Ernährung
Gesundheit

Ausgewogene Ernährung für den Geist

21.07.2021
von Vanessa Bulliard

So, wie die Augen mitessen, so macht es auch die Psyche. Denn die Ernährung hat durchaus einen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden. So geht gesunde Ernährung für den Geist. 

Gesunde Ernährung für den GeistEssen macht glücklich. Nicht nur dem Körper wird Gutes getan, sondern auch das psychische Befinden kann durch die Ernährung positiv beeinflusst werden. Allein schon der Gemeinschaftssinn, welcher eine gemeinsame Mahlzeit hervorruft, verhilft zu Entspannung. Ein ausgelassenes Abendessen im Freundeskreis oder mit der Familie, ein leckerer Schokoladenkuchen oder eine saftige Wassermelone an einem heissen Tag tun einfach der Seele gut!

Gesunder Darm bringt gute Laune

Der Einfluss der Ernährung, das heisst die diversen Nährstoffe und auch derjenige des Essaktes selbst, sind enorm vielfältig. Bei Ersterem ist bekannt, dass süsse Nahrungsmittel glücklich machen. Tatsächlich ist die Gemütslage zu einem gewissen Teil vom Kohlenhydratgehalt abhängig. So haben diverse Nährstoffe effektiv einen Einfluss auf die Psyche. Jedoch führt Nicole Heuberger, Ernährungspsychologische Beraterin mit eigener Ernährungspsychologischen Praxis in Zürich, aus: «Ein weiterer wichtiger Faktor für gute Laune ist ebenfalls eine gesunde Darmflora, welche von der Ernährung abhängt.»

Im Darm entwickeln sich je nach Kost «gute» oder «schlechte» Darmbakterien. So erklärt Heuberger: «Je gesünder die Darmflora ist, umso mehr fördert dies eine ausgeglichene Stimmung und steigert die Leistungsfähigkeit.» So kann auf der anderen Seite ein gestörter Darm in extremen Fällen zu Konzentrationsstörungen oder sogar in Richtung Depression gehen. Jedoch hat nicht nur die Nahrung selbst einen Einfluss auf die Psyche, sondern auch der Essakt. «Ich erlebe die Mahlzeit alleine zu Hause ganz anders, als im Kreise meiner Freunde. Doch die Beeinflussung findet nicht nur in eine Richtung statt, denn der momentane Gemütszustand hat auch einen Einfluss auf die Art und Weise, wie man isst», erklärt Heuberger.

Der Geist isst mit

Der Mensch besteht nicht nur aus einem Körper, der gesättigt werden muss, sondern auch aus einer Seele, die genährt werden will. Heuberger berichtet: «Wir alle kennen die angeborene Gier, welche nach mehr schreit. Aber die Nahrung deckt nicht nur existenzielle Bedürfnisse ab. Eine mindestens so grosse Rolle spielen soziale und psychologische Motive.» Somit isst man nicht nur, um zu überleben, wie dies womöglich in der Steinzeit der Fall war, sondern auch, um emotionale Bedürfnisse abzudecken.

Das grosse Tabu

Das Essverhalten jedes Individuums ist komplex und verschieden. So mahnt Heuberger: «Bloss weil jemand eine ganze Packung Kekse verdrückt, lässt sich daraus nicht eine Frustration schliessen. Auf der anderen Seite sind jedoch auch nicht alle, welche nur Gesundes essen, immer glücklich.» Menschen, die aufgrund ihrer Essgewohnheiten psychisch leiden, verstecken dies meist sehr gut. So ist es schwer, den psychischen Zustand einer Person bloss aufgrund ihres Essverhaltens abzuleiten. «Dieses Thema ist jedoch trotz öffentlicher Dauerdiskussion rund um die Ernährung noch ein grosses Tabu. Wären die Betroffenen transparenter, so würde man staunen, wie viele Menschen unter einem gestörten Essverhalten leiden. Eine Enttabuisierung und Entstigmatisierung würde den darunter Leidenden sehr helfen, denn die eigene Scham ist leider ein grosser Treiber im Teufelskreis», erklärt Heuberger.

Von Bananen zu Sauerkraut

Dennoch ist Essen nicht aller Probleme Lösung. So sieht es auch Heuberger: «Lebensmittel können bei psychischen Krankheiten nur bedingt Abhilfe schaffen. Jedoch gibt es durchaus einige, welche einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden haben, dabei sind Nahrungsmittel aber nicht mit Medikamenten gleichzusetzen.» Eine gesunde Darmflora, genügend Kohlenhydrate und ein gesundes Körpergewicht können bereits einen positiven Einfluss auf das Gemüt haben. «Bei Untergewicht sind die fehlenden Nährstoffe verantwortlich für eine depressive Grundstimmung», führt Heuberger aus. Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder auch Honig sind gut für den Darm. Für positive Stimmung sorgen Kohlenhydrate wie auch Safran. Zudem verhelfen Bananen oder Walnüsse zu einem angenehmen Wohlbefinden. Heuberger warnt jedoch: «Zu viel Fruktose kann unsere Stimmung dämpfen, weshalb von einem übertriebenen Verzehr abzuraten ist.»

Was einem auf dem Magen liegt

Ursachen einer Essstörung sind sehr unterschiedlich und hängen von diversen Faktoren ab. «Die Persönlichkeit, das Umfeld oder auch dramatische Erlebnisse können ein gestörtes Essverhalten fördern», so Heuberger. Ein hoher Sinn für Perfektionismus oder ein fehlender Selbstwert erzeugen in einem solchen Fall eine negative Wirkung.

Auch vor Diäten warnt Heuberger: «Diese sind sehr oft ein auslösender Faktor, wie auch grosse Veränderungen im Leben. Meist sind mehrere Ursachen gemeinsam für eine Essstörung verantwortlich. Vor allem in der andauernden Gesundheitsdiskussion wird damit geworben, welche Nahrungsmittel gut sind und wie man sich ernähren soll. Dadurch haben wir bei der Essensauswahl dauernd das Gefühl, etwas falsch machen zu können und sind verunsichert. So bringt uns das Thema Essen in Bedrängnis und fördert sogar eben dieses gestörte Essverhalten, was wir mit der Gesundheitsprävention eigentlich verhindern wollen.»

Essen und Ich

Heuberger ist davon überzeugt, dass eine gesunde Beziehung zum Ich ein positives Verhältnis zum Essen stärkt. Denn umgekehrt nährt ein ständiges Hinterfragen seiner selbst generell Zweifel darüber, ob man zu viel, zu wenig oder zu ungesund isst. Aber sie appelliert auch an die Eigenverantwortung: «Wir selber haben die Autorität über unser Essen und sollten diese Verantwortung auch ernst nehmen. Es ist wichtig, dass wir lernen, für uns selber zu sorgen, denn Selbstfürsorge zeichnet meine Beziehung zum Essen aus», betont Heuberger.

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