Interview von SMA

«Meine Familie ist eine wichtige Stütze»

Géraldine Knie ist die Grande Dame des Schweizer National-Circus. Bis heute denkt die dreifache Mutter jeden Tag an ihren Grossvater Fredy Knie sen. – denn er war ihr Mentor, Ratgeber und Trainer.

Ihre Grosseltern mütterlicherseits waren Privatleute: «So nennen wir beim Circus Nicht-Circus-Menschen», sagt Géraldine Knie im Grosseltern-Magazin. «Ich war neun oder zehn Jahre alt, als sie gestorben sind. Viel Zeit habe ich nicht mit ihnen verbracht, weil man mich nicht vom Circus wegbrachte. Ich wollte immer beim Circus sein. Ich erinnere mich aber, dass sie stolz darauf gewesen sind, dass ihre Tochter meinen Vater geheiratet hat.»

Grossvater Fredy Knie sen. war Géraldine Knies Idol. Natürlich verband sie ihre Liebe zu Pferden – er und sein Sohn haben sie ja gemeinsam trainiert –, aber auch neben dem Circus und abgesehen von den Pferden, war er eine wichtige Person für sie: «Ich habe für alles Rat bei ihm geholt. Auch wenn ich als Teenager unglücklich verliebt war, trug ich das zu Grossvater.

Zu meinen Lieblingserinnerungen gehören unsere gemeinsamen Reisen ans Circus-Festival in Monte Carlo. Grossvater und ich blieben immer noch ein paar Tage länger als der Rest der Familie. Man traf sich mit anderen Show-Menschen und mit Zirkusunternehmern.»

Familie statt Disco

Géraldine Knie fand es nie langweilig unter all den Erwachsenen, sondern nur spannend. Gleichaltrige wollten in die Disco oder in den Ausgang, aber sie war glücklich, beim Grossvater zu sein: «Im Winterquartier lebten wir nicht zusammen, aber wegen des Trainings sahen wir uns auch da täglich. Dann machten wir auch mal ganz normale Dinge zusammen wie ins Kino gehen oder ins Schwimmbad.

Mein Vater und er waren gleichermassen geduldig mit mir, ich war auch immer brav und habe gemacht, was sie gesagt haben. Grossvater war vielleicht etwas weniger konsequent, aber das ist ja die Rolle der Grosseltern. Die Leute sagten immer, er sei ein anderer Mensch gewesen, wenn er mit mir zusammen war. Als er 2003 starb, brach eine Welt für mich zusammen.»

«Wir haben nie daran gedacht, mit dem Circus ins Ausland zu gehen.»

Die nächste Knie-Generation

Umso mehr konzentrierte sich Géraldine Knie als artistische Direktorin auf den Circus, für den es angesichts wachsender Unterhaltungsangebote immer enger wird: «Man muss top bleiben», sagt Knie der «Aargauer Zeitung». «Bei der Show darf man ja nichts einsparen. Wir haben zum Glück treue Gäste, die mir etwa bei jeder Geburt meiner Kinder gratulierten. Daran zeigt sich, weshalb es uns in der Schweiz so wohl ist.

Wir haben nie daran gedacht, mit dem Circus ins Ausland zu gehen.» Ob ihre drei Kinder das Zirkusbusiness weiterführen werden?  Géraldine Knie wünscht es sich sehr, aber für eine erfolgreiche Zukunft im Circus müssten die Kinder gut rechnen können und an allen Ecken und Enden mithelfen. «Natürlich haben wir Profis angestellt für sämtliche Bereiche, doch man darf nicht lockerlassen. Und man muss konsequent umsetzen, was man entschieden hat.»

Géraldine Knie weiss, wovon sie spricht: Sie hat Ihr ganzes Leben im Circus verbracht und sind schon ganz früh vor Live-Publikum aufgetreten. Wie fühlt man sich da?

Für mich ist es immer wieder ein magisches Gefühl, in der Manege stehen zu dürfen. Es ist meine grosse Leidenschaft und macht mir viel Spass. Natürlich ist auch immer ein bisschen Lampenfieber vorhanden, aber das ist gut so und spornt einem zusätzlich an.

Wie kriegt man Berufliches und Privates unter einen Hut?

Das ist nicht immer einfach. Ich bin Direktorin und Mama zugleich. Da wir aber alle zusammenleben und uns sehr oft sehen, können wir uns direkt miteinander austauschen. Jeder hilft jedem und so schafft man es, die verschiedenen Rollen einzunehmen. Zudem teilen wir alle die gleiche Leidenschaft. Dadurch ist das gegenseitige Verständnis sehr gross und wir ziehen alle an einem Strick.

Sie schaffen für das treue Zirkuspublikum immer wieder neue Shows. Wo finden Sie Ideen?

Ich lasse mich von unterschiedlichen Dingen inspirieren. Die Musik beispielsweise inspiriert mich oft zu neuen Darbietungen und Showkonzepten. Auch meine Kinder bringen mich immer wieder auf neue Ideen. Ich schaue weltweit, was die Trends in der Branche sind und versuche, daraus eigene Ideen für unseren Circus Knie abzuleiten. Die Inspiration ist eigentlich überall, man muss nur hinschauen und eine gute Fantasie haben. Wichtig ist für mich, dass wir authentisch und einzigartig sind.

