Die Umstellung auf erneuerbare Energien erfordert nicht nur neue Anlagen, sondern eine gründliche Systemintegration. Im Gespräch erläutern Partner Marc-Felix Otto und Geschäftsführer Österreich David Presch vom Beratungsunternehmen The Advisory House, wie Unternehmen durch neue Technologien neue Erlösquellen erschließen.

David Presch, Geschäftsführer Österreich

Marc-Felix Otto, Partner
Immer mehr technologische Neuerungen vereinfachen den Einsatz erneuerbarer Energien. Bieten sich dadurch den Unternehmen neue wirtschaftliche Chancen?
Marc-Felix Otto: Ja, der technische Fortschritt senkt nicht nur Kosten, wie viele glauben, sondern durch Flexibilität und eigene Erzeugung entstehen neue Geschäftsmodelle und zusätzliche Erlöse. Viele Unternehmen besitzen ja bereits einen großen Technology-Stack, aber der entscheidende Werthebel besteht darin, diese Apps und Infrastrukturen prozessual und systemtechnisch sauber in die Geschäftsabläufe zu integrieren.
Ein Problem ist derzeit, dass Sonne und Wind als volatil gelten. Wie lässt sich das Netz trotz schwankender Erzeugung stabil halten?
David Presch: Entscheidend ist das gesamte Zusammenspiel von Wind, Sonne, Speichern, flexiblem Verbrauch und langfristigen Lieferverträgen. In virtuellen Kraftwerken werden diese Anlagen gebündelt, zentral prognostiziert, vermarktet und ferngesteuert. Während im Alpinraum Pumpspeicherkraftwerke Schwankungen ausgleichen, gewinnen kleinere Kapazitäten im Verteilnetz an Bedeutung.
Welche finanziellen Anreize treiben denn diesen Wandel voran?
Marc-Felix Otto: Treiber sind verordnet steigende CO2-Kosten in der EU sowie das Streben nach Autarkie gegenüber Preisschwankungen. Investitionen in CO2-freie Stromerzeugung bieten langfristige Planbarkeit ohne wöchentliche Preisausschläge, unter denen viele Unternehmen mit fossilen Kraftwerken leiden.
Welche Rolle spielen Künstliche Intelligenz und Smart Grids in der Praxis?
David Presch: Smart Grids liefern Echtzeitdaten zu Erzeugung und Verbrauch, während KI Prognosen verbessert und Speicher automatisiert steuert. Während Sprachmodelle aktuell medial dominieren, nutzt die Energiewirtschaft schon seit zehn bis 15 Jahren selbstlernende Machine-Learning-Modelle für quantitative Daten. Zur Vermeidung von Netzüberlastungen dienen elektrotechnische Steuerungselemente.
Und welche Rolle spielen Großbatterien und grüner Wasserstoff?
David Presch: Batterien reagieren in Sekunden und gleichen Schwankungen über Stunden aus, um das Stromnetz kurzfristig zu stabilisieren. Grüner Wasserstoff eignet sich dagegen als Langzeitspeicher für schwer elektrifizierbare Industriezweige wie Stahl und Chemie. Allerdings bleibt reiner grüner Wasserstoff teuer, da Skaleneffekte bei Elektrolyseuren fehlen.
Wie geht Advisory House konkret vor, wenn ein Energieversorger Kosten und CO2-Emissionen senken möchte?
Marc-Felix Otto: Zunächst erstellen wir eine individuelle Analyse von Rahmenbedingungen und Strategie. Danach liegt der Schwerpunkt auf der operativen Umsetzung, da hier über 70 Prozent der Wertschöpfung entstehen. The Advisory House fokussiert sich dabei auf kaufmännisch und quantitativ anspruchsvolle Themen wie das Portfoliomanagement, den Energiehandel, die IT- und Datenarchitektur sowie das Projektmanagement. Ergänzend wird ermittelt, welche Maßnahmen sich kommerziell wirklich rentieren.
Weitere Informationen unter: advisoryhouse.com

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