zu befolgen, weil sie Teil des Abkommens sind. Experten schätzen, dass mehr als die Hälfte der helvetischen Gesetze heute durch das Ausland beeinflusst sein dürften.

Trotz Pandemie selbstbestimmt

Gemäss einer repräsentativen Umfrage von Swiss Life sehen 83 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit als fundamentales Bedürfnis, das zu Zufriedenheit, Optimismus und weniger Stress führe. Allerdings scheint es nicht allen möglich zu sein, dieses selbstbestimmte Leben im Alltag umzusetzen: Nur sechs von zehn der volljährigen Umfrageteilnehmenden, also 61 Prozent, fühlen sich im Leben insgesamt selbstbestimmt. Ein überraschendes Ergebnis ist, dass die Pandemie die Wahrnehmung der Selbstbestimmung sogar verstärkt haben soll.

Trotz Lockdown, Homeoffice und den sehr schlechten Wirtschaftsaussichten werden die Einschränkungen scheinbar von der Mehrheit nicht als eine massive Störung der Selbstbestimmung wahrgenommen. Gegenüber einer Swiss Life-Umfrage vom Herbst 2019 fühlten sich während der Krise im April 2020 mit 61 Prozent sogar 5 Prozent mehr Schweizerinnen und Schweizer selbstbestimmt.

Mehr über Selbstbestimmung im Kontext der Gesundheit gibt es hier.

Text SMA

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