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Wie Farben in der Wohnungseinrichtung wirken

28.02.2019
von Michelle Christen

Ein strahlendes Gelb, ein beruhigendes Königsblau oder ein giftiges Orange – jede Farbe in der Wohnung hat eine andere Wirkung auf uns Menschen. Wer diese unterschiedlichen Effekte bei der Wohnungseinrichtung gezielt einsetzt, wertet sein Zuhause auf.

Letzten Sommer hat in Indien die erste Ikea-Filiale eröffnet. Das Möbelhaus wurde geradezu überrannt, was sogar für Schlagzeilen hierzulande sorgte. Ein Grund für den Riesenerfolg ist, dass der Geschmack der Inder in den Ausstellungszimmern berücksichtigt wurde. Inder gestalten ihre Wohnräume nämlich um einiges farbiger als die Schweizer. Trotzdem lohnt sich ein kleiner Ausflug in die Farbenlehre auch für uns. «Die Schwarz-Weiss-Welle in den Schweizer Innenräumen ist vorbei. Die nötige Wärme und Aussage der Farben sind gefragt», weiss Farbdesignerin Silvia Baur. Doch was sagen die einzelnen Farben denn aus? Anhand der bedeutungsvollen Farbtöne Blau und Rot zeigt «Fokus» die kulturabhängigen Effekte und mögliche Anwendungsbereiche in Wohnräumen.

Blaue Beruhigung

Vergleicht man die Bedeutung der einzelnen Farbtöne in der Schweiz und anderen Kulturen, scheinen wir beinahe etwas langweilig. So sind in orientalischen Ländern die Türen und Fenster blau gestrichen, um die guten Geister und Götter auf sich zu lenken. Die Schweizer hingegen entscheiden sich für blaue Badezimmerhandtücher, weil damit Wasser assoziiert wird. Das könnte man zumindest annehmen; doch auch hierzulande lösen Farben weitere Assoziationen als die naheliegendsten aus.

Rot hat je nach Kultur eine andere Bedeutung.

Baur erklärt: «Farben kommunizieren mit uns und beleben die Räume. Sie lösen bei den Menschen Wirkungen aus, was gezielt in der Wohnraumeinrichtung eingesetzt werden kann.» So wird die Farbe Blau in den westlichen Ländern mit einem strahlenden Himmel und der unergründbaren Tiefe des Meeres in Verbindung gebracht. Kein Wunder, wirkt die Farbe auf uns beruhigend und entspannend. Sie empfiehlt sich demnach nicht nur für die Badezimmerhandtücher, sondern ebenso für das Schlafzimmer. Eine enzianblaue Bettdecke, eine babyblaue Nachttischlampe und ein dazu passender Teppich: Bereits ein paar blaue Gestaltungselemente ermöglichen ein ausgeglichenes Gefühl vor dem Einschlafen.

Vielseitiges Rot

Schreibt ein Koreaner einen Namen mit roter Farbe, bedeutet das, dass diese Person tot ist. In Afrika hingegen werden in manchen Gegenden kranke Menschen mit der Farbe bestrichen, damit sie neue Lebenskraft erhalten. Rot hat je nach Kultur eine andere Bedeutung, aber immer handelt es sich um eine intensive und kräftige Assoziation. Und so ist es auch bei uns. Die Farbe steht in Europa für Liebe und Leidenschaft und wirkt auf uns aktiv bis nahezu aggressiv. Sie ist in Wohnräumen daher eher in kleinen Mengen zu verwenden und im Schlafzimmer gänzlich zu vermeiden.

In einem Fitnessraum können die aktivierenden Impulse hingegen positiv sein. Rot wird hierzulande auffallend häufig für Kino- und Theatersitze sowie Bühnenvorhänge verwendet. Historisch betrachtet ist das auf das königliche Purpur zurückzuführen. Früher wollten Theaterhäuser die Innenräume von Königshäusern widerspiegeln. Dass dieser Trend bis heute anhält, ist jedoch auf wissenschaftliche Erkenntnisse zurückzuführen: Rot ist die erste Farbe, die wir bei schlechten Lichtverhältnissen nicht mehr wahrnehmen. Und auch in Japan ist die Farbe seit eh und je gern in Innenräumen gesehen. Warum sie Rot so lieben und fast alle ihre Sehenswürdigkeiten in der Farbe getaucht sind, lässt sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit erklären. Mögliche Gründe sind der rote Punkt in der Nationalflagge oder die einfache Herstellung der Farbe durch die viel vorhandenen Vulkane im Lande. Rot ist die einzig knallige Farbe, die dort oft zu sehen ist. Ansonsten halten die Japaner ihr Zuhause lieber in pastelligen Farbtönen.

Rot ist die erste Farbe, die wir bei schlechten Lichtverhältnissen nicht mehr wahrnehmen.

Farbenscheue Schweizer tauen auf

Dass die Schweizer Haushalte nicht vor Farbe strotzen, ist kein Geheimnis. Jedoch sind die Räume hierzulande nicht mehr nur schwarz und weiss. Die aktuellen Trendfarben für Möbel sind sogar ähnlich wie die japanischen. «Pastellige Farbtöne wie Türkis, helles Orange und helles Grün sind gerade sehr beliebt. Weiter sind auch Braun- und Beigetöne sowie warmes Grau immer mehr gefragt», verrät Baur. Die Farbdesignerin achtet bei ihrer Arbeit gut auf das Zusammenspiel  zwischen den Farben und den natürlichen Materialien und Formen. Werden die Töne richtig eingesetzt, wirkt das Zuhause gleich viel freundlicher.

Ähnlich wie in der Schweiz bevorzugen die skandinavischen Länder in weissen und hellbunten Räumen zu leben. Bei ihnen ist das auf die langen, dunklen Nächten zurückzuführen. Doch wieso fahren wir hierzulande eigentlich so auf den schlichten Stil ab? Vorhänge, Wände und Geschirr sind für gewöhnlich weiss. Sogar das Sofa wird oft in einer hellen Farbe gewählt, obwohl es alles andere als pflegeleicht ist. Kennt man die Bedeutung der Farbe, erscheint der Grund für die Beliebtheit klarer: Weiss signalisiert Sauberkeit, Bescheidenheit und Neutralität. Während Weiss in China die Farbe der Trauer ist, gibt es in unserer Kultur keine einzige negative Assoziation mit ihr. Des Weiteren ist Weiss einfach zu kombinieren und relativ zeitlos. Der neue Trend der Pastellfarben lässt sich dadurch wunderbar in die bestehende Wohnungseinrichtung einbringen. Experimentierfreudige setzen ein paar knallige Farbnuancen und schauen, wie diese auf sie wirken.

Text: Michelle Christen

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