Interview von Andrea Tarantini

Elektromobilität: Sébastien Buemi

Nach einigen Jahren in der Formel 1 wechselte der Rennfahrer Sébastien Buemi 2014 zum Elektro-Rennsport. Seither wurde er dreifacher Meister des 24-Stunden-Rennens von Le Mans und zweifacher Gewinner der World Endurance Championship in der Formel E. Gegenüber «Fokus» erzählt der Schweizer von seinem Beruf und der Elektromobilität.

Nach einigen Jahren in der Formel 1 wechselte der Rennfahrer Sébastien Buemi 2014 zum Elektro-Rennsport. Seither wurde er dreifacher Meister des 24-Stunden-Rennens von Le Mans und zweifacher Gewinner der World Endurance Championship in der Formel E. Gegenüber «Fokus» erzählt der Schweizer von seinem Beruf und der Elektromobilität.

Sébastien Buemi, weshalb haben Sie sich dazu entschieden, Rennfahrer zu werden?

Mit fünf Jahren hat mich mein Vater zum Kartfahren mitgenommen und ich habe es geliebt. Seitdem wurde der Automobilsport zu meinem Universum. Ich war einfach dazu bestimmt, Rennfahrer zu werden.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Ich liebe das Fahren und das Steuern von Rennautos, aber auch die Zusammenarbeit mit den Ingenieur:innen, die Forschung zur Verbesserung der Fahrzeuge, den Austausch mit den Mechaniker:innen und den Wettbewerb mit den anderen Rennfahrenden.

Was bedeutet die Formel E für Sie selbst?

In erster Linie ist sie mein Beruf. Im Gegensatz zur Formel 1 fahren wir in der Formel E mit einsitzigen Elektroautos, deren Basis für alle gleich ist. Jeder Hersteller hat jedoch das Recht, an seinem eigenen Elektromotor zu arbeiten. Die Meisterschaften finden an einem einzigen Tag und auf Rundkursen im Stadtzentrum statt. Dies ermöglicht es insbesondere den Herstellern, die Elektroautos anderweitig bekannt zu machen und den Menschen zu beweisen, dass sie schön, schnell und leistungsstark sein können sowie eine gute Reichweite haben.

Wie beeinflusst die Formel E den Automobilsport und die nachhaltige Entwicklung?

Die Formel E ist der erste CO2-neutrale Motorsport. Ein starker Punkt der Elektrizität ist, dass sie die Konstrukteur:innen dazu drängt, Technologien zu entwickeln, die auch in privaten Fahrzeugen genutzt werden können. Das gestaltet sich in der Formel 1 viel schwieriger. Diese Bemühungen tangieren auch die Forschung und die Entwicklung. Zum Beispiel arbeiten Konstrukteur:innen an der Effizienz eines Elektromotors, bei dem die Energie so sparsam und kraftvoll wie möglich genutzt werden soll.

Weshalb haben Sie sich für eine Fortsetzung Ihrer Karriere in der Formel E entschieden?

Als ich in der Formel E ankam, wusste ich, dass ich mit einem sehr guten Team und einem tollen Fahrzeug starten würde. Ausserdem fand ich die Idee interessant, an der Entwicklung der Technologie von morgen teilzunehmen, auch wenn das nicht wirklich der ursprüngliche Grund für meinen Beitritt in der Formel E war. Aber jetzt, da ich zwei Kinder habe, realisiere ich, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit ist und bringe mich viel mehr im Umweltschutz ein als zuvor. Gleichwohl muss ich gestehen, dass meine CO2-Bilanz katastrophal ist, weil ich oft mit dem Flugzeug in alle Ecken der Welt reise.

Was sind die spürbaren Unterschiede der Fahrzeuge in der Formel 1 und der Formel E?

Die Elektrofahrzeuge haben immer noch einige Schwachpunkte. Um eine gute Reichweite und Leistung zu erreichen, muss das Fahrzeug eine grosse und sehr schwere Batterie besitzen. Die Batterien können nicht im flachen Boden eingesetzt werden, weil man bereits auf diesem sitzt. Die Lösung, die man gefunden hat, ist, sie hinter den Rennfahrenden zu platzieren. Das macht aber das Fahren mit dem Fahrzeug etwas schwieriger und ist der Grund dafür, weshalb sich die Batterien nach und nach verbessern.

Und in Bezug auf die Schnelligkeit?

Ein Fahrzeug der Formel 1 erreicht auf Strecken mit langen Geraden 340 – 350 Kilometer pro Stunde. Man kann auch 500 Kilometer pro Stunde erreichen, muss in den Kurven aber sehr viel langsamer werden. Der Kompromiss ist also nicht besonders gut. In der Formel E fährt man hingegen ungefähr 230 Kilometer pro Stunde und kann bis zu 280 Kilometer pro Stunde erreichen, da die Rennen nur in der Stadt und auf kleinen Geraden stattfinden. Man ist nicht gezwungen, in den Kurven derart zu verlangsamen.

Was sind die Vor- und Nachteile der Elektromobilität?

Die Elektrofahrzeuge tragen zum Ziel der CO2-Neutralität bei und eignen sich auch hervorragend für Kurzstrecken. Trotz allem bestehen noch viele Herausforderung, wie das Fehlen der Ladestationen. Es muss ausserdem mehr grüne Elektrizität produziert und Batterien, wenn möglich, mit weniger seltenem Material als Lithium hergestellt werden. Andernfalls macht man nichts anderes, als die Umweltverschmutzung aus den Städten in die Minen zu verlagern. Ein anderer wichtiger Nachteil besteht im Recycling der Batterien.

Wie stellen Sie sich Ihre eigene Zukunft vor?

Ich hoffe, weiterhin Rennen fahren zu können und auch einige zu gewinnen. Das ist mein Ziel an jeder Meisterschaft. Mein Beruf ist meine Leidenschaft und ich habe wirklich das Glück, mit guten Teams und schönen Fahrzeugen fahren zu können.

Interview Andrea Tarantini und Léa Stocky 

Titelbild Romina Amato/Red Bull Content Pool

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

07.01.2022
von Andrea Tarantini
Vorheriger Artikel Elektromobilität: Die Meinung von Nyck de Vries
Nächster Artikel Lebensqualität und Innovation dank Gesamtlogistiksystem