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Zürich
3 Juni 2020

Nicht dumm aus dem Anzug schauen.

Marc ist nervös, denn sein grosser Tag ist endlich gekommen. Morgen startet er nach mehrjährigem Studium seine Karriere bei seinem Traumarbeitgeber im Versicherungswesen. Doch bereits zuhause steht er vor der ersten schwierigen Entscheidung: Wie erfüllt man den Dresscode Business Casual?

Bereits zwei Wochen nach dem Vorstellungsgespräch lag die Einladung zum ersten Arbeitstag im Briefkasten. Darin hiess das Unternehmen seinen neuen Schützling herzlich willkommen. Dabei fiel Marc auf, dass am Schluss des Briefes vermerkt war, dass man ihn bei seiner Premiere im «Business Casual»-Outfit erwarte. Marc fragt sich nun, was das für ihn bedeutet.

Die Qual der Wahl

Er folgt dem Rat seines Vaters und entscheidet sich nach langem Hin und Her für den dunkelblauen Anzug mit weissem Hemd und roter Krawatte, welchen er sich extra für die Diplomfeier seines Studiums massschneidern lassen hatte. Wie sich später rausstellen sollte, war das ein Fehler. Hätte er bei der Entscheidungsfindung doch besser einmal die berühmteste Internet-Suchmaschine um Rat gefragt. Denn: Auch beim Dresscode, egal ob «Business», «Business Casual», «Smart Casual» oder nur «Casual», kann man schnell ins Fettnäpfchen treten. Natürlich verwirren einem die ähnlichen Namen schnell einmal.

Der Arbeitstag

Marc geht guten Mutes und schick angezogen an den Empfang des Versicherungsunternehmens. Von seiner Vorgesetzten wird er abgeholt und jedem seiner neuen Teammitglieder vorgestellt. Am Schluss der Vorstellungsrunde nimmt ihn seine Chefin zur Seite und flüstert ihm zu: «Deine Krawatte gefällt mir, aber eigentlich brauchst du bei uns keine anzuziehen.» Da Marc ein eher schüchterner Typ ist, ist ihm diese Bemerkung äusserst unangenehm und er errötet, vergisst aber zu fragen, was denn unter «Business Casual» verstanden wird. Ansonsten verläuft sein erster Arbeitstag einwandfrei und beim gemeinsamen Mittagessen kann er bereits einige nette Bekanntschaften schliessen. Er fühlt sich wohl.

Der Feierabend

Zuhause angekommen lässt Marc die Aussage seiner Chefin keine Ruhe und er sucht im Internet nach der Definition für den «Business Casual»-Look. Auf der Website eines Modeberaters wird er fündig. Er hat an seinem ersten Arbeitstag nicht viel falsch gemacht, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Mit dem dunklen Anzug lag er richtig und auch das weisse Hemd passte wie angegossen. Aber hier steht es schwarz auf weiss: keine Krawatte. Marc errötet schon wieder. Zudem wird aufgeführt, dass ein Einstecktuch in der Brusttasche das «Business Casual» Outfit abrundet und auflockert. Der junge Mann entschliesst sich, die Krawatte zukünftig wegzulassen und fragt sich nun zu Recht: «Was gibt es noch für andere Stilrichtungen, welche im Berufsalltag zum Einsatz kommen können?» Deshalb recherchiert er weiter.

Ob sich dieser Trend hin zu lockereren Dresscodes auch bei alt eingesessenen Branchen wie Banken oder Versicherungen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Die Alternativen

Bei seiner Suche nach weiteren Kleidungsformen wird Marc schnell klar: Kleider machen auch im Berufsleben Leute. Da kann eine passende Wahl der Klamotten schon einmal den ersten Eindruck des Gegenübers beeinflussen. Darüber hinaus sticht ihm ins Auge, dass sich die Welt der Anzugträger in den letzten Jahren etwas verändert hat. Nichtsdestotrotz hält sich der «Business»-Style in einigen Branchen hartnäckig. Dort wird ein Anzug – nicht allzu körperbetont –, eine Krawatte oder eine Fliege, und den farblich auf die Schuhe perfekt abgestimmten Gürtel verlangt. Denn sind die Schuhe dunkelbraun, sollte zwingend auch der Gürtel die gleiche Farbe aufweisen. Demgegenüber sieht Marc, dass Arbeitende im Backoffice, welche keinen Kunden-
kontakt haben, auch in Jeans und T-Shirts bei der Arbeit erscheinen dürfen. Hierbei ist jedoch wichtig, dass das Outfit gepflegt ist und man beispielsweise keine ausgebeulten Hosen trägt.

Marc findet nebst den Klassikern den neusten Schrei in Sachen Arbeitsoutfit: «Smart Casual». Bei diesem Trend dürfen die Textilien auch etwas mehr nach Freizeit aussehen. Es ist jedoch Vorsicht geboten. Dies heisst nicht, dass man in Jogginghosen oder Leggins zur Arbeit erscheinen darf. In der Arbeitswelt gilt ein Zitat von Modezar Karl Lagerfeld: «Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren», oder zumindest über seinen Arbeitsplatz, da man sich danach über eine Kündigung nicht beklagen darf. Zurück zu «Smart Casual». Wer Chinos mit einem Hemd und eventuell einem Blazer darüber kombiniert, ist bei dieser Vorgabe bestens gekleidet. Wer’s noch freizeitlicher mag, kombiniert die erwähnten Oberteile mit gepflegten Jeans.

Das Fazit

Ob sich dieser Trend hin zu lockereren Dresscodes auch bei alt eingesessenen Branchen wie Banken oder Versicherungen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Bereits heute ist jedoch klar, dass sich ein Fauxpas wie derjenige von Mike bei seinem Arbeitsdebut leicht vermeiden lässt. Wer sich gegen eine Kleidervorschrift zur Wehr setzt und diese nicht akzeptieren will, muss wohl oder übel mit den Konsequenzen leben. Der einheitliche Auftritt und die damit verbundenen Auflagen in Sachen Garderobe sind in vielen Gesellschaften Teil der Unternehmenskultur. Hat ein Betrieb häufigen Kontakt zu seinen Kunden, macht eine einheitliche, gepflegte Montur natürlich Sinn. Es wird dadurch Kompetenz vermittelt und man kann einen bleibenden Eindruck bei Kunden hinterlassen. Letzten Endes gilt jedoch: Die Kleidervorschriften sind Chefsache. Alles, was dabei nicht gegen Sitte und Moral verstösst, gilt es vom Arbeitnehmer auszuführen, egal ob man damit einverstanden ist oder nicht. Welches Outfit auch immer Marc in Zukunft erwartet, wichtig ist, dass er sich darin wohlfühlt.

Text: Ishan Ilangakoon

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