Interview von Andrea Tarantini

Elektromobilität: Die Meinung von Nyck de Vries

Nyck de Vries, geboren und aufgewachsen in den Niederlanden, ist ein Formel-E-Rennfahrer, der sich selbst als positiv eingestellt und zielstrebig beschreibt. 2021 wurde er in seiner erst zweiten Saison der erste FIA-Formel-E-Weltmeister und holte zusammen mit dem Mercedes-EQ-Formel-E-Team zudem die Team-Weltmeisterschaft. Der junge Fahrer erklärt im Interview, was Formel E für ihn repräsentiert und weshalb nachhaltige Mobilität die Zukunft ist.

Nyck de Vries, geboren und aufgewachsen in den Niederlanden, ist ein Formel-E-Rennfahrer, der sich selbst als positiv eingestellt und zielstrebig beschreibt. 2021 wurde er in seiner erst zweiten Saison der erste FIA-Formel-E-Weltmeister und holte zusammen mit dem Mercedes-EQ-Formel-E-Team zudem die Team-Weltmeisterschaft. Der junge Fahrer erklärt im Interview, was Formel E für ihn repräsentiert und weshalb nachhaltige Mobilität die Zukunft ist.

Nyck de Vries, weshalb haben Sie sich dazu entschieden, Rennfahrer zu werden?

Meine Familie, besonders mein Vater, hat sich schon immer für Autos, Motorsport und Rennen interessiert. Ich schätze, er hat es sehr genossen, mich in einem jungen Alter aktiv in dieser Welt zu sehen. Viele Fahrer:innen starten mit dem Rennsport in jungen Jahren, was der Grund dafür ist, dass es zu einem regelrechten Lifestyle wird. Was mich betrifft, war es schon immer mein Traum, Rennen zu fahren und dabei ein hohes Niveau zu erreichen. Genau wie meine Kolleg:innen arbeite ich hart, da ich der Beste werden möchte in dem, was ich tue.

Weshalb haben Sie sich für eine Karriere in der Formel E entschieden?

Ehrlich gesagt war der Nachhaltigkeitsaspekt nicht das ausschlaggebende Kriterium für diesen Entscheid. Ich war einige Jahre in der Formel 2 aktiv, als sich mir die Möglichkeit eröffnete, in der Formel E anzutreten. Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere fühlte ich einfach, dass dies die richtige Entscheidung sein würde.

Wie unterscheiden sich die Rennen der Formel E von denen der Formel 1?

In der Formel E können wir nicht auf Telemetrie setzen, die es der Formel 1 erlaubt, Echtzeitdaten zu analysieren. Das Team kann dadurch nicht live sehen, wie der Zustand der Fahrzeuge ist. Damit unser Team uns durch das Rennen führen kann, müssen wir deshalb kontinuierlich Informationen weitergeben. Und das Mehr an Kommunikation hat wiederum zur Folge, dass ein grösserer Aufwand im Management betrieben werden muss.

Einige Menschen betrachten den Lärm eines Verbrennungsmotors, der bei Elektroautos verschwindet, als Indikator für die Leistung eines Fahrzeuges. Was denken Sie darüber?

Dass ein Zusammenhang zwischen dem Klang eines Fahrzeuges mit dessen Leistung oder Schnelligkeit bestehen soll, ist eine Illusion. Der Motorenlärm vermag lediglich furchterregend zu wirken, weshalb einige denken, dies stehe mit der Geschwindigkeit des Autos in Verbindung. Heutzutage braucht es aber rund um den Kurs keine Gehörschoner mehr, weder in der Formel E noch in der Formel 1. Und trotzdem sind die Fahrzeuge schneller, als sie es je waren.

Neben Elektroautos werden auch autonome Autos immer mehr zur Realität. Befürchten Sie einen Einfluss auf Ihren Job?

Nein. Ich glaube, niemand wird sich dazu begeistern können, autonomen Autos in einem Rennen gegeneinander zuzusehen. Die Pandemie unterstreicht zwar die Bedeutung von sozialen Medien und Technologien, aber eben auch die von menschlicher Interaktion und Kommunikation. Und aus der Perspektive des Sports bin ich nicht einmal sicher, dass es je möglich sein wird, Rennautos ohne menschliches Zutun zu betreiben.

Wie sehen Sie die Zukunft der Elektromobilität?

Elektromobilität wird unsere tägliche Zukunft sein. Bis dahin ist es nur eine Frage der Zeit. Es hängt davon ab, wie schnell die Hersteller die Fahrzeuge so entwickeln können, dass sie für alle einfach zu fahren und zu kaufen sind. Die Länder brauchen ausserdem einen Wandel in der Infrastruktur. Nicht nur, um alle Ladestationen bereitstellen zu können, sondern auch um den Strombedarf, der sich durch das gleichzeitige Laden hunderttausender Elektroautos ergibt, zu bewältigen.

Welche Eigenschaften der Formel-E-Fahrzeuge können in den nächsten zehn Jahren noch verbessert oder umgestaltet werden?

Veränderungen müssen prinzipiell die Batterie betreffen. Wir sind in der Lage, unglaublich kraftvolle Elektromotoren zu bauen, haben aber das Problem, dass die Batterie nur wenig Energiespeicher und -kapazität bereitstellt. Die Batterien sind zudem immer noch schwer. In der Formel E können diese über 300 Kilos wiegen.

Und wie sehen Sie Ihre eigene Zukunft?

Die Welt verändert sich sehr schnell. Es ist schwer zu sagen, was die spannendste oder die attraktivste Meisterschaft für mich und meine Karriere sein wird. Als ich mit Mercedes-Benz in der Formel E begann, hoffte ich darauf, für zehn Jahre oder länger Rennen fahren zu dürfen. Bedauerlicherweise können sich die Dinge aufgrund der Umstände ändern und wir wissen nie, was geschehen wird. Das Einzige, worüber ich mir sicher bin, ist, dass eine gute Leistung auf der Rennstrecke der einzige Weg ist, weitere Chancen für meine Karriere zu erhalten.

Bild: Sebastian Kawka, Daimler AG
Interview Andrea Tarantini und Léa Stocky 

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07.01.2022
von Andrea Tarantini
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