erneuerbare energie
Bau & Immobilien Energie Nachhaltigkeit

Mit erneuerbaren Energien in Richtung Netto-Null

16.12.2021
von SMA

Am Energieforum des Fachverbands Powerloop diskutierten kürzlich Branchenvertreter über das Potenzial dezentraler Energiesysteme und neuer Technologien.

Wie können dezentrale Energiesysteme zur Stromversorgung beitragen und einen baldigen Strommangel verhindern? – Solchen Fragen widmete sich das Energieforum des Fachverbands Powerloop, das kürzlich im Berner Bierhübeli stattfand. Dabei erhielten auserwählte Projekte aus der Branche eine Plattform, die auf diesen Technologien basieren. So unterschiedlich die einzelnen Beispiele auch sind, sie verdienten laut dem Fachverband allesamt die Prädikate umweltfreundlich, innovativ und wirtschaftlich. Höhepunkt des Forums war eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion, an der auch Michael Frank, Direktor des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) teilnahm: «Um die Energiestrategie voranzutreiben, braucht es zentrale und dezentrale Kraftwerke», verkündete er. Die Diskussion drehte sich einerseits darum, was nun geschehen müsse, damit die Energiestrategie tatsächlich bis 2050 realisiert werden kann. Die Teilnehmenden aus Politik, Branche und Wissenschaft waren sich einig, dass die Schweizer Energiepolitik nicht in einer Sackgasse steckt, aber jetzt die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen und Massnahmen eingeleitet werden müssen. «Wissen, Technologie und Kapital sind vorhanden, um vorwärtszumachen. Wir können uns dieses Partikularinteressendenken nicht mehr leisten. Alle, die zusammen für die Versorgungssicherheit verantwortlich sind, müssen in die gleiche Richtung gehen», so die Einschätzung von Michael Frank.

WKK-Anlagen als Backup-Lösung

Ebenfalls Gegenstand der Diskussionsrunde wurde der Vorschlag von Powerloop, um zukünftigen Strommangel zu verhindern. Passend zum Motto des Forums basiert das Backup-Modell auf der Power-To-Gas und der Wärme-Kraft-Koppelung (WKK). Der Lösungsansatz sieht mehrere hundert dezentrale Gaskraftwerke vor, die zentral gesteuert und bei Bedarf eingesetzt werden können. Da sie gleichzeitig Wärme und Strom produzieren, sind sie besonders geeignet, zur Versorgung in der kälteren Jahreszeit und zur Netzstabilität beizutragen. Bei Vollausbau – rund 2000 kleine WKK-Anlagen – könnte die dereinst wegfallende Kernenergie kompensiert werden. Bilden Gaskraftwerke also schon bald einen wesentlichen Pfeiler der Energiestrategie? Der Bund prüft zumindest diese Möglichkeit und lässt ein Konzept erarbeiten. Gut möglich, dass das Backup-Modell von Powerloop bei diesen Überlegungen eine Rolle spielt und in irgendeiner Form von der Politik aufgenommen wird. «Dezentrale Wärme-Kraft-Koppelungsanlagen sind schneller realisiert als grosse Gaskraftwerke und sind zudem auch schneller rückgebaut – oder werden dereinst mit alternativen, grünen Gasquellen funktionieren», prophezeit auch Michael Frank. «WKK-Technologien haben einen hohen Wirkungsgrad, weil sie sowohl Wärme in Verbindung mit einem Wärmenetz wie auch Strom produzieren. Im Winter sind wir am meisten auf zusätzlichen Strom angewiesen und benötigen auch durchgehend Wärme. Deshalb denke ich, müsste man den Vorschlag eher als Produktionsmodell denn als Backup-Modell prüfen. Idealerweise erreichen wir die Energieziele jedoch ohne Anlagen, die zumindest kurz- und mittelfristig noch mit fossilem Brennstoff befeuert werden müssen.»

Stichwort Kernenergie

Die Schweizer Kernkraftwerke haben mit rund 35 Prozent im Jahresmittel und mit bis zu 45 Prozent im Winterhalbjahr einen hohen Anteil an der schweizerischen Stromproduktion. Sie erzeugen damit den deutlich grössten Anteil an Bandenergie in der Schweiz ohne nennenswerte CO2-Emissionen und tragen so zum Klimaschutz bei. Die Angst vor den potenziellen Auswirkungen eines, wenn auch unwahrscheinlichen, Reaktorunfalls in der Schweiz unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe sowie die politisch und gesellschaftlich noch ungelöste Frage der Entsorgung von radioaktiven Abfällen haben jedoch dazu geführt, dass ein Neubau von Kernkraftwerken in der Schweizer Politik und Bevölkerung stark an Akzeptanz verloren hat. So wurde im Mai 2017 die Gesetzesvorlage zur Energiestrategie 2050 des Bundes in einer Volksabstimmung deutlich angenommen. Mit dieser wird der Bau neuer oder der Ersatz bestehender Kernkraftwerke verboten. Die bestehenden Kraftwerke dürfen jedoch in Betrieb bleiben, solange sie sicher sind. Unter diesen Rahmenbedingungen ist zu erwarten, dass bis 2035 nur noch die beiden jüngsten Kraftwerke Gösgen und Leibstadt in Betrieb sein werden und die Jahresproduktion der Schweizer Kernkraft bis dann um einen Drittel zurückgeht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Vorheriger Artikel Den Kreislauf durch Materialpässe in Schwung bringen
Nächster Artikel Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen