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26 Mai 2020

Der Trinkgeld-Knigge.

Wie viel Trinkgeld ist eigentlich angemessen? Obwohl in der Schweiz das Trinkgeld inklusive ist, zahlt man bei gutem Service gerne mal zehn Prozent extra. Doch das ist längst nicht überall so einfach. Der grosse Trinkgeld-Knigge.

Hierzulande ist Trinkgeld keine Pflicht. Es ist viel mehr eine besondere Wertschätzung gegenüber dem Personal oder dem Restaurant und zuweilen Ausdruck für eine spezielle Aufmerksamkeit oder eine zusätzliche Dienstleistung. Dies bestätigt auch Brigitte Meier-Schmid von GastroSuisse: «Die Abgabe eines sogenannten Overtip ist eine freiwillige Angelegenheit. Der Gast entscheidet selbst, ob und wenn ja, wie viel und wem er es geben möchte.» In der Gastronomie wird das Trinkgeld als Overtip bezeichnet, da es seit 1974 im Preis inbegriffen ist.

Des Weiteren ist die Art der Verteilung von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. «In manchen Restaurants werden die Trinkgelder unter den Mitarbeitenden, entweder aus dem Service oder auch aus der Küche, aufgeteilt», führt Frau Meier-Schmid aus. Allgemeingültige Regelungen gäbe es nicht.

Einfache Faustregel für Europa

In Europa gilt, je nördlicher man ist, desto ungewöhnlicher ist Trinkgeld. In Skandinavien beispielsweise ist die pekuniäre Anerkennung unüblich. Nur Schweden tanzt hier aus der Reihe. Dort sind in einem Restaurant zehn Prozent üblich. Taxifahrer freuen sich, wenn man den Betrag aufrundet und ob man dem Hotelpersonal ein wenig extra geben möchte, obliegt dem eigenen Geschmack, lässt die schwedische Tourismus Homepage verlauten.

Im Süden Europas ist Trinkgeld aber nach wie vor gerne gesehen. In Frankreich und Spanien sind Touristen auf der sicheren Seite, wenn sie zum Gesamtbetrag zehn Prozent dazugeben. Und obwohl die offizielle Fremdenverkehrswebsite von Italien versichert, dass Trinkgeld nicht obligatorisch ist, haben sich auch dort die zehn Prozent durchgesetzt. Nur in Österreich und Grossbritannien bewegen sich die Trinkgelder zwischen 10 und 15 Prozent.

Auch Asien gewöhnt sich ans Trinkgeld

In Asien, so sagt man, reicht meistens ein höfliches Lächeln – zumindest in Malaysia, Vietnam und China. In Thailand aber, dem Land des Lächelns, hat das Trinkgeld langsam Fuss gefasst. Denn auch abseits der touristischen Regionen sind heutzutage zehn Prozent üblich. Dies gilt vor allem im Restaurant. Taxifahrer erhalten in der Regel kein Trinkgeld, liest man auf der offiziellen Homepage des thailändischen Fremdenverkehrsamtes. Ausser bei besonderen Gefälligkeiten. Da soll man den Chauffeur mit den üblichen zehn Prozent belohnen. Bräuche das Trinkgeld zu überreichen, gäbe es nicht, meint der Reiseexperte und Asienspezialist Kim Tran von Asia365 «Es zeigt aber durchaus Respekt, wenn man das Trinkgeld mit beiden Händen, einem Lächeln und einer leichten Beugung überreicht.» Und obwohl es vielerorts in Asien unüblich ist Trinkgeld zu bezahlen, sollte man stets genügend Kleingeld zur Hand haben, um allfällige aussergewöhnliche Dienstleistungen zu entlohnen, bestätigt der Reiseexperte.

In Thailand hat das Trinkgeld langsam Fuss gefasst.

Der Gast ist Gott

Doch in Japan finden Touristen das Kleingeld, welches sie für den Zimmerservice auf dem Kissen liegenliessen, am Abend wieder am gleichen Ort vor. Und auch im Taxi wird man mit grossen Augen angesehen, falls man etwas mehr als den verlangten Preis bezahlen will. Denn Trinkgeld ist im Land der aufgehenden Sonne nicht nur ungewöhnlich, sondern gilt sogar als unhöflich. «Ein Kellner, der einfach seinen Job macht, kann Trinkgeld als Vorwurf auffassen, dass man mit dem erhaltenen Service nicht zufrieden sei», meint der Japanologe Eduard Klopfenstein von der Universität Zürich. Es sei aber durchaus möglich, Trinkgeld zu geben, aber nur wenn die Dienstleistung weit über das Übliche hinausgehe. Der Grund hierfür ist die japanische Arbeitsmoral. In Japan definiert man sich stark über die Arbeit. Gilt sie dort nicht als Last, sondern als Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen und einzubringen. Guter Service ist eine Selbstverständlichkeit. Laut einem japanischen Sprichwort ist der Gast nämlich Gott und nicht nur König. Nur der Höflichkeit der Japaner ist es geschuldet, sollten sie das Trinkgeld trotzdem entgegennehmen.

Trinkgeld ist Pflicht in den USA

In den vereinigten Staaten sowie in Kanada ist es nicht nur üblich den Service zu belohnen. Es wird sogar erwartet – und zwar mit üppigen 15 bis 20 Prozent. Das Trinkgeld gilt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nämlich als zusätzliche Einnahme für das Servicepersonal. Die Löhne in der Gastronomie Branche sind derart niedrig – der Mindestlohn beträgt gerade mal $ 2.13 pro Stunde. Darum ist das Servicepersonal auf diese zusätzlichen Einnahmen angewiesen, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Die offizielle Tourismushomepage von den Vereinigten Staaten hat daher gewisse Faustregeln aufgelistet.

Restaurants: 15 – 20 Prozent
Bar: $ 1 pro Drink, oder 15 – 20 Prozent auf den Rechnungsbetrag
Hotelpage: $ 1 – 2 pro Gepäckstück
Taxifahrer: 10 – 18 Prozent
Zimmermädchen: $ 2 – 5 pro Nacht

Nicht nur die Höhe des Trinkgeldes unterscheidet sich von Land zu Land, sondern auch die Sitten, wie es gezahlt wird. Während wir Schweizerinnen und Schweizer meist getrennt zahlen und jeder individuell den Betrag aufrundet, wird in Frankreich der Gesamtbetrag bezahlt und das Trinkgeld auf dem Tisch hinterlassen. Deshalb ist es sinnvoll, sich vor einer Reise über die regionale Trinkgeldkultur der Zieldestination zu informieren. In vielen Ländern trifft man in Restaurants auf eine sogenannte Servicegebühr, welche bereits in der Rechnung inbegriffen ist. Ursprünglich stammt diese Idee wohl aus den USA und ist eine fixe Gebühr, die das Trinkgeld ersetzten sollte. Darum ist es ratsam die Rechnung genau zu überprüfen, bevor man schlussendlich zu tief in die Tasche greift.

Text: Moreno Oehninger

Damit der gut gemeinte «Tip» auf Reisen nicht zum Affront wird, haben die Reiseexperten von seeker den Trinkgeld-Knigge erstellt, der zeigt, wo wie viel Trinkgeld üblich ist.

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