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Die Babysprache verstehen

12.08.2019
von Chantal Somogyi

Babys senden bestimmte Signale aus, um ihren Eltern mitzuteilen, was ihnen fehlt. Bis Eltern ein Gespür für die Babysprache entwickeln, dauert es oft einige Zeit. «Fokus» zeigt, wie Eltern die Warnzeichen ihres Säuglings richtig deuten können.

Ein
Baby möchte in seiner eigenen Sprache mitteilen, was es möchte. Babys können mithilfe
von ihrem Verhalten und ihrer Körpersprache ihr Befinden und ihre Bedürfnisse
ganz ohne Worte zum Ausdruck bringen. Um alles richtig analysieren zu können,
müssen Eltern aufmerksam auf bestimmte Signale achten. Das
richtige Deuten braucht am Anfang etwas Zeit und ist sehr individuell. Aber
durch intensives Beobachten des Kindes können Eltern immer besser und schneller
erkennen, welches Bedürfnis hinter welchem Signal steckt. Gemäss der Schlaf-
und Stillberaterin Sara Baumann ist die erste Anlaufstelle
nach der Geburt die Hebamme, aber auch eine Mütter- und Väterberaterin kann
Auskunft geben. «Es ist wichtig, prompt, zuverlässig
und einfühlsam auf die kindlichen Bedürfnisse einzugehen», betont Sara Baumann.

Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte

Das Lächeln eines Babys ist für Eltern etwas ganz Besonderes und sorgt immer wieder für Begeisterung. Das sogenannte «Engelslächeln» geschieht meist in den ersten Lebenswochen. Bei diesem Lächeln handelt es sich um einen Reflex, der meistens im Schlaf geschieht. Ab dem zweiten oder dritten Monat lächelt das Baby, um eine soziale Bindung aufzubauen. Das Lächeln eines Säuglings ist dennoch nicht immer eine Reaktion auf etwas, was jemand gerade gemacht hat. Babys grinsen auch einfach mal so, ohne jeglichen Grund.

Aufmerksamkeit hin oder her

Manchmal betrachtet das Baby in Gedanken versunken
einen Gegenstand. Mund und Hände sind entspannt und leicht geöffnet. Die Augen
sind vor Staunen ganz gross. Der Säugling möchte konzentriert seine Welt
entdecken und dabei nicht gestört werden. Will das Baby hingegen
Aufmerksamkeit, dann quengelt es. Wenn sich Eltern dann dem Nachwuchs zuwenden,
beruhigt der sich schnell wieder. Dann konzentriert er sich auf sein Gegenüber
und sucht den Blickkontakt. Das Baby signalisiert, dass es aufnahmebereit ist
und beschäftigt werden möchte. Eltern können zu dieser Zeit mit dem Nachwuchs
spielen.

Es ist wichtig, prompt, zuverlässig und einfühlsam auf die kindlichen Bedürfnisse einzugehen.

Obacht, der Hunger ist da

Ab dem 2. Lebenstag sollte ein Baby mindesten 8 bis 12 Mal innert 24 Stunden gestillt werden. Ist ein Baby hungrig, wird es unruhig. Es beginnt zu strampeln und zu quengeln. Danach fängt es an zu schreien. «Das Weinen ist ein spätes Hungerzeichen», fügt Sara Baumann hinzu. Es kann helfen, Gesicht und Körper des Säuglings zu betrachten. Wenn er hungrig ist, ist der Körper eher angespannt und die Händchen zu Fäusten geballt. Man kann dem Baby einen Finger an die Lippen halten. Wenn das Baby sofort beginnt gierig daran zu saugen, hat es Hunger. Streicht man direkt neben dem Mund über die Wange, bewegt es suchend den Kopf und öffnet den Mund. Nuckelt der Säugling an seiner Faust, gilt es ebenfalls als Zeichen dafür, dass er hungrig ist. Das Nuckeln an der Faust kann aber auch eine Massnahme zur Selbstberuhigung sein.

Lachendes Baby mit Mutter

Ab ins Bettchen

Ist
das Baby müde, wendet es den Kopf ab. Gähnen und ruckartige Bewegungen der Arme
oder Beine sind weitere Zeichen dafür. Vielleicht versucht es auch, an seinen
Fingern zu nuckeln, um sich zu beruhigen. Es beginnt zu quengeln und fängt nach
einer Weile an zu weinen. Der Körper des Säuglings ist schlaff. Die Augen sind
glasig, die Augenlider sind schwer und fallen halb zu. Das Baby wendet den
Blick ab und reibt sich mit den Fäustchen die Augen. Dieser Zeitpunkt ist
optimal, um den Nachwuchs in seine Wiege zu legen. «Äussere Reize müssen
reduziert und das Baby in direktem Körperkontakt in den Schlaf begleitet
werden», erklärt Sara Baumann. So kann das Kind mühelos einschlafen.

Achtung – keine harmlosen Signale

Es kann eine ernsthafte Erkrankung vorliegen, wenn
das Baby das Gesicht vor Schmerz verzieht, die Hände zu Fäusten ballt, schnell
atmet, ungewöhnlich schrill schreit oder nur ganz schwach wimmert. Jeder Schrei
kann ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein vor allem, wenn den
Eltern das Verhalten ihres Kindes seltsam vorkommt. «Wann immer Eltern
das Gefühl haben, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt, sollten sie sich Rat
bei einer Fachperson holen», rät Sara Baumann.

Äussere Reize müssen reduziert und das Baby in direktem Körperkontakt in den Schlaf begleitet werden.

Die Dunstan-Babysprache schafft Abhilfe

Der Nachwuchs kann mithilfe von einer
Babysprache sein Allgemeinbefinden zum Ausdruck bringen. Die Dunstan-Babysprache
wurde von der Australierin Priscilla Dunstan entdeckt. Es handelt sich dabei um
angeborene Reflexe, die jedes Baby hat und die einen bestimmten Ton auslösen.
Die spezifischen Reflex-Laute hört man in den ersten drei Lebensmonaten des Säuglings,
kurz bevor er anfängt zu weinen oder zu schreien. Im Anschluss verändern sich
die Laute und werden individueller. Hat das Baby die Erfahrung gemacht, dass
man seine Laute verstanden und darauf reagiert hat, wird es diese auch noch
nach dem 7. Lebensmonat benutzen. Ansonsten sind die Laute nach dem 6.
Lebensmonat meist nicht mehr deutlich wahrnehmbar. Die
fünf Laute stehen für folgende Bedürfnisse:

  • «Neh» = Hunger
  • «Oh» = Müdigkeit
  • «Heh» = Unwohlsein (z.B. es ist zu warm, zu kalt oder die Sachen sind zu eng, nasse
    Windel usw.)
  • «Eair» = Blähungen
  • «Eh» = Aufstossen

Wissenschaftlich bewiesen ist die Theorie der Dunstan-Babysprache nicht. Dennoch können gemäss Sara Baumann gerade junge Eltern von der Dunstan-Babysprache profitieren. Durch das Erkennen der Laute, können Eltern schneller auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen. Sara Baumann bekräftigt: «Die Kinder fühlen sich wahrgenommen und in ihren Bedürfnissen schneller befriedigt. Die gegenseitige Bindung wird gefördert.»

Text: Chantal Somogyi

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