Geraldine Knie Familienfoto

Familie Knie mit ihrem jüngsten Spross, Maycol jun., bei seiner Taufe in Luzern 2019. quelle: boekhaus / circus knie

In einer sinnlichen Darbietung bringen Sie vier Schimmel in die Manege. Können Sie Ihre Liebe zu Pferden beschreiben?

Ich bin mit Pferden aufgewachsen und viele unserer Pferde begleiten mich schon seit vielen Jahren. Pferde sind sehr einfühlsame Wesen und sie geben mir viel Kraft.

Wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie Mutter geworden sind? Was ist Ihnen wichtig, was weniger?

Die Familie war mir schon immer sehr wichtig. Seit ich eigene Kinder habe, wurde mir die Familie noch viel wichtiger. Ich bin mir bewusster geworden, wie wertvoll der Familienzusammenhalt ist und ich geniesse die Zeit mit meinen Liebsten mehr als früher. Meine Kinder Ivan, Chanel und Maycol jun. sind mein «Ein und Alles».

Wie erleben Sie ihre Kinder in der Manege?

Ich bin wahnsinnig stolz auf meine drei Kinder. Ivan, der Älteste, hat ein tolles Gefühl und Gespür für seine Leidenschaft, die Pferde. Er hat sehr viel von mir und meinem Vater Fredy Knie jun. gelernt. Er trainiert jeden Tag mit seinem Nonno und übernimmt bereits sehr viel Verantwortung – nicht nur in Bezug auf die Pferde. Chanel ist mein Mini-Me.

«Es ist mir wichtig, in der Technik am Puls der Zeit zu bleiben, auch wenn die Investitionen dafür gross sind.»

Wenn ich sehe, wie sie in der Manege agiert, dann sehe ich immer mich in jungen Jahren. Sie ist sehr ehrgeizig und ein ganz tolles Mädchen. Sie hat auch mit ihrem kleinen Bruder Maycolino sehr viel für sein Manegen-Debüt geübt. Es macht mich unheimlich stolz, wenn ich meine Kinder während ihren Darbietungen in der Manege beobachte. Ich glaube, das ist das Allerschönste für eine Mutter, wenn sie sieht, wie glücklich ihre Kinder sind.

Ihre Handschrift ist in allen visuellen Bereichen des Circus Knie zu sehen. Wie hat sich das Sound- und Vision-Konzept über die vielen Jahre verändert? 

Früher hatte es in unserem Circus ein paar Halogenlampen, welche die Manege beleuchteten. Heute benötigen wir mehr als 150 bewegliche LED-Spots, um die speziellen Lichteffekte zu erzielen, die unsere Show ausmachen. Zudem haben wir eine Bühne mit Wasser- und Feuereffekten und mit Bastian Baker einen grossartigen Sänger. Es ist mir wichtig, in der Technik am Puls der Zeit zu bleiben, auch wenn die Investitionen dafür gross sind.

Wie und wo tanken Sie Energie, um den Alltag zu meistern?

Die grösste Energie gibt mir das Publikum. Es ist wunderbar, meine Leidenschaft mit unseren Gästen teilen zu dürfen. Auch meine Familie ist eine wichtige Stütze, die mir Kraft gibt. Mein Ehemann Maycol Errani ist mein Sauerstoff.

Wo sehen Sie für den Circus Knie die grössten Herausforderungen für die nächsten paar Jahre?

Der technische Aufwand ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Der Transport von A nach B ist dadurch nicht mehr so einfach und der Aufbau benötigt mehr Zeit. Das sind logistisch und finanziell grosse Herausforderungen. Unsere Challenge ist es, unser Publikum jedes Jahr aufs Neue mit einer neuen Show zu begeistern.

Wir haben uns in den letzten Jahren verändert, sind moderner geworden und trotzdem unserer Tradition treu geblieben. Ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind und hoffentlich auch die kommenden Generationen noch vom Circus begeistern dürfen.

Text SMA Bild BOEKHAUS/Circus Knie

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Circus Knie 2022

Die jüngste Circus-Knie-Show bringt ein Wiedersehen mit Bastian Baker, Ursus & Nadeschkin: «Nach dem coronabedingt verkürzten Engagement im Jahr 2020 freuen wir uns, die beiden Komiker nun während einer ganzen Tournee mit dabei zu haben», sagt Géraldine Knie. «Zu einem Teil der Zirkusfamilie geworden ist auch Bastian Baker, der mit neuen Songs und ungeahnten Talenten für Stimmung sorgen wird.

Begleiten Sie zudem Maycol Knie jun. bei seinem Manegen-Debut und lassen Sie sich von den Tierdarbietungen der Familie Knie verzaubern. Wie in einem Kaleidoskop schaffen unsere Künstler verschiedene Stimmungen, die sich zu einem farbenfrohen Ganzen vereinen.» 

Mehr Infos: www.knie.ch

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12.05.2022
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