elektromobilität illustration eines ki-autos
Digitalisierung Mobilität

Autofahren soll dank moderner Technologie sicherer und nachhaltiger werden

16.06.2022
von SMA

Fossile Brennstoffe geraten als Automobiltreibstoff immer mehr in den Hintergrund – die Zukunft der individuellen Mobilität ist elektrisch. Doch der E-Antrieb ist nicht der einzige Paradigmenwechsel: Smarte, selbstfahrende Wagen werden ebenfalls das Strassenbild der Zukunft mitbestimmen. Ob diese technischen Errungenschaften aber tatsächlich ihre Wirkung entfalten können, hängt letztlich von den Automobilist:innen ab. 

Das Auto steht seit jeher symbolisch für Unabhängigkeit, Freiheit und Status. Wer allerdings heute auf Schweizer Strassen unterwegs ist, wird weniger vom Freiheitsrausch gepackt als vielmehr vom Frust über ständigen Stop-and-Go-Verkehr sowie fehlende Parkplätze.

Das ist kein Wunder, schliesslich waren vergangenes Jahr gemäss Bundesamt für Statistik hierzulande 6,3 Millionen motorisierte Strassenfahrzeuge immatrikuliert (ohne Motorfahrräder). Verglichen mit dem Jahr 2000 entspricht dies einer Zunahme von satten 38 Prozent. 

Doch die schiere Menge an Fahrzeugen ist gemäss Bundesamt für Strassen (ASTRA) nicht der einzige Grund dafür, dass das Schweizer Verkehrsnetz immer häufiger an der Belastungsgrenze schrammt: Hinzu kommt die Tatsache, dass der Besetzungsgrad der Personenwagen hierzulande gering ist.

Der Anteil an E-Fahrzeugen, entweder in Form vollelektrischer Wagen oder Hybrid-Lösungen, steigt.

Gesicherte Zahlen dazu gibt es zwar nur für das Jahr 2015, aber an diesen dürfte sich nicht viel Grundlegendes geändert haben: Die Statistik legte damals offen, dass in mehr als 90 Prozent der Wagen, die für die Fahrt zur Arbeit genutzt wurden, nur eine Person drin sass.

Auch Dienstfahrten (84 Prozent) wurden mehrheitlich alleine unternommen. Immerhin: Auf Freizeit-Fahrten befand sich in der Hälfte der Fälle mindestens noch eine weitere Person an Bord. 

Der Mobilitätswandel ist angebrochen

Die wachsende Anzahl von Fahrzeugen sowie deren geringe Auslastung sorgen für ein gravierendes Problem: 2020 ging laut Bundesamt für Umwelt rund ein Drittel der in der Schweiz verbrauchten Endenergie auf das Konto des Verkehrs.

Dieser stellte somit die grösste Energie-Verbrauchergruppe dar, noch vor den Haushalten und der Industrie. Zudem beliefen sich die CO₂-Emissionen des Verkehrs 2019 auf insgesamt 14,7 Millionen Tonnen (ohne den internationalen Flugverkehr), was damals 40 Prozent der CO₂-Emissionen der Schweiz entsprach. 

Lösungsansätze für die bestehenden Probleme des Automobilverkehrs gibt es viele. Zur Verringerung der CO₂-Emissionen trägt vor allem der Wechsel der Antriebe bei: Der Anteil an E-Fahrzeugen, entweder in Form vollelektrischer Wagen oder Hybrid-Lösungen, steigt.

Die meisten Hersteller haben einen entsprechenden Kurswechsel eingeleitet und führen heute verschiedene Plug-in-Hybride und E-Fahrzeuge in diversen Ausführungen. Technologien wie Gasantriebe sowie die Brennstoffzelle haben zwar Potenzial, doch die «Stecker-Lösung» scheint die von der Automobilindustrie präferierte Stossrichtung darzustellen.

Wenn künftig auch das Netz an Ladestationen engmaschiger ausfällt, dürfte die E-Mobilität gemäss Fachleuten an zusätzlicher Akzeptanz gewinnen. Um den Wandel hin zu einer nachhaltigeren E-Mobilität zu schaffen, sind Industrie und Politik ebenso gefordert wie die Verbraucherinnen und Verbraucher. 

Ist die KI der beste Chauffeur?

Nebst nachhaltigeren Antrieben stellt eine effizientere Nutzung der Verkehrsinfrastrukturen eine weitere Chance dar, um die individuelle Mobilität zu optimieren. Hier kommt unter anderem die Digitalisierung ins Spiel.

Diese wird den Alltag der Menschen auch im Strassenverkehr massiv verändern. Vor allem selbstfahrende Autos dürften enorme Auswirkungen haben. So stellen gemäss ASTRA Autoreisen dank autonomer Fahrzeuge keine «verlorene» Zeit mehr dar, sondern können für andere Tätigkeiten genutzt werden. Gleichzeitig werden die Nutzerinnen und Nutzer von unliebsamen Tätigkeiten wie dem Parkieren entlastet.

Zudem könnten auch Betagte sowie Menschen mit Behinderungen oder Kinder einen ganz neuen Zugang zur Automobilität erfahren und dadurch mehr Autonomie erlangen. 

Das lernende Verkehrssystem

Weiteres Potenzial entstehe dann, wenn die Daten, welche ein Fahrzeug produziert, nicht nur in diesem Fahrzeug verwendet, sondern ausgetauscht werden. Die umfassende Vernetzung selbstfahrender Autos untereinander sowie der Austausch von Daten zwischen den Autos und der Infrastruktur berge ein enormes Potenzial für eine deutlich effizientere Nutzung der vorhandenen Kapazitäten sowie die Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Die dritte Ebene möglicher Chancen eröffnet sich, wenn die hoch entwickelten Fahrzeugtechnologien mit den weiteren Möglichkeiten der Digitalisierung, der Telekommunikations- sowie der Internetdienste kombiniert werden.

Auf diese Weise könnten bestehende Verkehrsangebote markant verbessert werden, wodurch völlig neue Angebote entstehen: zum Beispiel fahrerlose Busse, die sich ohne festen Fahrplan oder Liniennetz nur an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden orientieren. Oder Car-Sharing-Angebote, die mit fahrerlosen Fahrzeugen die Mobilitätsbedürfnisse bündeln und ohne festen Standplatz via App gebucht werden können.

Allerdings birgt die Digitalisierung im Bereich der Mobilität für das ASTRA auch Risiken: Ein unkoordinierter Einsatz der digitalen Möglichkeiten könne zu Mehrverkehr und Leerfahrten führen, wenn die neuen Möglichkeiten hauptsächlich für den Komfortgewinn und zusätzliche Angebote im Individualverkehr genutzt werden.

Dies hätte sinkende Energieeffizienz, zusätzlichen Energieverbrauch und eine stärkere Luftbelastung zur Folge – und würde damit genau das Gegenteil der eigentlichen Zielsetzung bewirken.  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Vorheriger Artikel Die Fussgängerfreundlichkeit muss steigen
Nächster Artikel Wie Mikromobilität und die menschliche Evolution zusammenhängen