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IStockPhoto/Tero Vesalainen
Gesellschaft Wohnen

Hartes Wasser und seine Folgen

05.09.2022
von Julia Ischer

Wir kennen es alle: weisse Flecken auf dunklen Oberflächen, verfärbte Armaturen oder eine Duschbrause, bei der das Wasser in alle Richtungen spritzt. Oft ist Kalk die Ursache dafür. Was aber haben dieser und hartes Wasser miteinander zu tun? Und was sind die Folgen davon? «Fokus» hat bei einem Experten einer Trinkwasserversorgung nachgefragt.  

Die Wasserhärte bezeichnet die Konzentration an positiv geladenen Ionen von Magnesium, Calcium und anderen Erdalkalimetallen. In anderen Worten: Sie definiert den Kalkgehalt. Je höher der Härtegrad, desto mehr Kalk ist im Wasser. «Die verschiedenen Stoffe und Mineralien kann das Wasser bei der Versickerung und auf dem Weg durch das Erdreich deshalb so mühelos aufnehmen, weil es ein sehr gutes Lösungsmittel ist», sagt Walter Stauber, Leiter Projekte und Qualitätssicherung der StWZ Energie AG Zofingen. Dies ist auch die Erklärung dafür, weshalb die einzelnen Wasserhärtegrade in der Schweiz so unterschiedlich ausfallen: Je nach Region und Zusammensetzung der Böden oder Gebirge kann das Wasser verschiedene Mengen diverser Mineralien enthalten.

Auswirkungen auf Mensch und Haushalt

Die Folgen von hartem Wasser sind zahlreich. So entstehen beispielsweise unschöne Flecken auf Flächen und Armaturen, wenn das Wasser verdampft und nur noch die darin enthaltenen Mineralien zurückbleiben. Vor allem bei Wasserausläufen wie Duschbrausen oder Hähnen, die oft benutzt werden und somit von diesem Austrocknen häufig betroffen sind, bildet sich sehr schnell Kalk. Dasselbe passiert, wenn das Wasser mit alkalischen Stoffen wie Seife in Kontakt kommt. Aus diesem Grund muss die verwendete Menge Waschmittel und anderer waschaktiver Substanzen der Wasserhärte entsprechend eingesetzt werden. Die Angaben dazu stehen jeweils auf den Verpackungen.

Kalk entsteht vor allem dort, wo das Wasser erwärmt wird. Walter Stauber

Stauber zufolge findet aber vor allem dort eine Kalkausfällung statt, wo das Wasser erwärmt wird, wie beispielsweise in der Waschmaschine oder im Dampfbügeleisen. Dadurch bildet sich Kesselstein. Jedoch entsteht auch in Kaltwasser- und Ablaufleitungen Kalk und verstopft die Leitungen, wenn sich dieser zu grösseren Gebilden zusammenballt. In selteneren Fällen bleibt er sandartig in der Leitung liegen oder wird weitergespült. Die Vorgänge zur Kalkbildung in kaltem Wasser konnten gemäss Stauber noch nicht vollständig nachvollzogen werden, da das Gebiet der Wasserchemie sehr komplex ist.

Auf den Körper hat hartes Wasser vor allem positive Effekte. Die vielen Mineralien können sehr gut in unseren Kreislauf aufgenommen und anschliessend an ihren Wirkungsort transportiert werden. Magnesium und Calcium sind beispielsweise wichtig für mehrere Stoffwechselvorgänge, den Aufbau von Knochen und Zähnen sowie die Blutgerinnung. Der tägliche Bedarf einer erwachsenen Person kann aber auch mit sehr hartem Wasser nicht vollständig abgedeckt werden.

Was tun bei hoher Wasserhärte?

Um etwas gegen hartes Wasser und folglich Kalkansammlungen zu machen, gibt es Wasserenthärter für Haushaltsinstallationen. Dazu erwähnt Stauber aber, dass eine solche Anlage einer regelmässigen Wartung bedürfe und im Hinblick auf das Trinkwasser wegen der eingesetzten Hilfsmittel nicht ganz unproblematisch sei. «Trinkwasser ist am besten, wenn man es aus einer natürlichen Quelle ohne chemische Eingriffe wie Wasserenthärter verwenden kann», fügt er an. Des Weiteren gibt es Zusatzmittel für Waschmaschinen, die Kalkablagerungen verhindern oder zumindest minimieren sollen. Kleingeräte sollten regelmässig entkalkt werden oder können beispielsweise im Falle des Dampfbügeleisens mit entmineralisiertem Wasser betrieben werden. Hier sei es aber wichtig, zuerst die Herstellerempfehlungen zu berücksichtigen, betont der Experte.

Schweizer Städte und ihre Wasserhärten

Die Wasserhärte in der Schweiz wird in französischen Härtegraden angegeben. Dabei entspricht 1 °fH genau 10 Milligramm Kalk pro Liter Wasser. Meistens kann man für eine Stadt keine konkreten Wasserhärteangaben machen, da sie je nach Stadtteil unterschiedlich ausfallen können. Staubers Beispiel mit den Werten des Jahres 2021 aus Zofingen erklärt dies näher: «Zofingen hat drei Versorgungszonen, die das Wasser jeweils aus verschiedenen Quellen oder aus dem Grundwasser erhalten. Das Quellgebiet 1 hat die Wasserhärten 19 – 21 °fH, das Gebiet 2 die Härten 29 – 31 °fH und das Grundwasser hat die Härtegrade 31 – 34 °fH.»

Wasserhärtewerte einiger Schweizer Städte

Ortschaft Wasserhärte in °fH
Basel 18 – 25 °fH
Bern 25 °fH
Biel/Bienne 17 – 25 °fH
Chur 17 – 20 °fH
Genf 14 – 25 °fH
Lausanne 15 – 25 °fH
Lugano 20 °fH
Luzern 15 – 25 °fH
Schaffhausen 20 – 30 °fH
Sitten/Sion 18 – 35 °fH
St. Gallen 16 – 25 °fH
Zofingen 19 – 34 °fH
Zürich 13 – 18 °fH

Eigene Zusammenstellung mit Daten von Sanitär Meier.

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Die Einteilungen der Wasserhärte und ihre Bedeutung

0 – 7 °fH           sehr weiches Wasser

7 – 15 °fH         weiches Wasser

15 – 25 °fH       mittelhartes Wasser

25 – 32 °fH       ziemlich hartes Wasser

32 – 42 °fH       hartes Wasser

>42 °fH            sehr hartes Wasser

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