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Sicherheit

Einbruchsicherheit für Unternehmen: praktische Tipps

16.05.2024
von Linda Carstensen

Im Durchschnitt wird in der gesamten Schweiz fast 100 Mal täglich eingebrochen. Betroffen sind nicht nur Privathaushalte, sondern auch Unternehmen. Doch es gibt wirksame Massnahmen, die Einbruchsicherheit zu erhöhen.

Aufgebrochene Fenster, beschädigte Türen, gestohlene Dokumente. Im Jahr 2023 wurden in der Schweiz über 28 000 Einbruchdiebstähle gemeldet. Das Bundesamt für Statistik publiziert jährlich eine Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), in der auch die Einbruchsraten aufgelistet werden. Diese Zahlen sind wichtige Indikatoren für die Entwicklung der nationalen Kriminalität. Und die Polizei rechnet laut Securitas Direct mit einer Zunahme der Einbruchsdelikte.

Fast die Hälfte der Einbruchdiebstähle geschieht nicht in einer Wohngegend, sondern betrifft den öffentlichen Raum. Ein Raum gilt als öffentlich, wenn er für verschiedene Personen zugänglich ist wie Verkaufsräume, Geschäftsräume und Baugewerbe. Einbrüche und Diebstähle können für Unternehmen hohe und kostspielige Schäden verursachen. Folgende Sicherheitstechniken und -massnahmen gewährleisten die allgemeine Sicherheit und unterstützen die betrieblichen Abläufe.

Sicherheitskonzept erstellen

Nur schon aus versicherungstechnischen Gründen sollten Unternehmen zwingend ein Sicherheitskonzept ausarbeiten. Denn viele Versicherungen setzen Schutzmassnahmen gegen Einbruch und Diebstahl voraus. Wenn ein Unternehmen also über kein Sicherheitskonzept verfügt, kann es sein, dass die Versicherung im Schadensfall keine oder nur geringe Kosten übernimmt.

Mitarbeiter:innen schulen

Die Wirksamkeit der modernsten Techniken verpufft allerdings, wenn die Angestellten nicht wissen, wie sie damit umgehen müssen. Deshalb müssen Unternehmen Schulungen für Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz durchführen. Die Verhaltensregeln müssen schriftlich festgehalten werden. Wer ist für welche Massnahmen verantwortlich? Wie sieht die Alarmierungskette aus? Und wer schliesst bei Feierabend alle Räume ab? Solche und weitere Fragen müssen im Sicherheitskonzept geklärt werden.

Elektronische Zutrittslösungen

Im Idealfall stoppt man Einbrecherinnen und Einbrecher bereits ausserhalb des Firmengeländes. Hierfür spielen Zutrittssysteme eine Schlüsselrolle, denn sie regeln, wer wann und wo Zutritt erhält. Unbefugten soll dadurch der Zutritt verwehrt werden. Besucher:innen sollten im Idealfall angemeldet, an der Haupttüre in Empfang genommen, zum Gesprächspartner oder zur Gesprächspartnerin geführt und dann wieder aus dem Gebäude gebracht werden. So bleiben Fremde nicht unbeobachtet.

Das Ziel aller Sicherheitsmassnahmen besteht darin, die Mitarbeitenden, aber auch das Firmeneigentum und das interne Know-how zu schützen. Dank der Zutrittssysteme kann bei einem Vorfall nachvollzogen werden, wer sich wann wo aufgehalten hat. Tipp: Es lohnt sich, gute Beziehungen zu benachbarten Unternehmen aufzubauen. Wenn sie etwas Verdächtiges bemerken, schlagen sie eher Alarm.

Wertgegenstände im Safe sichern

Bargeld, wichtige Dokumente und Daten müssen vor Diebstahl geschützt werden. Dazu braucht es einen funktionstüchtigen Safe. Ein weiterer Vorteil eines solchen: Im Brandfall sind diese Wertgegenstände auch vor dem «Flammentod» geschützt.

Alarmanlage und Bewegungsmelder installieren

Einbrecher:innen ergreifen bei Alarm die Flucht – das Anbringen einer Alarmanlage ist daher für viele Betriebe ratsam. Bewegungsmelder ­wiederum schalten automatisch das Licht ein, wenn unbefugte Personen einen bestimmten Bereich betreten. Auch das Vortäuschen von Aktivitäten im Unternehmen kann Einbrecher:innen abschrecken. Zeitschaltuhren, die Licht automatisch ein- und ausschalten, können einen regen Betrieb vortäuschen – und hindern Einbrecher:innen ihr Vorhaben zu vollführen.

Baulicher Einbruchschutz: Einbruchsichere Fenster und Türen

Die Widerstandsklassen – RC für Resistance Class – geben den Schutzfaktor von Türen und Fenstern an: RC 1 weist das niedrigste Schutzniveau auf, RC 6 gewährleistet den höchsten Schutzfaktor. Die einzusetzende Widerstandsklasse hängt von der Art des Gebäudes, Lage des Immobilienobjekts, erforderlichen Interventionszeit für einen erfolgreichen Einbruchsvorgang, dem zu schützenden Sachwert oder notwendigen Personenschutz ab. Jeder Widerstandsklasse sind spezifische Einbruchswerkzeuge zugeordnet, die in der Regel zum Einsatz kommen.

Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) empfiehlt Hausbesitzer:innen, Mieter:innen, WG-Bewohner:innen und Geschäftsführer:innen von KMU, sich um einen Einbruchschutz zu kümmern. Sie rät allen Akteuren, Türen abzuschliessen, Fenster zu schliessen, die eigene Anwesenheit vorzutäuschen, einen guten Kontakt mit den Nachbar:innen zu pflegen und sich von Sicherheitsexpert:innen beraten zu lassen. Organisatorische Massnahmen können das Risiko eines Einbruchs bereits beträchtlich verringern. Folglich lohnen sich Investitionen in die Einbruchshemmung – für Privathaushalte und auch für Unternehmen.

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Widerstands- Täterprofil und klasse Anwendungsgebiete

RC 1 Gelegenheitseinbrecher:innen versuchen mit kleinen Werkzeugen und körperlicher Gewalt Zutritt zu erlangen. Absicherung gegen Vandalismus, vor allem bei Gebäuden ohne direkten Zugang im Erdgeschoss.

RC 2 Gelegenheitseinbrecher:innen versuchen mit kleinen Werkzeugen wie Schraubendrehern oder Zangen während mindestens drei Minuten Zutritt zu erlangen. Bei Wohngebäuden, Gewerbegebäuden und öffentlichen Gebäuden.

RC 3 Einbrecher:innen versuchen mit mehreren und grösseren Werkzeugen während mindestens fünf Minuten Zutritt zu erlangen. Bei Wohngebäuden, Gewerbegebäuden und öffentlichen Gebäuden.

RC 4 Erfahrene Einbrecher:innen nutzen schwere Werkzeuge wie einen Hammer oder eine Axt während mindestens zehn Minuten, um Zutritt zu erlangen. Bei Gewerbegebäuden und öffentlichen Gebäuden.

RC 5 Sehr erfahrene Einbrecher:innen nutzen zusätzlich Elektrowerkzeuge wie Bohrer während mindestens 15 Minuten, um Zutritt zu erlangen. Bei Gewerbegebäuden und öffentlichen Gebäuden mit hohen Sicherheitsanforderungen.

RC 6 Sehr erfahrene Einbrecher:innen nutzen zusätzlich leistungsstarke Elektrowerkzeuge während mindestens 20 Minuten. Bei Gewerbegebäuden und öffentlichen Gebäuden mit hohen Sicherheitsanforderungen.

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