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Finanzen

Alles Krypto oder was?

11.06.2021
von Mohan Mani

Kryptowährungen wie Bitcoin revolutionieren die globalen Geldsysteme. Und immer häufiger denken auch Banken und Staaten über eigenes Krypto-Geld nach.

Beim Begriff Kryptowährungen denken die allermeisten User an Bitcoin – die allererste digitale Währung überhaupt. Sie wurde im Jahr 2009, einen Monat nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, von einer japanischen Gruppe namens Satoshi Nakamoto entworfen und trägt in der Finanzwelt zwei Symbole: XBT und BTC. Das Ziel bestand in erster Linie darin, ein anonymes, transparentes, dezentralisiertes und leicht einzurichtendes elektronisches Zahlungssystem aufzubauen. Gab es im Jahre 2013 bloss 66 Kryptowährungen, so ist diese Zahl in diesem Jahr auf über 4500 gestiegen. Bis heute konnte Bitcoin jedoch den ersten Rang aller Kryptowährungen behalten. Bekämpften früher viele Banken und Notenbanken den ganzen Krypto-Boom nach dem Motto «zu langsam, zu teuer, und vor allem zu intransparent und zu gefährlich», so entwickeln sie mittlerweile selbst Kryptowährungen, um am schnellen Marktwachstum zu partizipieren. Jüngstes Beispiel ist Schwedens Zentralbank, die mit dem kommerziellen Kreditgeber Handelsbanken zusammenarbeitet. Man wolle gemeinsam herausfinden, wie die digitale Landeswährung, die e-krona, Zahlungen in der realen Welt abwickeln könnte. In einem ersten Pilotprojekt gehe die E-Krone daher «von nur simulierten Teilnehmern zu einer Zusammenarbeit mit externen Teilnehmern in der Testumgebung über», sagte ein Vertreter der schwedischen Nationalbank zur Nachrichtenagentur Reuters.

«Sand Dollars» auf den Bahamas

In der Zwischenzeit haben zwar die meisten grossen Zentralbanken mit einer Proof-Of-Concept-Studie zur Einführung eines digitalen Zentralbankgeldes (Central Bank Digital Currency; CBDC) begonnen, wie Computerbase.de schreibt. Aber wirklich eingeführt hat es bislang nur der Inselstaat Bahamas, welcher mit dem Digital Bahamian Dollar (Übername: «Sand Dollar») als weltweit erstes Land überhaupt eine digitale Version seiner staatlichen Währung inklusive entsprechender Infrastruktur eingeführt hat. Schweden und China sind aktuell die beiden einzigen anderen Nationen, die bereits mit echten Praxistests von digitalem Zentralbankgeld begonnen haben. Zudem denkt auch Apple darüber nach, Kryptowährungen als Zahlungsmittel zu erlauben. Auch Brasiliens Zentralbank steckt den Rahmen für die Einführung einer digitalen Version der Landeswährung Real (BRL). Das technische Design des digitalen Reals soll die vollständige Einhaltung internationaler Empfehlungen und Rechtsnormen zur Verhinderung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Finanzierung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie die Einhaltung von Gerichtsbeschlüssen zur Verfolgung illegaler Transaktionen gewähren.

Kein digitales CH-Zentralbankgeld

«Keine grosse Zentralbank hat bisher flächendeckend digitales Zentralbankgeld umgesetzt», sagt Fabio Sonderer, Mediensprecher bei der Schweizerischen Nationalbank, zu «Fokus». Auch die SNB steht dem Zugang zu digitalem Zentralbankgeld für alle Haushalte und Unternehmen kritisch gegenüber: «Die SNB sieht zurzeit im Vergleich zum aktuellen System keine Vorteile einer CBDC für die breite Bevölkerung. Ein breiter Zugang zu digitalem Zentralbankgeld könnte das heutige zweistufige Bankensystem in Frage stellen. Statt wie heute als Bank der Banken zu operieren, träte die SNB als eigentliche Geschäftsbank auf und übernähme eine Rolle, die heute dem Privatsektor zukommt. Zudem könnte ein breiter Zugang zu digitalem Zentralbankgeld auch Gefahren für die Finanzstabilität mit sich bringen. Eine Umschichtung von Bankeinlagen in digitales Zentralbankgeld ist einfacher als in physische Banknoten. Dies könnte im Krisenfall das Risiko eines Bankensturms erhöhen.» Die SNB hat zusammen mit der BIZ ein BIZ-Innovationszentrum in der Schweiz gegründet. Dieses hat zum Ziel, technologische Entwicklungen zu untersuchen, die das Funktionieren von Finanzmärkten verbessern und Zentralbanken bei der Erfüllung ihres Mandats unterstützen könnten. Die SNB experimentiert im Rahmen einer Machbarkeitsstudie im Bereich einer CBDC für Finanzinstitute («wholesale CBDC»). Eine Einführung einer CBDC ist gemäss Sonderer nicht geplant. Der bargeldlose Zahlungsverkehr in der Schweiz sei zuverlässig, sicher, effizient und werde ständig weiterentwickelt.

Text Mohan Mani

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