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Kontakt nach draußen ist der beste Stress-Killer

29.03.2021
von SMA

Zu Hause ausruhen? Schön wär’s. Die Coronakrise stellt das persönliche Zeitmanagement vor völlig neue Herausforderungen. Doch mit Resilienz, Tricks und Gadgets lassen sich Freiräume schaffen.

Der amerikanische Filmregisseur Wes Craven misstraute der angeblichen Ruhe des Wohnzimmers ja schon immer. Folglich ließ er vor Couchgarnituren gerne brave Väter ausrasten und harmlose Fernsehprogramme sowie Telefone lebendig werden. Ganz so schlimm sieht es in diesen Corona-Tagen vielleicht nicht in den heimischen vier Wänden aus, aber mit Homeoffice, Homeschooling, Waschen, Essen und Zusammenleben ist wahrlich Leben in der Bude. Das eigene Zuhause, ursprünglich als Ort zum Ausspannen gedacht, ist zum Full-Service-Center mutiert. Abschalten? Unmöglich.

Überforderung erkennen und steuern

Was passiert aber, wenn von morgens bis abends alle auf engstem Raum arbeiten und lernen – und es keine Rückzugs- oder Fluchtmöglichkeiten gibt? Besonders Menschen, die »immer ständig perfekt sein wollen«, wie es die australische Personal Trainerin und Autorin Michelle Bridges seit Jahren moniert, sitzen bald in der Falle. Stress wird nicht kommuniziert, nach außen soll bitte alles einfach und glücklich wirken. Längst warnen Psycholog*innen davor, dass ein Überspielen von Stress irgendwann nicht mehr funktioniert. Hallo Burn-out. 

Die kalifornische Professorin Jennifer Chatman berät Unternehmen wie Apple, Ebay und Google beim Organisationsmanagement – und kennt die Probleme und Chancen des Homeoffice-Trubels nur zu gut. Chatman wirbt für konkrete Zeitpläne – und für mehr Einfühlungsvermögen, vor allem auch auf Seiten der Unternehmen. Zu Beginn der Coronakrise sagte sie der Tagesschau: »Es ist zum Beispiel wichtig, dass man den Mitarbeitenden sagt, wie sehr man sie wertschätzt.« Gleichzeitig solle man Videochats einplanen, in denen die Mitarbeitenden in Ruhe über ihre persönliche Situation oder die Konflikte sprechen könnten.   

Netzwerke und »Fake-Pendeln«

Chatman rät auch dazu, frühzeitig Netzwerke aufzubauen, mit denen man sich über die eigene Situation regelmäßig live austauscht. Es tue nämlich gut, Menschen zu haben, die »nichts von einem wollen«, also keine Leistungen oder Gegenleistungen erwarten. Feste Zeitpläne, die auch Termine mit Freunden und Verwandten umfassen, könnten helfen, Arbeit und Freizeit doch erfolgreich zu trennen. Auch zwischendurch den Computerbildschirm zu verlassen, um etwas Sport zu treiben, bewusst Mahlzeiten zu sich zu nehmen oder einfach nur eine Runde an der frischen Luft zu drehen, helfe, den Arbeitsplatz zu Hause nicht als deprimierenden Dauerzustand ansehen zu müssen. 

»Das Fake-Pendeln«, lobt etwa LinkedIn-Autorin Monica Fike, »hat wunderbare Vorteile.« Es reiche schon ein kurzer Spaziergang oder ein Zwischenstopp an einer Bäckerei. Wer sich bestimmte Zeiten freihalte, um sich bewusst von der Monotonie des Arbeitens zu lösen, könne im sogenannten »Fake-Pendeln« die ersehnte Abwechslung finden. Fantasie ist gefragt – und kann erstaunlich gut helfen, verschiedene Rollen einzuüben. Auch wer sein Zuhause ein paar Stunden als Büro, dann aber auch wieder als Oase zur Erholung ansieht, findet schnell innere Ruhe und neue Kraft.

Frau mit Katze

Veränderungen feiern

Der Resilienzexperte und Autor Sebastian Mauritz rät in einem nächsten Schritt dazu, Veränderungen per se als etwas Positives anzusehen. Wer länger über sein bisheriges Leben nachdenke, finde genügend Ansatzpunkte dafür. Wer Veränderungen folglich aktiv feiere und begrüße, könne leichter mit verschiedenen Anforderungen, zeitweisem Multitasking und vermeintlichen Überforderungen umgehen.

Sämtliche Expert*innen bestätigen im Grunde, dass Verbindungen nach draußen der Schlüssel zum Glück drinnen sind. Konkrete Hilfen für die Überforderung im Homeoffice-Dasein bieten auch Videoprogramme. So offeriert die Plattform Voiio Unternehmen spezielle Events für Kinder, mit denen die Eltern entlastet werden sollen. In der Corona-Zeit sind das vor allem »maßgeschneiderte digitale Workshops, durchgeführt von pädagogischem Fachpersonal«, die Spaß- und Lernlüste gleichermaßen kitzeln. Alternativ rufen diverse Sport-, Fitness- und Tanzlehrer*innen über Videokonferenzen oder eigene YouTube-Kanäle zu Bewegungsprogrammen auf, um das Körpergefühl, das vor den Mattscheiben zunehmend verloren zu gehen droht, wachzurütteln. 

Handy-Gefängnis, Kuscheltier-Hund

Wer gerne Gadgets einsetzt, um Änderungen oder neue Sichtweisen anzustoßen, kann sich mit einem Handy-Gefängnis oder Handy-Tresor eindecken, das dem dauernden Display-Glotzen entgegenwirkt. Mit einem Schlüssel kann jeder sein Smartphone für ein paar Stunden wortwörtlich hinter Gitter bringen und dann zu einem festen Zeitpunkt wieder befreien. Auch Kuscheltier-Hunde, die sich an mehreren Stellen streicheln lassen und dann Laute von sich geben, können dem Klick-Einerlei etwas Spaß verleihen. Und wer gerne auf der Couch liegen möchte, darf sich einen schicken Laptoptisch ordern, der wie ein Frühstückstablett im Bett funktioniert. 

Womöglich birgt der erfolgreiche Umgang mit dem Stress und der Enge zu Hause auch Chancen für die Zukunft. Resilienzexperte Mauritz stellte in einem Blog-Beitrag der Göttinger Resilienz-Akademie unlängst klar: »Resilienz stärken ist kein einmaliges Ziel. Es ist ein stetiger Prozess. Und für eine dauerhafte Resilienz ist es daher am besten, Sie machen sich die Dinge, die Ihnen merklich guttun und Ihnen im Umgang mit Stress helfen, zur Gewohnheit.« Könnte also sein, dass uns in zwei oder drei Jahren kein Stress der Welt mehr etwas anhaben kann.

Text Rüdiger Schmidt-Sodingen

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