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Deutschland Editorial Energie

Bei der Energie geht es jetzt ums Ganze

15.10.2026
von SMA

Mit dem Herbst ändern sich die Vorzeichen im Stromsystem. Die Tage werden kürzer, die Photovoltaik liefert weniger, während mit sinkenden Temperaturen der Energiebedarf steigt. Damit rückt eine entscheidende Frage in den Vordergrund: Haben wir ausreichend Strom – und zwar dann, wenn wir ihn brauchen?

Österreich geht mit guten Voraussetzungen in diese Monate. Rund 82 Prozent der heimischen Stromerzeugung stammten 2025 aus erneuerbaren Quellen. Gleichzeitig ist unsere Versorgung außerordentlich verlässlich: Mit durchschnittlich 16,62 Minuten ungeplanter Unterbrechung war sie so sicher wie nie zuvor.

Aber: Eine gute Jahresbilanz garantiert noch keine sichere Versorgung zu jeder Stunde. Österreich kann seinen Strombedarf heute nur in etwa jeder fünften Stunde vollständig aus heimischer erneuerbarer Erzeugung decken. In den übrigen Stunden benötigen wir Importe oder fossile Kraftwerke. Zugleich wird der Strombedarf durch die Elektrifizierung von Industrie, Mobilität und Wärme weiter signifikant steigen, er wird sich nahezu verdoppeln.

Die Aufgabe ist daher klar: Wir müssen die erneuerbare Erzeugung deutlich ausbauen und zugleich dafür sorgen, dass der Strom zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar ist. Dazu braucht es ein leistungsfähiges Gesamtsystem aus Erzeugung, Netzen, Speichern und flexiblem Verbrauch.

Mehr Erzeugung. Mehr System.
Österreich braucht mehr Wasserkraft, mehr Windkraft und mehr Photovoltaik. Doch zusätzliche Erzeugung allein reicht nicht. Entscheidend ist auch das Zusammenspiel.

Windkraft liefert gerade in der kalten Jahreszeit wichtige Mengen und ergänzt Wasserkraft und Photovoltaik. Speicher verschieben Energie in jene Stunden, in denen sie gebraucht wird. Leistungsfähige Netze bringen den Strom zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern und ermöglichen den Austausch mit unseren europäischen Nachbarn.

Jetzt ist Umsetzung gefragt
Was zu tun ist, ist weitgehend bekannt. Nun müssen aus Plänen konkrete Projekte werden.

Die Unternehmen der E-Wirtschaft investieren in Kraftwerke, Netze und Speicher. Know-how und Bereitschaft sind vorhanden. Was wir dafür brauchen, sind geeignete Flächen, schnellere Verfahren und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Investitionen über Jahrzehnte ermöglichen.

Wirksam investieren
Auch über die Kosten müssen wir offen sprechen. Der Umbau des Energiesystems ist mit erheblichen Investitionen verbunden. Damit er leistbar bleibt, müssen wir dort investieren, wo wir für das Gesamtsystem die größte Wirkung erzielen.

Ein höheres Ausbautempo und ein stärkerer Blick auf das Gesamtsystem gehen dabei Hand in Hand. Das heißt: bestehende Infrastruktur besser nutzen, den Ausbau von Erzeugung und Netzen enger abstimmen und neue Projekte dort verwirklichen, wo sie den größten Nutzen bringen. So lassen sich Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und mehr Unabhängigkeit miteinander verbinden.

Michael Baminger Präsident, Oesterreichs Energie

Verantwortung lässt sich nicht weiterreichen
Die Branche ist sich ihrer Verantwortung bewusst und schon mitten in der Umsetzung. Alleine 2025 wurden etwa fünf Milliarden Euro investiert. Die Gesamtaufgabe kann die E-Wirtschaft aber nicht allein bewältigen. Die Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Behörden müssen rasche und rechtssichere Entscheidungen ermöglichen. Unternehmen müssen investieren und Projekte umsetzen. Akzeptanz setzt voraus, frühzeitig zu erklären, zuzuhören und Interessen ernst zu nehmen. Verantwortung weiterzureichen, bringt kein Projekt schneller ans Netz, macht keinen Kunden zufriedener.

Und letztendlich müssen wir die Menschen – unsere Kundinnen und Kunden – auf diesem Weg mitnehmen. Sie sind der Schlüssel, denn ohne breite Akzeptanz wird es nicht funktionieren.

Die Transformation des Energiesystems ist Teamplay und nicht Schwarzer Peter.

Wir als Branche stehen in der Verantwortung. Wir müssen nachvollziehbar machen, warum dies alles notwendig ist. Dafür braucht es neben technischer Kompetenz auch Transparenz, Dialog und die Bereitschaft, berechtigte Anliegen ernst zu nehmen.

Die Energiezukunft entscheidet sich nicht an den Zielen auf dem Papier, sondern an den Projekten, die wir tatsächlich umsetzen.

Am Ende zählt, was bei den Menschen ankommt
Bei allen Debatten über Terawattstunden, Ausbauziele und Netzkilometer dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, worum es geht: um sichere und leistbare Energie für die Menschen, um wettbewerbsfähige Unternehmen und um ein Österreich, das unabhängiger und widerstandsfähiger wird.

Die Energiezukunft entscheidet sich nicht an den Zielen auf dem Papier, sondern an den Projekten, die wir tatsächlich umsetzen. Jetzt geht es darum, aus Potenzial Leistung, aus Plänen Infrastruktur und aus erneuerbarer Energie verlässliche Versorgung zu machen.

Text MMag. Michael Baminger,Präsident, Oesterreichs Energie

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