IT Business Innovation

Risiken und Vorteile der Cloud-Migration

18.06.2021
von Vanessa Bulliard

Die Cloud ist die Zukunft der IT. Worauf zu achten ist und wie eine Cloud-Migration möglichst sauber durchgeführt werden kann, erklären die Cloud-Experten Thiago Pfiffner und Fabian Dibsdale.

Wie schafft man für eine Cloud-Migration die bestmögliche Ausgangslage?

Thiago Pfiffner: Ein Ziel ohne Plan ist erstmals nur ein Wunsch. Und diese erfüllen sich meistens nicht von selbst. Deshalb ist es ausserordentlich wichtig, dass vor einem grösseren Schritt wie der Migration in die Cloud, die Motivation sowie die strategischen Ziele der Firma geklärt sind. Was will man mit der Migration in eine Cloud erreichen? Welche Geschäftseinheiten sollen in welcher Form davon profitieren? Welche aktuellen Probleme könnten damit ausgemerzt werden? Welche Risiken müssen durch die Migration wie behandelt beziehungsweise abgefedert werden? Wie soll sich die IT-Organisation in Zukunft aufstellen, um mit den neuen Möglichkeiten, welche Clouds bieten, die Geschäftseinheiten optimal zu unterstützen?

Dies sind erstmals einige Fragen. Deren Beantwortung ist aber nach unseren Erfahrungen der letzten Jahre absolut essenziell für eine erfolgreiche Cloud- Migration. Haben sich das IT-Management und die Geschäftsleitung diese Fragen gestellt und beantwortet, haben sie damit die bestmögliche Ausgangslage für eine korrekte Migration geschaffen.

Alles ist Software!

Welche Vorteile ergeben sich durch eine Cloud-Migration?

Fabian Dibsdale: Viele Firmen verschieben seit den letzten Jahren ihre lokalen Rechenzentren in die Cloud. IT-Services, die aus der Cloud betrieben werden, können gegenüber dem Betrieb eigener Rechenzentren grosse Vorteile bieten. Einige davon sind optimierte Betriebskosten, allzeit sofortige Verfügbarkeit von zusätzlicher Rechenkapazität und damit einhergehend eine verkürzte Zeit für die Integration neuer Lösungen.

Alles ist Software! Und wenn alles zu Software wird, muss man sich, ausser mit den Leitungen zur Cloud, nicht mehr mit den physischen Problemen auseinandersetzen. Das überlässt man den Cloud-Providern, welche darin hoch spezialisiert sind. Da nun alles Software ist, erschliesst sich wiederum ein maximales Automatisierungspotenzial. Speziell die Schweiz mit den höchsten Löhnen der Welt ist auch wirtschaftlich eines der erfolgreichsten Länder. Dies lässt sich klar durch den immensen Grad an automatisierten Verfahren erkennen. Durch diese erreicht man mit der Migration in die Cloud auch das höchste Einsparpotenzial, verglichen mit selbst betriebenen Rechenzentren. Des Weiteren erhöht man die «Time to Market» um ein Vielfaches. Früher musste man für neue Projekte oft erstmals Hardware anschaffen, bis man mit der Entwicklung starten konnte. Das Testen war mühsam und schwerfällig. In der Cloud ist es möglich, ein Testsystem mit sehr wenig Aufwand mehrmals am Tag zurückzusetzen, um bei jedem Testdurchlauf die Qualität der Integration zu erhöhen. Die x-fach schnelleren Durchlaufzeiten ermöglichen eine rasche und qualitativ hochwertige Integration von neuen Lösungen in einem Bruchteil der Zeit, welche man früher aufwenden musste.

Welche Risiken können bei einer Cloud-Migration auftreten und wie lassen sich diese bestmöglich abfedern?

Thiago Pfiffner: Risiko Nummer eins – Fähigkeiten nicht vorhanden: Hat man die notwendigen Fähigkeiten für eine Cloud-Migration mit im Boot? Man sollte sich einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten des eigenen IT-Teams verschaffen und einen Plan erstellen, welche Ausbildungsschritte nötig sind, damit die notwendigen Kenntnisse erlangt werden können, welche für das Betreiben einer Cloud essenziell sind. Zudem sollte man überprüfen, ob die aktuellen Partner die nötigen Fähigkeiten besitzen und ob einige davon eventuell durch neue ausgetauscht werden müssen.

Thiago Pfiffner: Risiko Nummer zwei – unklare Ziele: Hat man die Ziele klar formuliert? Kommunikation ist das A und O bei jeder Veränderung. Sind die Mitarbeitenden sich darüber im Klaren, wohin die Reise gehen soll und was von ihnen erwartet wird? Es hilft immens, die Ziele laufend zu wiederholen und sicherzustellen, dass diese verstanden wurden. Und vor allem, was dazu nötig ist, um die Akzeptanz der IT-Mitarbeitenden für die neuen Ziele zu erhöhen. So muss man sich fragen, welche Motivation das eigene Team haben könnte, die notwendigen neuen Fähigkeiten zu erlernen und sollte diese so aktiv wie möglich fördern. Das höchste Gut jeder Firma sind ihre Mitarbeitenden! Unterstützen diese die neuen Ziele, hat man schon mehr als die halbe Miete bezahlt.

Sind die Mitarbeitenden sich darüber im Klaren, wohin die Reise gehen soll und was von ihnen erwartet wird?

Fabian Dibsdale: Risiko Nummer drei – Kostenexplosion: Früher war die Anzahl der Ausgaben schon rein durch die teilweise physischen Limitierungen überschaubar, da im eigenen Rechenzentrum sowohl die Hardware wie auch die Software jeweils vorher bestellt werden mussten. In der Cloud kann man jeglichen Service jederzeit nutzen. Ohne Einschränkungen können die Kosten schnell aus dem Ruder laufen. Die gute Nachricht ist, dass man die Kostenfalle relativ leicht durch ein wenig Automatisierung im Griff behalten kann. So funktioniert dies beispielsweise, indem man die Bereitstellungsprozesse automatisiert und durch Zugriffsberechtigungen sichert, welche Personen welche Services in welchem Format bereitstellen dürfen. Diese Bereitstellungen können auch so eingerichtet werden, dass die Vorgesetzten diese kurz durch einen einfachen Klick vorgängig genehmigen müssen.

Thiago Pfiffner: Natürlich können noch viele weitere Risiken auftreten, aber deren Auflistung würde den Rahmen dieses Interviews wohl sprengen. Man sollte sich ebenso fragen, ob es notwendig ist, dass die eigene Mannschaft alle Fähigkeiten selbst erlangen muss, welche zum Betrieb einer Cloud-Lösung nötig sind. Es kann zum Beispiel sinnvoll sein, die Migration mit einem Partner durchzuführen. So lernen die eigenen Mitarbeitenden in der Zusammenarbeit die notwendigen Fähigkeiten, um die Services in der Cloud später zu betreiben. Meist lernt man «on the job» jeweils viel mehr als in «Klassenräumen». Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Interview Vanessa Bulliard

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