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Familien unterstützen bedeutet Familienarmut verhindern

27.05.2021
von SMA

Die Familiengründung bringt oftmals finanzielle Schwierigkeiten mit sich. Wie viel das Kinderhaben kostet und wie Familienarmut verhindert werden kann. 

Kinder zu haben, kostet Geld, soviel ist allen klar. Doch die finanzielle Dimension der Familiengründung geht über den Erwerb von Kinderkleidung, Spielzeug und Gebrauchsgegenständen wie Kinderwagen oder Bettchen hinaus. Die finanzielle Belastung, welche Familien in der Schweiz erleben, ist weitaus komplexer.

Bei den Kosten, welche Kinder verursachen, kann zwischen direkten und indirekten unterschieden werden. Die ersteren sind Kosten, welche direkt zu bezahlen sind. Dazu gehören beispielsweise Krankenkassenprämien, Lebensmittelkosten oder Ausgaben für Gebrauchsgegenstände. Diese Kosten belaufen sich laut dem Bundesamt für Statistik auf durchschnittlich 819 Franken im Monat, pro Paar und Kind. Eine Studie des Zürcher Jugendamtes setzt die Zahl um einiges höher an. Sie stufen die direkten Kosten eines Kindes, je nach Alter, zwischen 1200 und 1800 Franken pro Monat ein. Bis zur Volljährigkeit des Kindes erreicht man durchschnittlich 324 000 Franken direkte Kosten.

Ein höheres Armutsrisiko

Als indirekte Kosten wird das verlorene Einkommen bezeichnet, welches als Konsequenz der Familiengründung eintrifft. Das bezeichnet beispielsweise ein tieferes Einkommen aufgrund einer Senkung des Arbeitspensums oder ein Erwerbsausfall, wenn ein Elternteil die Lohnarbeit zugunsten der Familie aufgibt.

In der Schweiz erhält man Familienzulagen (monatlich mindestens 200 Franken pro Kind) sowie Steuerabzüge, um einen Teil dieser Kosten zu decken. Je nachdem kommen Beiträge des Bundes zur Kostensenkung für externe Kinderbetreuung sowie vergünstigte Krankenkassenprämien für Kinder und Jugendliche dazu. Trotz dieser Hilfe haben Familien ein höheres Risiko, von Armut betroffen zu sein, als kinderlose Schweizer:innen. Für alleinerziehende oder beeinträchtigte Elternteile ist das Armutsrisiko derweil noch höher.

Familienarmut verhindern

Es gibt einige Wege, dem Armutsrisiko von Familien entgegenzuwirken. Einer davon ist, Erwerbsausfälle nach der Familiengründung zu verhindern.

Pro Familia brachte im Zuge einer Studie 2019 in Erfahrung, dass Mütter mit einer Tertiärausbildung ihre berufliche Tätigkeit nach der Geburt ihres Kindes für durchschnittlich 6,7 Jahre unterbrechen, bei Müttern ohne Tertiärausbildung liegt der Durchschnitt bei 12,1 Jahren. Trotz der durchschnittlich kürzeren Ausfallzeit ist die Lohnveränderung für Frauen mit Tertiärausbildung um einiges grösser.

Im Zuge der Studie konnte ebenfalls festgestellt werden, dass das Angebot an Betreuungsplätzen mit einer erhöhten Erwerbstätigkeit der Mutter korreliert. Diese Korrelation wird als bedeutender eingestuft, als jene zwischen der Tarifsenkung der Betreuungsplätze und der Erwerbstätigkeit. Ein Ausbau des Betreuungsangebots hätte demnach eine Erhöhung der Erwerbstätigkeit von Müttern zur Folge. Gleichzeitig sollte das Problem der Tarife nicht unbeachtet bleiben.

Familienarmut kann man verhindern

Arbeitspensen möglichst hoch halten

Können Erwerbsunterbrüche bei der Geburt eines Kindes vermieden werden, sinkt das Armutsrisiko. Auch das Pensum sollte dabei, wenn möglich, hoch gehalten werden, um Lohn- und Renteneinbussen zu reduzieren. Das Risiko, zu einem zukünftigen Zeitpunkt auf Sozialhilfe angewiesen zu sein, sinkt damit und der betroffene Elternteil profitiert bei der Pensionierung von einer höheren Altersrente.

Wenn es darum geht, Arbeitspensen möglichst hoch zu halten, haben externe Kinderbetreuungsstrukturen eine Schlüsselfunktion inne. Die Tarife für diese müssen so tief wie möglich gehalten und durch den Staat mitfinanziert werden. Dies ist von höchster Wichtigkeit. Wer sein Kind während der Arbeitszeit in eine Kindertagesstätte gibt, darf dies, laut Swissinfo, sogleich mit zwei Dritteln des erwirtschafteten Einkommens berappen. Da wundert es nicht, dass sich viele Elternteile dazu entscheiden, die Erwerbsarbeit ganz aufzugeben, da diese sich finanziell nur begrenzt lohnt. Von den hohen Kosten für die Kinderbetreuung leiden vor allem auch alleinerziehende Elternteile, welche überdurchschnittlich oft von Armut betroffen sind.

Mehr Betreuungsangebote, höhere Erwerbstätigkeitsquote

Auch müssen die Infrastrukturen für die Kinderbetreuung ausgebaut werden, auch in ländlichen Gebieten, wo dies aktuell noch nicht der Fall ist.

Als direkte Konsequenz daraus würde sich die Erwerbstätigkeit der Mütter erhöhen. Um die durchschnittliche Erwerbstätigkeitsquote der Mütter von Vorschulkindern auf ein Niveau von knapp 70 Prozent zu bringen, müssten knapp 20 000 neue Kindergartenplätze geschaffen werden.

Eine Studie konnte im Jahre 2020 aufzeigen, dass 70 Prozent der erwerbstätigen Mütter dazu bereit wären, ihr Arbeitspensum zu erhöhen, wenn die Rahmenbedingungen günstiger wären. Zu den Voraussetzungen gehörten die Infrastruktur und die Kosten der Kinderbetreuung.

Frühzeitig Hilfe holen

Familien, welche finanzielle Schwierigkeiten haben, sollten sich ebenfalls nicht davor scheuen, frühzeitig Hilfe zu suchen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Zu den möglichen Ansprechpartnern gehören die Gemeindeverwaltung am Wohnort, die Budgetberatung von Caritas Schweiz oder die Winterhilfe Schweiz. Je nach Wohnort oder -kanton können auch diverse regionale oder lokale Unterstützungsangebote in Anspruch genommen werden.

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