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30 März 2020

Weiss und Schwarz? Die Geschichte von Hochzeitskleidern und deren Zukunft.

Die neuen Trends für das Brautkleid und den Bräutigam-Anzug bringen Herzen zum klopfen. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass wir uns an unserem grossen Tag kleiden, wie es Brauch ist?

Ob bei der Royal Wedding oder bei den Hochzeiten von uns Normalsterblichen: Neben der Liebe, die gefeiert wird, steht bei der Zeremonie das Brautkleid im Mittelpunkt. Sorgfältig wird es ausgesucht, stundenlang anprobiert und massgeschneidert. Auf dem Fest zieht es dann alle Blicke auf sich. Es lässt die Gäste staunen und die Braut sich wie eine Prinzessin fühlen. Das Brautkleid ist quasi ein Talisman geworden. Das gleissend weisse Kleid steht für Unschuld und Unberührtheit, schon seit Menschendgedenken. So meint man jedenfalls. Tatsächlich ist die Geschichte des weissen Brautkleides um einiges kürzer als die der Hochzeiten.

Das weisse Brautkleid als traditioneller Standard entstand erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Davor gab es vereinzelt weisse Hochzeiten, wenn es sich das Ehepaar leisten konnte. Aber auch die Reichsten und Adeligen trugen oft Gold oder Blau. Die Armen trugen schlicht ihre schönsten Kleider, die sie besassen. Damals dachten die Frauen, ob königlich oder Untertanen, ausserdem nicht im Traum daran, dass sie das Hochzeitskleid nur einmal im Leben anziehen würden.

Das weisse Brautkleid als traditioneller Standard entstand erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Viktorianische Tradition

Was führte denn Mitte des 19. Jahrhunderts zur weissen Revolution? Natürlich ändern sich Traditionen nicht einfach über Nacht. Aber die Hochzeit der englischen Königin Victoria wird weithin als Auslöser betrachtet, der zum weissen Standard geführt hat. Weitere zusammenspielende Faktoren unterstützten die Veränderung. So wurde das Bild des verwaschenen weissen Hochzeitskleids der Königin durch die zu der Zeit frisch aufkommenden Frauenmagazine unter dem Volk verbreitet. Die Ehe der Königin mit ihrem Gemahl wurde hoch idealisiert und romantisiert, sodass viele Frauen Victoria nacheifern wollten. Dies wurde dann auch nach und nach durch die Industrialisierung ermöglicht, die die Preise für weisse, königliche Brautkleider senken konnte.

Die neue Tradition verfestigte sich endgültig, als viktorianische Schriftsteller und Dichter in revisionistischer Manier ihre Werte von romantischer Liebe und Reinheit zurück projiziert haben. Sie ordneten dem weissen Kleid die Bedeutung von Unschuld und Jungfräulichkeit zu und behaupteten, dass dies bereits seit jeher der Fall war. Spätestens ab den 1920er Jahren etablierte sich das weisse Kleid als Normalität und hielt sich bis in die Gegenwart, nur in Form und Länge durch verschiedene Trends variierend.

Der Anzug verblasst neben dem Kleid

Der Anzug des Bräutigams erlebte keine derart einschneidende Zeit in seiner Geschichte. Über die Jahrhunderte blieb er mehr oder weniger simpel der schönste Anzug, den der Mann besass. Einzig in royalen Hochzeiten war es üblich, im Partnerlook zur Braut, also auch golden oder blau, aufzutreten. In ländlichen Gebieten war die schönste Kleidung des Mannes oft die Tracht. Anfangs der viktorianischen Zeit gewann der Gehrock  an Beliebtheit, der Mitte des 19 Jahrhunderts vom sogenannten «Morning Coat» abgelöst wurde. Gleichzeitig tauchte der Frack auf, den man vor allem an abendlichen Anlässen getragen hat.

Anfangs 20. Jahrhundert wurde der sogenannte «Black Tie»-Dresscode eingeführt. Der besagte, dass in Abendgesellschaften Männer ein weisses Hemd mit schwarzer Krawatte unter einem schwarzen «Dinner Jacket» und über einer schwarzen Hose trugen – die erste Version der heutigen Anzüge. Natürlich ging auch die Bräutigamsmode in den letzten hundert Jahren durch viele Trends und Veränderungen, aber grossartig hat sie sich seitdem nicht mehr verändert.

Spätestens ab den 1920er Jahren etablierte sich das weisse Kleid als Normalität und hielt sich bis in die Gegenwart.

Trends der Zukunft

In den letzten hundert Jahren haben das Brautkleid und der Bräutigam-Anzug gleichermassen verschiedene Trends durchgemacht. Um den Blick aber von der Vergangenheit abzuwenden, wenden wir uns den Trends von 2019 zu.

Ähnlich wie zu Zeiten Victorias werden nächstes Jahr die Trends vermutlich auch von einer Royal Wedding inspiriert sein: der von Prinz Harry und Meghan Markle. Es können also Schlichtheit und Eleganz erwartet werden. Ein modernerer Trend stellen die 3D-gedruckten Stoffe mit Blumenmuster dar, die von vielen Designern für das nächste Jahr vorgestellt wurden. Genauso scheinen Maschen, egal ob gross oder klein, beliebt zu sein. Neben diesen neuen Trends bleibt aber auch Platz für Altbewährtes. «Das Spitzen-Brautkleid aus dem letzten Jahr wird in 2019 sicherlich weitergeführt, zudem werden vermehrt Blush-Töne und Rosé-Töne unter der weissen Spitze verwendet», vermutet Lucia Lazzaro, Präsidentin des Verbandes Unabhängiger Schweizerischer Hochzeitsplaner. «Ausserdem werden weiterhin tiefe Rückenausschnitte verbreitet sein», fügt sie hinzu.

Stilvoller Bräutigam

Für die Männer wird es bei der Trauung 2019 angesagt sein, eine Weste zu tragen. Egal ob mit einer oder zwei Knopfreihen, dürfen die Westen durchaus Muster vorzeigen, die etwas von der dunklen Schlichtheit des Anzugs hervorstechen. Denn «es bleiben auch in 2019 feine Musterungen und taillierte, eher kurz geschnittene Jackets im Trend», erzählt Lucia Lazzaro.

Bezüglich der Farbe bleiben Blau- und Grautöne im Trend. Zusätzlich zu dem taillierten Dreiteiler, runden weiterhin Accessoires wie Manschettenknöpfe, Krawattennadel oder Fliege und Hosenträger das Erscheinungsbild des modernen Bräutigams ab. Dabei sollte man darauf achten, dass sie farblich zum Anzug passen. Wer originell sein will, kann sogar die Farben der Hochzeit darin aufnehmen.

Etwas mehr als hundert Jahre ist es nun her, seit die Hochzeit in Schwarz und Weiss eingeführt wurde. Seither sorgten verschiedenste Trends dafür, dass die Bilder von Braut und Bräutigam nie langweilig geworden sind und ihre Kleider der Ästhetik der Zeit gerecht waren. Die Trends von 2019 garantieren, dass sich Braut und Bräutigam von ihren Gästen bestaunen lassen können, wie einst Königin Victoria und ihr Gemahl Edward von ihrem Volk.

Text: Simon Misteli

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