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Zürich
9 August 2020

Die Schweizer Natur ist einzigartig und schützenswert.

Die landschaftliche Schönheit und Vielseitigkeit der Schweizer Natur ist für uns ein Teil der Identität, für ausländische Touristen ein Reisehighlight – und für viele Tiere und Pflanzen ein wertvoller Lebensraum. Doch das Paradies ist zunehmend bedroht.

«Über den Wundern der Ferne vergiss nie die herrliche Natur, die silbernen Gebirge deines Vaterlandes! », schrieb Gottfried Keller schon vor über hundert Jahren. Noch heute definiert man die Schweiz über ihre landschaftlichen Besonderheiten. «Wasserschloss Europas» wird sie genannt, im Ausland gerne auch als «Alpenrepublik» bezeichnet. In der Tat prägen das Wasser und die Berge die Schweiz und deren Einwohnerinnen und Einwohner. Die eidgenössischen Ströme, Flüsse, Bäche und Rinnsale kumulieren sich auf eine Länge von 67’000 Kilometern, was mehr als dem anderthalbfachen des Äquatorumfangs entspricht. Auch in der Höhe ist die Schweiz spitze: 48 Gipfel überragen die Marke von 4000 Metern – im europäischen Vergleich unübertroffen.

Behütete Schönheit

Stolze 120 Gletscher mäandrieren (wenn auch zunehmend weniger weit) von den Berggipfeln in die Alpentäler hinunter. Andere Parameter sind weniger bekannt. Wald beispielsweise ist im Schweizer Landschaftsbild überaus prägend, denn nicht weniger als dreissig Prozent der Staatsfläche sind von Tannen, Eichen, Buchen und anderen Holzgewächsen bedeckt. Speziellen Schutz geniesst die Schweizer Fauna und Flora in den über 700 Naturschutzgebieten mit einer Fläche von 250 Quadratkilometern, was mehr als 35’000 Fussballfeldern entspricht. Nicht zu vergessen der Schweizerische Nationalpark im Engadin, der auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken kann.

Der Naturraum steht nicht nur durch die Bautätigkeit unter Druck, sondern auch wegen der Verschmutzung von Luft, Böden und Gewässern.

Bautätigkeit gefährdet Natur

Unser Land hat aber auch eine weniger paradiesische Seite. Das Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte hatte einen erhöhten Platzbedarf zur Folge: Wohnungen, Strassen, Einkaufszentren und Bahnlinien wurden gebaut. Zwischen 1985 und 2009 ging gemäss dem Bundesamt für Statistik pro Sekunde mehr als ein Quadratmeter Boden der Landwirtschaftszone verloren. Diese Problematik, bekannt geworden durch das Schlagwort «Zersiedelung», wurde inzwischen erkannt und gebremst. Das dazugehörige Stichwort heisst «verdichtetes Bauen»: Anstatt noch mehr Kulturland zu verbrauchen, sollen bis anhin unbebaute Flächen innerhalb der Wohnzonen besser genutzt werden. Dieses Umdenken ist wichtig, denn die Bevölkerungszahl wird weiter zunehmen – die Lösung für den Platzbedarf kann aber nicht die weitere Bebauung des Kulturlandes sein.

Giftstoffe belasten die Schweizer Natur

Der Naturraum steht nicht nur durch die Bautätigkeit unter Druck, sondern auch wegen der Verschmutzung von Luft, Böden und Gewässern. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist für viele Tiere und Pflanzen zu einer ernsthaften Bedrohung geworden. Und auch für uns: Am Ende der Nahrungskette steht der Mensch, die Giftstoffe landen letztlich in unseren Körpern. Ebendiese Körper müssen zudem vielleicht bald auf wichtige Nahrungsmittel verzichten: Diejenigen nämlich, die auf die Bestäubung von Bienen angewiesen sind. Bienenvölker sind weltweit unter Druck, in der Schweiz ist das nicht anders. Mit ein Grund für das Bienensterben sind gewisse Pestizide, welche die Fruchtbarkeit und Robustheit der «Bienli» verringern.

Bestäubung ein wichtiger Faktor

In der Schweiz sind nicht nur die Obst- und Beerenkulturen von der Bestäubung durch Honig- und Wildbienen angewiesen. Bei Kulturpflanzen wie Raps, Sonnenblumen oder Ackerbohnen ist die Bestäubung durch Bienen viel effizienter als die Windbestäubung. Der Nutzwert der Bienenbestäubung beträgt hierzulande gemäss einer Studie von Agroscope 350 Millionen Franken pro Jahr. Zu diesem Wert tragen nicht nur die bekannten Honigbienen bei, sondern auch die weniger bekannten Wildbienen. Unter diese Bezeichnung fallen zahlreiche Bienenarten, die im Gegensatz zu Honigbienen nicht für die Imkerei eingesetzt werden. Nichtsdestotrotz sind Wildbienen eine wichtige Ergänzung bei der Bestäubung: Sie sind bereits im März und damit früher als die Honigbienen unterwegs und starten auch bei schlechterem Wetter. Zudem sind sie fleissiger: Eine einzige Wildbiene bestäubt pro Tag bis zu 5000 Blüten!

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist für viele Tiere und Pflanzen zu einer ernsthaften Bedrohung geworden.

Geeignete Voraussetzungen schaffen

Für Bienen, Insekten und andere Kleintiere ist das Vorhandensein eines möglichst vielfältigen Blütenangebots überlebenswichtig. Gleiches gilt für geeignete Nistplätze wie Totholz, Trockensteinmauern, Steinhaufen oder hohle Pflanzenstängel. Das müssen keine riesigen Flächen sein – gerade in urbanen Gebieten hilft auch der kleine Vorgarten, das begrünte Dach oder der Balkon mit Blumentöpfen. So kann man mit wenig Aufwand einen wertvollen Beitrag für die Artenvielfalt leisten. Die Sensibilisierung für Umweltthemen ist ohnehin sehr wichtig, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die heute je nach Umfeld nicht unbedingt einen Bezug zur Natur entwickeln.

Durch die Praxis sensibilisieren

Eltern, Schulen und Organisationen können Themen wie Nachhaltigkeit, Biodiversität und Umweltschutz für künftige Generationen greifbar machen, indem sie mit ihren Kindern und Schülern an konkreten Projekten teilnehmen. Ebenso wichtig ist es, die entsprechenden Werte im Alltag vorzuleben: Beim Einkauf darauf achten, dass die Lebensmittel aus der Region stammen und biologisch angebaut wurden. Oder statt auf gezüchtete exotische Pflanzen lieber auf einheimische Wildpflanzen im Garten setzen.

Im Kleinen fängt es an. Im Grossen hilft es, die einzigartige Landschaft unseres Landes zu erhalten. In diesem Sinne kann man Gottfried Kellers Ausspruch durchaus auch als Aufforderung verstehen, für den Fortbestand der «herrlichen Natur» und der «silbernen Gebirge» einzutreten.

Text: Remo Bürgi

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